Kommentar 05.02.2021 Startseite TopmeldungHygieneregeln

Priorität der Schulen und Kitas bei Lockerung heißt: Priorität für Schutz der Beschäftigten

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann fordert in ihrem Kommentar, dass Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher bei Öffnungen von Kitas und Schulen vorrangig geimpft werden müssen.

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Corona

Die politisch Verantwortlichen sehen im Moment die Priorität bei Schulen und Kitas, wenn es um Lockerungen des Lockdowns geht. Was wir jedoch stark vermissen und was bei all diesen Diskussionen fehlt, ist der Schutz derjenigen, die diese Öffnungen bewältigen müssen. Es geht um den Schutz der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler und aller Beschäftigten an den Schulen und in den Kitas.

Ja, dort arbeiten Menschen, die tagtäglich durch den Kontakt mit vielen Kindern und Jugendlichen einem sehr hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, während im privaten Bereich strengste Kontaktbeschränkungen mit maximal einer Person eines fremden Haushaltes gelten.


Diese widersprüchlichen Vorgehensweisen sind nicht nachzuvollziehen und nicht zu verstehen.

Ganz im Gegenteil: Dies macht uns Lehrerinnen und Lehrer und allen an Schulen Tätigen Angst.
Ohne uns wird aber eine Öffnung der Schulen und Kitas nicht funktionieren, sondern innerhalb kürzester Zeit durch die auftretenden Infektionen – auch mit den hochansteckenden Mutationen des Coronavirus - scheitern.

Es ist uns als BLLV selbstverständlich bewusst, dass die Prioritätensetzung, wenn es um die Impfreihenfolge geht, eine hochethische und sehr sensible Frage ist.

Ebenfalls ist uns bewusst, dass die Diskussionen um die Impfreihenfolge derzeit noch theoretischer Natur sind, solange es nicht gelingt, genügend Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Da aber nun ja ein Impfstoff zur Verfügung steht, der nur unter 65-Jährigen verimpft werden kann, fordern wir, dass die Priorität nicht nur bei der Öffnung, sondern auch bei den Impfungen besonders auf Schulen und Kitas gelegt wird.

Schulen und Kitas sind systemrelevant. Nur, wenn hier vorsichtig und sicher geöffnet wird, können Gesellschaft und Wirtschaft wirklich entlastet werden. Nur so kann für unsere Kinder und Jugendlichen auch wieder ein erster Schritt zurück in die Schule mit Präsenzunterricht gegangen werden. Diese Öffnungen sind aber nur möglich, wenn wir genügend Kolleginnen und Kollegen sind. Wir können nur geben, wie viele wir sind.

Man darf nicht vergessen: Wir sind aufgrund des Lehrermangels im Grund-, Mittel- und Förderschulbereich eh schon zu wenige. Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen und Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen in Kitas müssen geschützt und vorrangig geimpft werden.

Wir Lehrerinnen und Lehrer spüren von der ständig propagierten Systemrelevanz unseres Berufes seit Monaten sehr wenig, wenn es um unseren Schutz geht! Da reichen keine sporadischen Lieferungen von Masken. Auch vermeintlich hilfreiche, aber vor allem plakativ gestaltete Hygiene- und Lüftungskonzepte reichen nicht aus. Die Lüftungsgeräte, die an jeder Schule zu finden sein sollen, sind auch nur teilweise vorhanden.

Daher fordern wir eine priorisierte Einstufung bei den Impfungen für diese Kolleginnen und Kollegen: Freiwillig und bedarfsorientiert!

Gerade jetzt, wo unbestritten ist, dass die Impfung wohl der einzig wirksame Schutz vor den hochansteckenden Virusmutationen ist.

Wenn Politik und Verwaltung ihre Fürsorgepflicht wirklich ernst nehmen und tatsächlich Schulen und Kitas bei den Öffnungen an erster Stelle sehen, müssen Impfungen für die Beschäftigten möglich sein – und zwar jetzt!

Eine professionelle Impfstrategie für die Beschäftigten an Schulen und Kitas muss her, wenn der Seiltanz zwischen Bildungsgerechtigkeit und Gesundheitsschutz gelingen soll.

Das Drehen an kleinen Schräubchen im System bringt jetzt nichts mehr – die Impfung ist jetzt am wichtigsten! 

>> Autorin: Simone Fleischmann, BLLV-Präsidentin


Schule in Zeiten der Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie zeigt den hohen gesellschaftlichen Wert von Schule. Damit sie trotz akutem Lehrermangel funktionieren kann, fordert der BLLV in einer politischen Erklärung, die Fürsorgepflicht des Dienstherrn in maximalen Gesundheitsschutz für Lehrkräfte umzusetzen, insbesondere im wichtigen Präsenzunterricht. Entscheidungen und deren Kommunikation müssen regional, klar, verlässlich, frühzeitig und transparent sein und schulische Eigenverantwortung stärken. Fairness muss vor Leistungsdruck gehen, digitale Ausstattung schnell verbessert werden. Jetzt ist nicht die Zeit für einfache Lösungen und Polemik. Aber jetzt ist die Zeit für langfristig tragende Konzepte für Arbeitsbedingungen, Multiprofessionalität und Attraktivität, um so Bildungsqualität auch über Corona hinaus zu sichern. Dazu braucht es einen konstruktiven Diskurs aller an Schule Beteiligten, für den der BLLV bereit steht. » Die politische Erklärung im Wortlaut