Bild: (c) Madonnen Film; Ilknur, Stefani, Cengizhan
Sehenswerte Doku ab 16. September in den Kinos 11.06.2021 Startseite kleinDemokratiepädagogikBildungsgerechtigkeitInterkulturelle Kompetenz

Zusammen lernen und zusammen leben

Wie kann Integration in Schule gelebt werden? Dieser Frage geht die Film-Doku „Herr Bachmann und seine Klasse“ in eindrücklicher Weise nach und gewann dafür bei der diesjährigen Berlinalen den Preis der Jury.

In der Eingangsstufe einer Gesamtschule in dem von Industrie geprägten Stadtallendorf (Nordhessen) gibt es die 6b. Noch sind die 12-14jährigen Kinder der 6b in einem Klassenverband vereint, am Ende des Schuljahres werden sie auf drei Schulzweige aufgeteilt. Das ist für die 6b und ihren Klassenlehrer Herr Bachmann eine besondere Herausforderung: Die Kinder stammen aus unterschiedlichsten Kulturen und sozialen Kontexten: 70% der Einwohner Stadtallendorfs verfügen über einen Migrationshintergrund und das spiegelt sich in der Zusammensetzung der 6b wider.  

Regisseurin von "Herr Bachmann und seine Klasse": Maria Speth

Maria Speth lebt in Berlin und arbeitet seit 1999 als Regisseurin und Drehbuchautorin. „Die Kinder in Bachmanns Klasse kommen sozial gesehen überwiegend aus der Industriearbeiterschaft. Ungeachtet ihrer türkischen, russischen, bulgarischen oder deutschen Wurzeln. Mit Recht kann man als ihre Lebensverhältnisse als prekär bezeichnen. Ihre Bildungs- und Entwicklungschancen als begrenzt. Aber so wie Lehrer Bachmann diesen jungen Menschen im Klassenraum die Möglichkeit zur Entfaltung von Fähigkeiten, Schönheit und Würde gibt, wollte ich ihnen das in der Montage geben: Stars zu sein für 217 Minuten.“

Was die Kinder wissen: Jetzt zählt das Leistungsprinzip. Und das fordert sie genauso wie Herrn Bachmann heraus. Für ihn an oberster Stelle steht, jedem Kind zu vermitteln, dass es wertvoll ist und über individuelle Fähigkeiten verfügt. Als ehemaliger Revoluzzer und Aussteiger, Folksänger und Bildhauer verfügt er über eine ganz eigene, sehr offene Art, den Kindern zu begegnen.

Er stellt eine vertrauensvolle Bindung zu jeder Schülerin und jedem Schüler her und kreiert eine offene Atmosphäre im Klassenzimmer, wirbt für Solidarität und Empathie unter den Schülerinnen und Schülern. Macht Musik, jongliert und baut Tische, um die Kommunikation unter den Kindern zu fördern. Der Film stellt auch die Frage, was Schule eigentlich erreichen kann unter der Voraussetzungen, wie sie nun mal Realität sind.