Wibke Poth
Simone Fleischmann im Gespräch mit Wibke Poth 17.09.2021 Startseite TopmeldungArbeitsbelastungCoronatestSchulleitung

PCR-Pooltests: mehr Sicherheit, wenig Vorlaufzeit

Und wieder liegt die ganze Organisation bei unseren Schulleitungen. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann spricht mit Wibke Poth, vbe-Hauptpersonalrat in NRW, über PCR-Lollitests an Grund- und Förderschulen.

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Simone Fleischmann: Wie war das denn bei Euch mit der Einführung der Lollitests – was war gut und was war nicht so gut? Und wie geht’s den Kolleginnen und Kollegen damit?

Wibke Poth: Das Sicherheitsgefühl ist enorm gestiegen. Und im Gegensatz zu den Schnelltests ist das Verfahren wirklich einfach und lässt sich auch mit den Kleinen sehr gut durchführen – einfach das Stäbchen in den Mund und daran lutschen. Und weil die Lehrerinnen und Lehrer hier nicht mehr die Einzeltestkits auseinander pflücken müssen, ist es auch für sie deutlich leichter geworden. Aber klar: am Anfang ist es ein irrer Aufwand, wieder was Neues und wieder viel Organisationsaufwand – bis es sich einspielt.

Simone Fleischmann: Wie funktioniert das bei Euch mit den Rückmeldungen, wer kriegt wann das Ergebnis mitgeteilt?

Wibke Poth: Das ist leider ein schwieriger Punkt. In NRW werden die Ergebnisse von den Laboren an die Schulleitungen gemeldet – und zwar bis spätestens 6.00 Uhr des nächsten Tages. Das heißt aber, dass die Nachricht auch abends oder sogar nachts kommen kann. Mit der Folge, dass viele ihr Handy mit ins Bett nehmen und gar nicht mehr zur Ruhe kommen. Das ist eine enorme psychische Belastung, da muss es unbedingt eine andere Lösung geben.

Simone Fleischmann: Absolut, in einer solchen Habacht-Stellung kann man nicht abschalten und zur Ruhe kommen. Das widerspricht jeglicher Work-Life-Balance. Das kann nicht gut gehen.
In Bayern hat man daraus offensichtlich gelernt. Hier sollen nicht die Schulen, sondern die Eltern informiert werden. Allerdings hat das insofern Tücken, als die technische Einrichtung erstmal über die Schulen läuft – auch das ist ein weiterer erheblicher Aufwand für unsere Schulleiterinnen und Schulleiter.

Simone Fleischmann: Was passiert denn, wenn ein Pooltest positiv ist?

Wibke Poth: Tja, da liegt noch ein anderer Haken. Wenn der Pooltest positiv war, wird der zweite, also der Individualtest jedes einzelnen Kindes, zu Hause durchgeführt. Und komischerweise war bei diesen Tests dann manchmal niemand mehr positiv. Ich will den Eltern bestimmt nichts unterstellen, aber das ist eine echte Schwäche dieses Verfahrens. Außerdem müssen die Teströhrchen ja erst wieder zurück zur Schule kommen und werden auch dann erst ausgewertet. Da geht wertvolle Zeit verloren.

Simone Fleischmann: Auch hier hat Bayern das Verfahren wohl verbessert – zumindest in der Konzeption: Bei uns werden im Klassenzimmer zwei Proben genommen, also zwei Lollis gelutscht. Ist der Pool positiv, kann man sofort und ohne weiteren Aufwand auf die Einzelproben zurückgreifen und daran erkennen, welches Kind positiv ist.

Wibke Poth: Da kann ich nur sagen, das ist tatsächlich eine echte Verbesserung.

Simone Fleischmann: Das sehen wir auch so. Allerdings muss es jetzt noch in die Praxis umgesetzt werden. Und diese ganze Organisation liegt wieder bei unseren Schulleitungen. Dass hier eine Woche Vorlaufzeit zu knapp war, hätte sich das Kultusministerium leicht ausrechnen können. Ob eine weitere Woche Aufschub reicht, werden wir sehen. Die Schulleitungen sind nach der ersten Woche schon durch: und wo bleibt eigentlich die Zeit für unseren eigentlichen Auftrag? Schule gestalten, Unterricht weiterentwickeln, Bildung und Erziehung …

Aber trotzdem ein Fazit: Die PCR-Pooltests, vor allem nach bayerischem Verfahren, sind gut und machen Schulen sicherer. Der zeitliche Druck der Umsetzung in den ersten Schulwochen ist aber immens. Hoffentlich spielt sich das ein – und hoffentlich lernt auch mal das Kultusministerium dazu: wir wüssten wie …

Vielen Dank für das Gespräch.

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