Fachgruppe FöL beim Kultusministerium 17.07.2020 StartseiteArbeitsbedingungenArbeitsbelastung

Verbale Wertschätzung allein reicht nicht mehr!

Eine BLLV-Umfrage unter Förderlehrkräften hat gezeigt, wie weit diese über den vorgesehenen Rahmen hinaus in den Schulen arbeiten. Über Ergebnisse und Fakten sprach die Landesfachgruppe mit Vertretern des Kultusministeriums.

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Die Delegation der Landesfachgruppe mit Gerd Nitschke, dem 1. Vizepräsidenten des BLLV und Hauptpersonalratsvorsitzenden am Kultusministerium, Jochen Fischer, der Leiter der Landesfachgruppe und Beate Buchberger von der Bezirksfachgruppe Oberbayern, folgte einer Einladung des Abteilungsleiters für die Grund-, Mittel- und Förderschulen am Kultusministerium, Herrn Walter Gremm. Grundlage der Gesprächsrunde, an der auch mit Frau Dr. Stückl die zuständige Abteilungsleiterin und ihre Mitarbeiterin, Frau Maria Ramelsberger teilnahmen, waren die Ergebnisse und Fakten aus der Umfrage unter den Förderlehrkräften, die der BLLV im Februar 2020 durchgeführt hatte.

Die Vertreter des Kultusministeriums zeigten sich beeindruckt von der Qualität und Quantität der Umfrage und deren Auswertung. Jochen Fischer legte dar, dass es nun durchaus ersichtlich ist, in welchem Maße die Förderlehrkräfte weit über den vorgesehenen Rahmen hinaus in den Schulen eingesetzt werden und arbeiten: "90% aller Förderlehrkräfte erbringen mehr als die im Durchschnitt geforderten Lehrerstunden", führte er aus, "und viele Förderlehrkräfte in Teilzeit sind nur noch im eigenverantwortlichen Unterricht im Lehrerbereich eingesetzt und nicht mehr im eigentlichen Aufgabengebiet der Differenzierung und Kooperation". Gerd Nitschke wies auch darauf hin, dass es in keinem anderen Beamtenbereich einen solch dauerhaft "laufbahnübergreifenden" Einsatz gibt.

An vielen Schulen sind die Stunden gar nicht vorhanden

Die daraus resultierenden ersten Fragen der Landesfachgruppenvertreter lauteten: Welche Einsätze erwarten Sie sich von den Förderlehrkräften durch die Erhöhung des Anteils an eigenverantwortlich zu erteilenden Stunden und auf welche rechtliche Grundlage stützen Sie die Bemessung der Höhe dieses Stundenanteils? Frau Dr. Stückl führte aus, dass vor allem im Bereich der Vorkurse und der Inklusion der Einsatz der Förderlehrkräfte verstärkt und auch der Unterricht für die Förderung im Rahmen von DeutschPlus vorrangig von Förderlehrkräften erteilt werden soll, um so Lehrerstunden für die Grundschule zu gewinnen. Die rechtliche Grundlage sieht sie von Amtswegen gegeben.

Auf den Einwand der BLLV-Vertreter, dass an vielen Schulen diese Stunden gar nicht vorhanden sind und oftmals auch nicht einmal der Pflichtunterricht mit Lehrerkapazitäten abgedeckt werden kann, verwies Frau Dr. Stückl lediglich darauf, dass dieses Verhältnis nach den bayernweiten statistischen Werten durchaus ausgeglichen sei. Es liegt nach ihrer Einschätzung auch an der regionalen Verteilung der Förderlehrkräfte, dass diese Stunden nicht immer an den Schulen mit Förderlehrkräften vorhanden sind. Eine konkrete Lösung des Problems konnte sie jedoch nicht benennen.

Anrechnungs- und Ermäßigungsstunden der Förderlehrkräfte

Einen weiteren Missstand, der durch die Umfrage sehr deutlich wurde, zeigte Jochen Fischer den KM-Vertretern auf: "Anrechnungs- und Ermäßigungsstunden von Förderlehrkräften werden den Regierungen und Schulämtern auf ihr Stundenbudget gutgeschrieben", stellte er fest. "Aber diese Stunden verrechnen viele Regierungen und Schulämter mit den Kooperationsstunden, da diese nicht in die Lehrerwochenstundenzuweisung einfließen. Somit generieren die Regierungen und Schulämter weit mehr zusätzliche Lehrerstunden auf Kosten der Förderlehrkräfte als im KMS vorgesehen – und das geschieht wissentlich und gewollt", hielt der Landesfachgruppenleiter den Verantwortlichen im KM vor.

Die BLLV-Fachleute legten zu dieser Problematik auch Lösungsmöglichkeiten vor, die eine rechtmäßige Berücksichtigung von Anrechnungs- und Ermäßigungsstunden der Förderlehrkräfte darstellen. Frau Dr. Stückl sicherte zu, die Regierungen und Schulämter in den zukünftigen Besprechungen und Fortbildungen entsprechend zu informieren und sich um eine zeitnahe Lösung zu bemühen. Auf die Frage nach weiteren Beförderungsmöglichkeiten für Förderlehrkräfte, teilt der Amtschef Walter Gremm mit, dass es innerhalb des Ministeriums bereits Überlegungen gibt, wie ein Ausgleich für die Mehrbelastung der Förderlehrkräfte geschaffen werden kann. "Es wird sich zeigen, ob tatsächlich Änderungen und Verbesserungen für die Förderlehrkräfte kommen, oder ob wieder nur der Dienstherr seinen Profit aus der Aufgabenerweiterung zieht", resümierte Jochen Fischer. "Nach jahrzehntelangem Einsatz der ehemals 'Pädagogischen Assistenten' als Lehrerersatz erwarten die Förderlehrkräfte nun mehr als eine bloße verbale Wertschätzung!" // Jochen Fischer, Leiter der Fachgruppe Förderlehrer

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BLLV-Umfrage zu Förderlehrkräften: Fakten - Fazit - Forderungen!

Fachgruppe: Förderlehrer*innen