A 13 für alle - der Faktencheck

Die Besoldungsstufe A 13 als Einstiegsgehalt für Grund- und Mittelschullehrkräfte würde Besoldungsgerechtigkeit bringen. Und wäre ein Mittel gegen Lehrermangel. Keiner der Gründe, die die Regierung dagegen ins Feld führt, hält einer Überprüfung stand.

Ausbildung

Fast alle Parteien im Bayerischen Landtag unterstützen die jahrelange Forderung des BLLV nach einer einheitlichen Einstiegsbesoldung für alle Lehrämter. Sogar im Programm der Freien Wähler ist A 13 für Grund- und Mittelschullehrkräfte zu finden, wenn sie auch aus Koalitionsräson ihr Ziel verraten haben, als es im Oktober zur Abstimmung kam. Nur die CSU – und damit die in der Regierung bestimmende Partei – stellt sich quer. Die Verantwortlichen begründen ihre Ablehnung stets mit dem Argument, die Ausbildung der Grund- und Mittelschullehrkräfte in Bayern sei nach wie vor nicht so umfangreich wie die anderer Lehrämter. Ist das wirklich so?

Klarheit über die Ausbildung bringt der tatsächliche Vergleich mit einem A13 Lehramt auf den entsprechenden Informationsseiten der Ludwig-Maximilian-Universität München (www.lmu.de/de/studium – weiter unter „Studienangebot“,
„1 x 1 des Lehramtsstudiums“; und dort die Lehrämter Grundschule, Mittelschule und Realschule). Im Vergleich der Lehramtsstudiengänge für Realschule (A 13), Grundschule (A 12) und Mittelschule (A 12) ergeben sich keinerlei Unterschiede bei Regelstudienzeit (jeweils 7 Semester), Mindeststudienzeit (6 Semester), Höchststudienzeit (12 Semester) und den zu erbringenden ECTS-Punkten (213).

In Hinblick auf die erste Phase der Lehrerausbildung an der Universität gibt es also tatsächlich gar keinen Unterschied mehr zwischen diesen Lehrämtern. Ebenso wenig unterscheidet sich die Dauer der zweiten Phase: Das Referendariat erstreckt sich in allen drei Lehrämtern über zwei Jahre. Damit ist das Kernargument gegen ein Einstiegsgehalt A 13 für Grund- und Mittelschullehrkräfte vollständig widerlegt. Natürlich unterscheidet sich die Ausbildung für Grund- und Mittelschule inhaltlich von der für das Lehramt an Realschulen, allerdings sind die Anforderungen, die an die zukünftigen Lehrkräfte in der Ausbildung gestellt werden, identisch.

Arbeitsleistung

Warum dann also die Ungleichbehandlung? Erbringen die Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen eine geringere Arbeitsleistung als die an der Realschule? Ein Blick auf die Verordnung über die Unterrichtspflichtzeit in Bayern gibt Aufschluss: Lehrkräfte an Grundschulen in Bayern haben eine Vollzeitunterrichtsverpflichtung von 28 Unterrichtsstunden, bei Lehrkräften an Mittelschulen sind es 27 und bei Lehrkräften an den bayerischen Realschulen zwischen 24 und 28, je nachdem, ob sie in wissenschaftlichen, musisch-ästhetischen oder praktischen Fächern eingesetzt sind. Also auch hier keine nachvollziehbare Begründung für den Besoldungsunterschied zwischen den drei Schularten.

Liegt es an der Wertschätzung der Arbeit an Grund- und Mittelschulen? Auch das kann nicht der Fall sein. In allen Reden und Veröffentlichungen der maßgeblichen Politiker wird den Grund- und Mittelschulen immer wieder attestiert, wie wichtig und wertvoll gerade die Arbeit an diesen beiden Schularten sei. Bleibt nur eine Vermutung: Man will keine Besoldungsgerechtigkeit für Grund- und Mittelschullehrkräfte herstellen, weil eine Besoldungsanpassung teuer wäre. Die beiden Lehrergruppen stellen ja die größte Anzahl an Beschäftigten im bayerischen Schulsystem. Aber haben uns die Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Pandemie von heute auf morgen in Milliardenhöhe getätigt wurden, nicht gezeigt, dass es möglich wäre? Etliche andere Bundesländer haben den Schritt zu einer gerechten Eingangsbesoldung schon getan oder sind dabei, ihn zu tun. Bayern hinkt hinterher, trotz des gern zitierten Slogans „Wo Bayern ist, ist immer vorn“. Eine der Folgen: Immer mehr junge Lehrkräfte wechseln aus den Regierungsbezirken, die an Bundesländer mit A 13-Besoldung angrenzen, in diese Bundesländer. Gefragt sind sie überall, Lehrermangel gibt es ja
nicht nur in Bayern. Wenn man also die Attraktivität der Lehrämter für Grund- und vor allem Mittelschulen steigern will, wenn man dem katastrophalen Lehrermangel wirkungsvoll entgegentreten will, dann ist A13 als Einstiegsgehalt für Grund- und Mittelschullehrkräfte überfällig. Sie haben es verdient.

Autor: Hans Rottbauer, Leiter der Abteilung Dienstrecht und Besoldung

Der Text erschien in der bayerischen schule #6 2021.