Gedenken

Nepomuk Staudinger

Rede anlässlich der Trauerfeier am 8. November 2017 in Krumbachgehalten von Ehrenpräsident Dr. h.c. Albin Dannhäuser

Mit Nepomuk Staudinger waren wir zum letzten Mal in im Kreis seiner Familie, Freunde und Weggefährten bei seinem 85. Geburtstag zusammen gesessen und haben ihn gefeiert. Muk sagte in seiner Dankesrede: "Ich habe ein erfülltes Leben gehabt. Ich bin zufrieden, glücklich und dankbar."   Heute müssen wir Abschied nehmen von Nepomuk Staudinger. Das bedrückt uns und macht uns traurig. Aber wir müssen das Unabänderliche akzeptieren. 

Jeder von uns stand in einer besonderen Beziehung zu Nepomuk Straudinger. Jedem von uns sind Begegnungen und Gespräche mit ihm gegenwärtig. Jeder von uns trägt bestimmte und bleibende Bilder von ihm in sich:

Ein liebevoller Vater

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Überzeugender Pädagoge

Dienstlich hat Nepomuk Staudinger als „Ersatzlehrkraft“ begonnen. Damals war kein geringerer als der spätere Bundesfinanzminister Theo Waigel sein Schüler. Nepomuk hat die Talente und wache Intelligenz des kleinen Theo schnell erkannt. Er erzählte uns, dass er damals dringend empfohlen hat: „Der Bub muss ins Gymnasium!“ Theo Waigel dankte bei der Verabschiedung als Bezirksvorsitzender seinem ehemaligen Lehrer und fügte hinzu: „Lieber Herr Staudinger Sie waren für mich immer der Ebert von Schwaben“. Nepomuk Staudinger hat die Stufen vom Lehrer zum Oberlehrer bis zum Rektor genommen. Er hat nicht nur versiert über „gute Schulen“ geredet, sondern bewiesen, wie man sie macht.

Als Schulleiter hat er die „Musterhauptschule“ in Thannhausen gebaut. Er hat als Pädagoge und Politiker ein überzeugendes Beispiel gegeben. Sein persönliches pädagogisches Credo lautete: „Wenn in einer Lehrerversammlung das Wort ‚Kind’ nicht mehr vorkommt, ist sie miserabel.“  

BLLV-ler mit Herzblut  

Nepomuk Staudinger verkörperte wie wenige die Geschichte unseres BLLV, die Entwicklung der Schule und der Berufspolitik nach dem 2. Weltkrieg. Der BLLV wurde für ihn das Zentrum seines Lebens   Nepomuk Staudinger gehört zu den „Junglehrern der ersten Stunde“. 1948 hat er die ABJ-Krumbach gegründet. In einer Kampfabstimmung gegen den späteren CSU-Kulturpolitiker und Kultus-Staatssekretär, Otto Meyer, wurde er zum Vorsitzenden der ABJ- Schwaben gewählt. Acht Jahre Vorsitzender des BLLV-Kreisverbandes Krumbach. Die Abteilung Schulpolitik war seine „stille Liebe“. 54 Jahre gehörte er ihr ununterbrochen an.16 Jahre lang hatte er das Amt des Bezirksvorsitzenden des BLLV Schwaben inne.

Verdienste

NepomukStaudinger hat sich große Verdienste erworben. So  um die “Landschulreform“ in den 60er Jahren, im Kampf um die christliche Gemeinschaftsschule, um die Akademisierung der Lehrerbildung um die Gleichwertigkeit aller Lehrämter und um die Entwicklung der Hauptschule. Er war viele Jahre Experte für Schulbaurichtlinien. Sein funktionales Grundkonzept wurde vom Kultusministerium übernommen und nach seinen Entwürfen wurden in Bayern Hunderte von Schulen gebaut. Im Ruhestand hat sich Nepomuk Staudinger als Vorsitzender des „Vereins Studentenwohnheime des BLLV“ in die Pflicht nehmen lassen. Der Verein verfügt über 6 Häuser und rund 1000 Heimplätze. Auf sein Betreiben wurde 1974 das Studentenwohnheim in Augsburg gebaut. Dieses ist sichtbares Symbol seines Initiativ-Geistes, seiner Entschlossenheit und seines Durchhaltevermögens. Nepomuk Staudinger hatte die Gabe, immer wieder junge fähige und zuverlässige Mitstreiter für die Führung des BLLV zu gewinnen. Die Saat ist aufgegangen. Für seine Verdienste hat er viele Ehrungen erfahren: So die „Gualbert-Wälder-Medaille“ des Bezirksverbandes Schwaben, er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, und hat die Karl-Heiß-Medaille und die Ehrenmitgliedschaft des BLLV. Darüber hinaus wurde ihm  das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Ein wohltuender Kollege und Mensch 

Nepomuk Staudinger hat sich in seiner Verbandspolitik nie profiliert durch öffentliche Attacken oder Selbstinszenierung weder gegenüber der Führung des Landesverbandes noch gegenüber Parteien.      – Immerhin lebte er in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kultusminister  Hans Maier. Er wusste, dass durch das Gespräch, durch Verhandeln  und Vermitteln mehr erreicht werden kann als durch aggressives Auftrumpfen. Bei seinen öffentlichen Auftritten agierte er oft unkonventionell. Wenn ihm kleine Missgeschicke unterliefen, lächelte er sie mit selbstironischer Nachsicht aus dem Feld. Er führte seine Gremien nicht dominant, sondern als „Primus inter pares“. Dabei war er kompetent in der Sache, ausgleichend und von pragmatischer Geduld. Er verstand es, einfühlsam mit der schwäbisch- kritischen Mentalität umzugehen – und das als geborener Münchner! Wohlwollende Kritik übte er  prinzipiell unter vier Augen. Er war immer ein loyaler Weggefährte: Standfest und glaubwürdig, konsequent und furchtlos, offen und integer. Im persönlichen Gespräch war Muk ein aufmerksamer, aktiver Zuhörer. Seine Ratschläge waren durchdacht, nie aufdringlich oder apodiktisch, sondern wohlwollend und hilfreich. Muk strahlte ruhiges Selbstbewusstsein und unverstellte Fröhlichkeit aus. Gegenüber seinen Freunden öffnete er sogar bisweilen sein Herz.

Lieber Muk, Du warst ein sehr wertvoller, besonderer Mensch, für Deine Familie,  für Deine Freunde und Wegbegleiter. In der Geschichte des BLLV- Schwaben und des Landesverbandes hast Du einen festen Platz. Auch in unserer sehr persönlichen Erinnerung. Wir schulden Dir größten Dank und ein ehrendes Gedenken.   Albin Dannhäuser BLLV – Ehrenpräsident

 

Dr. h.c. Wilhelm Ebert

Video-Porträt des BLLV-Ehrenpräsidenten zum 94.

Zusammen mit seinen Nachfolgern blickt der BLLV-Ehrenpräsident anlässlich seines 94. Geburtstages auf sein Wirken zurück. Das Video lässt die wichtigsten Stationen in seinem Leben Revue passieren.

Wenige Tage vor dem 94. Geburtstag des BLLV-Ehrenpräsidenten Wilhelm Ebert besuchten Albin Dannhäuser, Klaus Wenzel und Simone Fleischmann ihren Vorgänger. Ebert stand dem BLLV von 1955 bis 1962 und von 1967 bis 1984 als BLLV vor. Er spielte eine maßgebliche Rolle beim Wiederaufbau des BLLV nach der Nazidiktatur.

Als einfacher Lehrer in Dachau begann er sich schon sehr jung im BLLV zu engagieren. Er gründete die Arbeitsgemeinschaft bayerischer Junglehrer (ABJ) Sein Anliegen war es stets, ein den BLLV stark zu machen durch politische Unabhängigkeit und eine professionelle Organisation. Hierbei war Ebert von der tiefen Überzeugung geleitet, dass Lehrerinnen und Lehrer die Grundlage legen für eine demokratische und freiheitliche Gesellschaft.

Bei der Begegnung teilten die vier Präsidenten viele Erinnerungen an gemeinsame verbandspolitische Erlebnisse. Gleichzeitig tauschten sie sich über die aktuelle Gesellschaft und bildungspolitische Situation aus, die den BLLV besonders fordert.