Gedenken

Die lange Geschichte des BLLV ist von großen Persönlichkeiten geprägt. Die Idee einer modernen Schule, die an einem ganzheitlichen Bildungsverständnis orientiert ist, und die Notwendigkeit sich für die Erfüllung dieser Vision für adäquate Arbeitsbedingungen für Lehrerinnen und Lehrer einzusetzen sind ebenso Teil des historisch gewachsenen Selbstverständnisses des BLLV wie der Kampf für eine berufsfeldorientierte akademische Lehrerbildung und ein pädagogisches Professionsverständnis.

Diese Idee wurden von wichtigen Persönlichkeiten im BLLV weitergetragen. Ihrer gedenken wir auf dieser Seite.

 

Prof. Dr. Heinz Jürgen Ipfling (1936 - 2021)

Visionär, Ideengeber und Gestalter

Nachruf von Dr. Albin Dannhäuser

Der BLLV muss Abschied nehmen von einem seiner ganz Großen, von einem Visionär, wirkmächtigen Ideengeber und von einem seiner bedeutendsten Mitgestalter in seiner Nachkriegsgeschichte. Prof. Dr. Heinz- Jürgen Ipfling ist am 26. Februar 2021 im Alter von 84 Jahren verstorben.

Jürgen Ipfling verkörperte und prägte in faszinierend- überzeugender Weise die pädagogischen, berufswissenschaftlichen und schulpolitischen Prinzipien unseres Verbandes: Umfassende Menschenbildung, Bildungschancen für alle junge Menschen, Professionalisierung und Anerkennung des Lehrerberufs.  Dafür setzte er sich in seinem wissenschaftlichen und verbandspolitischen Engagement unverdrossen ein und war uns darin ein Vorbild.

Für den BLLV war Jürgen Ipfling ein unschätzbarer Gewinn. Es gelang ihm, seine Erkenntnisse aus Forschung und Lehre in die pädagogische Praxis zu transformieren und die Politik des BLLV wissenschaftlich zu untermauern und voranzutreiben. Seine Innovationen und Impulse waren durchdrungen von hohem pädagogischen Ethos und von der demokratischen Pflicht, das unveräußerliche Recht auf Bildung für alle einzulösen.

Pädagoge von Anfang an

Ein erster Beleg seines pädagogischen Verständnisses war Mitte der 1960er Jahre sein leidenschaftlicher Einsatz zur Abschaffung der körperlichen Züchtigung – damals gegen große Teile der Eltern- und Lehrerschaft. Er insistierte darauf, die Würde und körperlich-seelische Unverletzlichkeit von Kindern und Jugendlichen zu schützen.  In der schulischen Erziehung plädierte er für eine fundierte pädagogische Professionalisierung.

Aufgrund seiner wissenschaftlichen Forschung und  beeindruckenden Intuition thematisierte Jürgen Ipfling – lange vor vielen anderen – Fragen, die sich aus den schulischen und gesellschaftlichen Erfordernissen abzeichneten. So unter anderem Ende der 1960er Jahre die Systematisierung der Lehrplan- und Schulentwicklung, bereits Anfang 1970 die Einführung von Ganztagsschulen und den Ausbau der Hauptschule mit einem 10. Schuljahr und Mittleren Abschluss. Seine Anregung, Haupt- und Realschulen pragmatisch zusammenzulegen, stieß 1980 bei konservativen Interessengruppen auf heftigsten Widerstand, wurde aber nach der Wende in den neuen und in den meisten westdeutschen Bundesländern realisiert. Unerfüllt blieb – trotz erdrückender Forschungsbefunde - sein Engagement für eine längere gemeinsame Schulzeit.

Vorreiter der akademischen Lehrerbildung

Kern- und Herzensanliegen Jürgen Ipflings war die Lehreraus- und Fortbildung. Bereits 1969 entwickelte er das Konzept des Stufenlehramtes und drängte auf die Einrichtung pädagogischer Fakultäten. Nicht zuletzt auf sein Betreiben gelang dem BLLV 1974 die Integration der Ausbildung von Grund-, Haupt- und Sonderschullehren in die Universität. Zukunftsweisend war seine Initiative zur Einrichtung von Kooperationsschulen im Verbund zwischen Universität, Schulverwaltung und Einzelschulen. Diese sollten Theorie und Praxis verbinden, pädagogische Innovationen voranbringen und Schulprofile entwickeln. Große Verdienste erwarb sich Jürgen Ipfling um die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ebenso verdient machte er sich – Anfang der 1990er Jahre - um die Entwicklung eines Berufsleitbildes. Sein Konzept wurde in Grundzügen von Bundesverband Bildung und Erziehung (VBE) aufgegriffen und im Jahr 2000 sowohl von der Kultusministerkonferenz als auch  von der Education International, der über 30 Millionen Lehrkräfte angehören, beschlossen.

Jürgen Ipfling war einer der renommiertesten Erziehungswissenschaftler in Bayern und Deutschland. Sein beruflicher Werdegang führte ihn vom Lehramt über die wissenschaftliche Assistenz bzw. Dozentur an der Universität Wien und Bamberg nach Koblenz und schließlich nach Regensburg, wo er ab 1974 den Lehrstuhl für Schulpädagogik und über einige Jahre das Dekanat der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät innehatte.

Ein gefragter Ideengeber

Dem BLLV gehörte Jürgen Ipfling über 65 Jahre an. Seine Verbandslaufbahn begann er 1956 als Sprecher der Studierenden des Instituts für Lehrerbildung in München –Pasing. Er war Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer in München und deren Geschäftsführer auf Landesebene. Über drei Jahrzehnte leitete er die Abteilung Berufswissenschaft und zwölf Jahre  als Vorsitzender die Akademie des BLLV.

Jürgen Ipfling war auch auf nationaler und internationaler Ebene ein gefragter Ideengeber und Referent. In  hochrangigen Institutionen galt er als geschätzter Experte und Berater. Wer das Glück hatte, mit ihm zusammenzuarbeiten, erlebte ihn als unbestechlichen Beobachter, brillanten Analytiker, besonnenen Ratgeber und eloquenten Redner. Jürgen Ipfling war lebensbejahend, charmant und gesellig, feinsinnig in seinem Humor, wohltuend in seiner menschlichen Art. Als Freund war er ein Fels.

Für seine herausragenden Verdienste ernannte ihn der BLLV zu seinem Ehrenmitglied. Für sein Lebenswerk wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

In der Geschichte des BLLV hat Jürgen Ipfling einen festen Platz. Wir können unsere Dankesschuld einlösen und die Erinnerung an ihn wachhalten, indem wir seine Visionen konsequent weitertragen. Wir verneigen uns vor einem unserer Großen.


Heinz Jürgen Ipfling: Ein ganz Großer unter uns

Gedenken von Präsidentin Simone Fleischmann

Prof. Dr. Heinz-Jürgen Ipfling ist am 26. Febr. 2021 verstorben. Wir trauern um eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die sowohl für unseren BLLV als auch für die Lehrerbildung über viele Jahrzehnte eine herausragende Bedeutung hatte.

Heinz-Jürgen war 67 Jahre lang Mitglied im BLLV. Er trat als junger Student im Alter von 18 Jahren dem BLLV bei. Später prägte er die Programmatik und Politik des BLLV über viele Jahrzehnte wie wenig andere. Insbesondere in seiner Funktion als Leiter der berufswissenschaftlichen Hauptstelle (später Abteilung Berufswissenschaft) von 1967 bis 1996 gab er zahlreiche Impulse zur Entwicklung der Hauptschule, zur  Akademisierung der Lehrerbildung und zum Professionsverständnis des Lehrers als Pädagoge. Neben seinen zahllosen akademischen Meriten war er auch Gründungsmitglied der Akademie des BLLV (früher Bildungswerk) und von 1997 bis 2009 ihr Vorsitzender.

Ich habe Heinz-Jürgen fachlich als eine unumstrittene Autörität erlebt und als einen Wissenschaftler und Pädagogen, der den intellektuellen Diskurs sehr schätzte und ein Meister der Sprache und des Ausdrucks war. Ich habe Heinz-Jürgen aber auch erlebt als einen ungemein fröhlichen, immer lebensbejahenden und zuversichtlichen Menschen. Er war Denker und Visionär. Er war gleichzeitig Freund und Genießer.

Als BLLV verlieren wir mit Heinz-Jürgen Iplfing einen „ganz Großen des BLLV“, einen der bedeutendsten Mandatsträger in der Nachkriegsgeschichte unseres Verbandes. Wir verlieren einen wichtigen Weggefährten und einen treuen, immer wohlwollenden und loyalen Freund.

Lasst uns nicht vergessen: Wir alle sind Teil der großen Idee des BLLV, Schule ganzheitlich zu denken und zu leben – mit Herz, Kopf, Hand. Unsere zentrale Mission als BLLV ist es, dazu beizutragen, dass die Werte der Menschlichkeit und der Demokratie in unseren Schulen und in unserer Gesellschaft gelebt werden. Heinz-Jürgen hat diese Mission über viele Jahre mit uns geteilt und an vorderster Front mitgetragen – auch gegen vielerlei Anfeindungen. Er war, ist und bleibt uns Vorbild. Menschen wie er werden uns immer daran erinnern, an dieser Vision festzuhalten. Wir tragen dieses Vermächtnis weiter. Wir sind sehr, sehr stolz und dankbar, eine solch großartige Persönlichkeit wie Heinz-Jürgen Ipfling in unseren Reihen gehabt zu haben.

 

Nepomuk Staudinger (1927 - 2017)

Rede anlässlich der Trauerfeier am 8. November 2017 in Krumbach gehalten von Ehrenpräsident Dr. h.c. Albin Dannhäuser

Mit Nepomuk Staudinger waren wir zum letzten Mal in im Kreis seiner Familie, Freunde und Weggefährten bei seinem 85. Geburtstag zusammen gesessen und haben ihn gefeiert. Muk sagte in seiner Dankesrede: "Ich habe ein erfülltes Leben gehabt. Ich bin zufrieden, glücklich und dankbar."   Heute müssen wir Abschied nehmen von Nepomuk Staudinger. Das bedrückt uns und macht uns traurig. Aber wir müssen das Unabänderliche akzeptieren. 

Jeder von uns stand in einer besonderen Beziehung zu Nepomuk Straudinger. Jedem von uns sind Begegnungen und Gespräche mit ihm gegenwärtig. Jeder von uns trägt bestimmte und bleibende Bilder von ihm in sich:

Überzeugender Pädagoge

Dienstlich hat Nepomuk Staudinger als „Ersatzlehrkraft“ begonnen. Damals war kein geringerer als der spätere Bundesfinanzminister Theo Waigel sein Schüler. Nepomuk hat die Talente und wache Intelligenz des kleinen Theo schnell erkannt. Er erzählte uns, dass er damals dringend empfohlen hat: „Der Bub muss ins Gymnasium!“ Theo Waigel dankte bei der Verabschiedung als Bezirksvorsitzender seinem ehemaligen Lehrer und fügte hinzu: „Lieber Herr Staudinger Sie waren für mich immer der Ebert von Schwaben“. Nepomuk Staudinger hat die Stufen vom Lehrer zum Oberlehrer bis zum Rektor genommen. Er hat nicht nur versiert über „gute Schulen“ geredet, sondern bewiesen, wie man sie macht.

Als Schulleiter hat er die „Musterhauptschule“ in Thannhausen gebaut. Er hat als Pädagoge und Politiker ein überzeugendes Beispiel gegeben. Sein persönliches pädagogisches Credo lautete: „Wenn in einer Lehrerversammlung das Wort ‚Kind’ nicht mehr vorkommt, ist sie miserabel.“  

BLLV-ler mit Herzblut  

Nepomuk Staudinger verkörperte wie wenige die Geschichte unseres BLLV, die Entwicklung der Schule und der Berufspolitik nach dem 2. Weltkrieg. Der BLLV wurde für ihn das Zentrum seines Lebens   Nepomuk Staudinger gehört zu den „Junglehrern der ersten Stunde“. 1948 hat er die ABJ-Krumbach gegründet. In einer Kampfabstimmung gegen den späteren CSU-Kulturpolitiker und Kultus-Staatssekretär, Otto Meyer, wurde er zum Vorsitzenden der ABJ- Schwaben gewählt. Acht Jahre Vorsitzender des BLLV-Kreisverbandes Krumbach. Die Abteilung Schulpolitik war seine „stille Liebe“. 54 Jahre gehörte er ihr ununterbrochen an.16 Jahre lang hatte er das Amt des Bezirksvorsitzenden des BLLV Schwaben inne.

Verdienste

NepomukStaudinger hat sich große Verdienste erworben. So  um die “Landschulreform“ in den 60er Jahren, im Kampf um die christliche Gemeinschaftsschule, um die Akademisierung der Lehrerbildung um die Gleichwertigkeit aller Lehrämter und um die Entwicklung der Hauptschule. Er war viele Jahre Experte für Schulbaurichtlinien. Sein funktionales Grundkonzept wurde vom Kultusministerium übernommen und nach seinen Entwürfen wurden in Bayern Hunderte von Schulen gebaut. Im Ruhestand hat sich Nepomuk Staudinger als Vorsitzender des „Vereins Studentenwohnheime des BLLV“ in die Pflicht nehmen lassen. Der Verein verfügt über 6 Häuser und rund 1000 Heimplätze. Auf sein Betreiben wurde 1974 das Studentenwohnheim in Augsburg gebaut. Dieses ist sichtbares Symbol seines Initiativ-Geistes, seiner Entschlossenheit und seines Durchhaltevermögens. Nepomuk Staudinger hatte die Gabe, immer wieder junge fähige und zuverlässige Mitstreiter für die Führung des BLLV zu gewinnen. Die Saat ist aufgegangen. Für seine Verdienste hat er viele Ehrungen erfahren: So die „Gualbert-Wälder-Medaille“ des Bezirksverbandes Schwaben, er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, und hat die Karl-Heiß-Medaille und die Ehrenmitgliedschaft des BLLV. Darüber hinaus wurde ihm  das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Ein wohltuender Kollege und Mensch 

Nepomuk Staudinger hat sich in seiner Verbandspolitik nie profiliert durch öffentliche Attacken oder Selbstinszenierung weder gegenüber der Führung des Landesverbandes noch gegenüber Parteien.      – Immerhin lebte er in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kultusminister  Hans Maier. Er wusste, dass durch das Gespräch, durch Verhandeln  und Vermitteln mehr erreicht werden kann als durch aggressives Auftrumpfen. Bei seinen öffentlichen Auftritten agierte er oft unkonventionell. Wenn ihm kleine Missgeschicke unterliefen, lächelte er sie mit selbstironischer Nachsicht aus dem Feld. Er führte seine Gremien nicht dominant, sondern als „Primus inter pares“. Dabei war er kompetent in der Sache, ausgleichend und von pragmatischer Geduld. Er verstand es, einfühlsam mit der schwäbisch- kritischen Mentalität umzugehen – und das als geborener Münchner! Wohlwollende Kritik übte er  prinzipiell unter vier Augen. Er war immer ein loyaler Weggefährte: Standfest und glaubwürdig, konsequent und furchtlos, offen und integer. Im persönlichen Gespräch war Muk ein aufmerksamer, aktiver Zuhörer. Seine Ratschläge waren durchdacht, nie aufdringlich oder apodiktisch, sondern wohlwollend und hilfreich. Muk strahlte ruhiges Selbstbewusstsein und unverstellte Fröhlichkeit aus. Gegenüber seinen Freunden öffnete er sogar bisweilen sein Herz.

Lieber Muk, Du warst ein sehr wertvoller, besonderer Mensch, für Deine Familie,  für Deine Freunde und Wegbegleiter. In der Geschichte des BLLV- Schwaben und des Landesverbandes hast Du einen festen Platz. Auch in unserer sehr persönlichen Erinnerung. Wir schulden Dir größten Dank und ein ehrendes Gedenken.   Albin Dannhäuser BLLV – Ehrenpräsident

 

Dr. h.c. Wilhelm Ebert

Video-Porträt des BLLV-Ehrenpräsidenten zum 94.

Zusammen mit seinen Nachfolgern blickt der BLLV-Ehrenpräsident anlässlich seines 94. Geburtstages auf sein Wirken zurück. Das Video lässt die wichtigsten Stationen in seinem Leben Revue passieren.

Wenige Tage vor dem 94. Geburtstag des BLLV-Ehrenpräsidenten Wilhelm Ebert besuchten Albin Dannhäuser, Klaus Wenzel und Simone Fleischmann ihren Vorgänger. Ebert stand dem BLLV von 1955 bis 1962 und von 1967 bis 1984 als BLLV vor. Er spielte eine maßgebliche Rolle beim Wiederaufbau des BLLV nach der Nazidiktatur.

Als einfacher Lehrer in Dachau begann er sich schon sehr jung im BLLV zu engagieren. Er gründete die Arbeitsgemeinschaft bayerischer Junglehrer (ABJ) Sein Anliegen war es stets, ein den BLLV stark zu machen durch politische Unabhängigkeit und eine professionelle Organisation. Hierbei war Ebert von der tiefen Überzeugung geleitet, dass Lehrerinnen und Lehrer die Grundlage legen für eine demokratische und freiheitliche Gesellschaft.

Bei der Begegnung teilten die vier Präsidenten viele Erinnerungen an gemeinsame verbandspolitische Erlebnisse. Gleichzeitig tauschten sie sich über die aktuelle Gesellschaft und bildungspolitische Situation aus, die den BLLV besonders fordert.