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Bildungsgerechtigkeit in Gefahr

Das Schul-Barometer sammelt in seiner aktuellen Studie zentrale Aussagen und ausgewählte Befunde zu den familiären Bedingungen, den technischen Ressourcen und zum Lernen der Schülerinnen und Schüler in der Covid-19-Pandemie.

>> Autoren der Studie: Stephan Gerhard Huber, Paula Sophie Günther, Nadine Schneider, Christoph Helm, Marius Schwander, Julia Alexandra Schneider & Jane Pruitt

Die durch das COVID-19-Virus ausgelöste gesellschaftliche Krise hat weitreichende Auswirkungen auf nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche. Die Schulen wurden ab Mitte März 2020 geschlossen. In dieser Situation wurde das Schul-Barometer durchgeführt. 

Ziel des Schul-Barometers ist die Beschreibung der aktuellen Schulsituation in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus Sicht verschiedener Personengruppen. Damit soll einen Beitrag zum Erfahrungsaustausch geleistet werden im Sinne von "Responsible Science" in der Beschreibung der Krisensituation und der Auswirkungen auf Schule und Bildung.

Vom 23. März bis 5. April 2020 wurden in zwei Befragungswellen 7116 Personen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Zu den Befragten gehören Schülerinnen und Schüler, Eltern, Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Erzieher, Vertreterinnen und Vertreter der Schulverwaltung/Schulaufsicht, Personen aus Unterstützungssystemen (z.B. Fort-/Weiterbildung, Schulentwicklungsbegleitung).

Das Schul-Barometer umfasst u.a. die Themen:

  • Aktuelle häusliche Lebenssituation von Schülerinnen und Schülern
  • Belastungssituation von Eltern und Schule
  • Betreuungssituation von Schülerinnen und Schülern
  • Informationsfluss Behörde-Schule-Eltern und zwischen Mitarbeitenden der Schule und Schülerinnen und Schülern
  • Digitale Lehr-Lern-Formate: Erfahrungen und Empfehlungen
  • Rolle der Schulleitung
  • Rolle, Motivation, Kompetenzen von Mitarbeitenden der Schule
  • Bedarfe, Bedürfnisse, Wünsche aus Sicht von Eltern, Schülerinnen und Schülern, Mitarbeitenden der Schule, Schulleitungen, Vertreterinnen und Vertretern von Behörden/Verwaltung sowie Unterstützungssystemen

(Das Schul-Barometer ist eine Online-Befragung via Unipark. Die Teilnahme der Befragten erfolgte auf freiwilliger Basis. Die so zustande gekommene Stichprobe stellt eine ad hoc-Stichprobe dar.)

Methoden der Datenerhebung und -analyse

Das Schul-Barometer umfasst im qualitativen Teil der Erhebung und Analyse insgesamt 32 offene Fragen zu sechs von insgesamt acht abgebildeten Themenbereichen. Im quantitativen Teil der Erhebung und Analyse umfasst das Schul-Barometer je nach befragter Personengruppe zwischen 27 (Schulaufsicht und -verwaltung) und 61 (Schülerinnen und Schüler) geschlossene Fragen zu den oben genannten Themenbereichen. 

Zentrale Aussagen des Schul-Barometers

1. Corona stellt für alle Akteure im Bildungs- und Schulkontext eine sehr große Herausforderung dar. Die aktuelle Situation mag aber auch eine Chance erkennen lassen.

Das Schul-Barometer zeigt (in den Befunden), dass die aktuelle Situation der Schulschließungen im Bildungs- und Schulkontext auf allen Akteursebenen, d.h. bei Schülerinnen und Schülern, Eltern und Schulkollegien, zu großen Herausforderungen führt. Ergebnisse zum Belastungserleben zeigen eine hohe Belastung, in den Antworten auf die offenen Fragen gibt es jedoch auch viele Aussagen zu der großen Chance der Digitalisierung. Zudem sorgen sich Eltern. Etwa ein Drittel der Eltern zeigt sich über den Lernverlauf ihrer Kinder besorgt.

2. In den Befunden des Schul-Barometers zeigt sich eine hohe Wertschätzung und Anerkennung gegenüber der Institution Schule und der Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer.

In den qualitativen Aussagen der Eltern zeigt sich, dass in der aktuellen Situation die Anforderungen an den Lehrerberuf stärker wahrgenommen werden. Lehrerinnen und Lehrer erfahren eine höhere Wertschätzung und Anerkennung. Besonders in dieser Krisenzeit, in der die Eltern sich intensiver mit den schulischen Belangen und der Lernbegleitung ihrer Kinder auseinandersetzen und die Aufgabenpakete der Lehrerinnen und Lehrer intensiv im Blick haben, erfährt das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer eine stärkere Wahrnehmung, auch retrospektiv. Eltern sprechen ihren Respekt aus, zeigen große Dankbarkeit und sind der Meinung, die Lehrerinnen und Lehrer seien "Gold wert". Sie sind teilweise geradezu begeistert, wie unkompliziert und flexibel einigen Schulen die Umstellung auf Homeschooling gelingt.

3. Der Bereich der Digitalisierung erlebt aufgrund der vorliegenden Notwendigkeit einen enormen Aufschwung. Lernen mit und durch Technologie sowie über Technologie ist gefragt.

Einige Lehrerinnen und Lehrer, besonders jene mit einer höheren Affinität und Vorwissen zu digitalen Lehr-Lern-Formen, sind relativ gut gerüstet und ergreifen die Chance zur Ausgestaltung in einer vorher nicht möglich gewesenen Form. Andere Lehrerinnen und Lehrer sind zum ersten Mal gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen und erleben große Herausforderungen, z.B. hinsichtlich geeigneter Technologien und deren Anwendung in unterrichtlichen Arrangements.

Die Notwendigkeit zur Digitalisierung erlaubt Schulen, in den Fachschaften und Jahrgangs- und Klassenteams innerhalb von Einzelschulen die aktuelle Situation aktiv für Schulentwicklung, Personalentwicklung, Organisationsentwicklung und Unterrichtsentwicklung zu nutzen. Es wird Zeit benötigt für Konzeptionsarbeit, Abstimmungen und Erprobung in der Umsetzung – inklusive der Evaluation. Da die aktuelle Situation von Schulleitungen und Lehrerinnen und Lehrern als Chance verstanden wird, könnten diese Kompetenzen jetzt für längere Zeit etabliert werden – mit hohem Grad an Kohärenz einerseits und an Differenzierungsmöglichkeiten andererseits.

Zur technischen Ausstattung: Die privaten Haushalte sind offenbar gut für den digitalen Fernunterricht ausgestattet. Nur 15 Prozent berichten von nicht ausreichender Ausstattung. Allerdings kann die Stichprobe auch eine Positivstichprobe sein. Wahrscheinlich gibt es hier eine Dunkelziffer. In den Schulen wird deutlich häufiger von unzureichender Ausstattung berichtet (rund 45%).

Zur Lehrerprofessionalität: Knapp die Hälfte der Mitarbeitenden der Schule schätzen sich als motiviert für den Einsatz digitaler Lehr-Lern-Formen ein – aus Schülerperspektive ist das nicht im selben Ausmaß der Fall. Deutlich weniger Mitarbeitende der Schule (25%) schätzen sich als kompetent für digitalen Unterricht ein.

Die Qualität des digitalen Unterrichts lässt sich wie folgt einschätzen:

  • Potenziale des Anteils echter Lernzeit und der geistigen Aktivierung könnten noch stärker genutzt werden.
  • Es wird ein eher geringer Arbeitsaufwand für Schülerinnen und Schüler angegeben, zumindest für ein Drittel der Schülerinnen und Schüler, insbesondere für 18 Prozent.
  • Genauer arbeiten 31 Prozent der Schülerinnen und Schüler 25 Stunden und mehr für schulische Belange, 69 Prozent arbeiten weniger. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler arbeitet 15 Stunden und weniger in der Woche, was in einer Fünftageswoche einem durchschnittlichen Tagespensum von rund zwei Stunden entspricht. Oder anders: Ein Drittel arbeitet 25 Stunden und mehr, ein Drittel im Durchschnitt um die 20 Stunden (zwischen 15h und 25h), ein Drittel 15 Stunden und weniger. D.h. Sorgen bereitet diese letzte Gruppe, besonders die 18 Prozent jener Schülerinnen und Schüler mit Lern- und Arbeitszeiten von neun Stunden und weniger.
  • Es findet kaum institutionalisierte Live-Kommunikation zwischen Lehrern bzw. Lehrerinnen und Schülern sowie Schülern untereinander statt.
  • Es wird wenig Individualisierung und Differenzierung forciert.
  • Etwa ein Fünftel der Schülerinnen und Schüler gibt an, dass die Absprachen mit der Lehrerin und dem Lehrer nicht gut funktionieren.

Dagegen ist aber – wo vorhanden – eine wertschätzende Lehrer-Schüler-Kommunikation attestiert.

4. Digitalisierung könnte Differenzierung ermöglichen

Die Lehr-Lern-Formen, die durch Digitalisierung möglich sind, bedeuten nicht nur, dass es für Schülerinnen und Schüler verschiedene Aufgaben und Lernwege geben kann. Die digitalen Lehr-Lern-Formen erlauben darüber hinaus auch eine bewusstere Differenzierung ("Das hängt ganz von der konkreten Situation ab und vom Entwicklungsalter.", Eltern, ID 56, v_213; "Je kleiner die Kinder, desto geringer sollte der technische Aufwand sein.", MA, ID 451, v_213). Das könnte bedeuten, dass Schülerinnen und Schüler, die  mit  einem  hohen  Grad  an  Selbstständigkeit und  Lernfreude  arbeiten,  weniger  kleinschrittige  Übungsaufgaben  und  Anleitung erhalten und stattdessen komplexere Aufgabenstellungen relativ eigenverantwortlich in kreativer Weise bearbeiten können, zum Beispiel mit "Lernjournalen, Arbeit an Fallbeispielen" (MA, ID 470, v_213) oder "virtual projecting" (Eltern, ID 32, v_213). Lehrerinnen und Lehrer können sich stärker auf jene Schülerinnen und Schüler fokussieren, die einen höheren Unterstützungsbedarf (z.B. engere Betreuung, weniger komplexe Aufgabenstellungen) haben (ohne dabei die eher eigen- verantwortlich lernenden Schülerinnen und Schüler  ganz  zu  vernachlässigen).

Alle Schülerinnen und Schüler benötigen jedoch klare Lernziele, eine transparente Struktur, regelmäßige Rückmeldungen zum Lernergebnis und Lernerfolg – eben all dies, was guten (digitalen) Unterricht ausmacht. Im besten Fall können hier Schülerinnen und Schüler stärker bereits bei der Planung und Organisation von Homeschooling eingebunden werden ("Vor allem mit den Kindern reden und sie fragen, wie sie gerne die Lernzeit gestalten wollen. Endlich mal selbst entscheiden dürfen und kein Kübellernen! Die Kinder nutzen ihre Möglichkeiten gut aus, man muss nur genau hinhören.", Eltern, ID 392, v_213).

Differenzierung bedeutet damit gleichzeitig Fokussierung auf bestimmte Gruppen von Schülerinnen und Schülern. Durch die Differenzierung mit Technologie ergeben sich neue Möglichkeiten und Notwendigkeiten, sich um diese einzelnen Gruppen fokussierter zu kümmern, was sich wiederum positiv auf die Chancengleichheit auswirken könnte. Dabei braucht es positiv diskriminierende Maßnahmen mit kompensatorischem Effekt.

5. Insgesamt liegt die Vermutung nahe, dass es einen Schereneffekt geben könnte, bei Schülerinnen und Schülern, Eltern und innerhalb und zwischen Schulen

Wie die Auswertungen des Schul-Barometers zeigen, lassen sich immer wieder große Unterschiede feststellen. Es zeigen sich starke Disparitäten bei den Schülerinnen und Schülern, den Eltern sowie in den Schulkollegien und zwischen den Schulen. Die Auswirkungen der Schulschließungen werden unterschiedlich wahrgenommen, der Umgang mit den damit verbundenen Herausforderungen divergiert stark.

Bei den Schülerinnen und Schülern kristallisieren sich zwei Gruppen heraus, die sich in ihrer Haltung dem Homeschooling gegenüber klar unterscheiden:

1. Schülerinnen und Schüler, die sich sehr positiv über das Homeschooling und die damit verbundenen Chancen äußern (Möglichkeiten des selbstbestimmten, eigenverantwortlichen, kreativen Lernens mit Berücksichtigung des individuellen Lerntempos, Lernrhythmus und der individuellen Lernweisen/-methoden).

2. Schülerinnen und Schüler, die sich über die Situation des Homeschooling kritisch äußern und sie als hohe Belastung erleben (und mehr Unterstützung von den Lehrerinnen und Lehrern benötigen).

Gründe sind sicherlich ein Zusammenspiel von verschiedenen Merkmalen wie technische Bedingungen (schlechte Ausstattung mit Geräten und aktueller Software), räumliche Situation (mit vielen Personen auf  engem  Raum), geringe zeitliche und emotionale Ressourcen der Eltern oder der Geschwister.

Auch zeigen sich in der zeitlichen Gewichtung verschiedener Aktivitäten bei den Schülerinnen und Schülern große Unterschiede. So gibt es Schülerinnen und Schüler, die viel Zeit mit Computerspielen verbringen, andere, die mehr Zeit als andere im Haushalt helfen, und wieder andere, die mehr aktive Zeit mit der Familie verbringen. Hinsichtlich der Zeit für die schulischen Belange zeigen sich ebenfalls Unterschiede. Insgesamt ist der Aufwand für die Schule mit durchschnittlich rund 15-17 Stunden in der Woche deutlich niedriger als die reguläre schulische Präsenzzeit. In den qualitativen Aussagen gehen wir davon aus, dass diese schulische Zeit unterschiedlich intensive Lernzeit ist und Schülerinnen und Schüler mit mehr Vor- wissen, mehr Lernmotivation und höher Selbstorganisation und demzufolge mehr Strukturierungskompetenz in den Arbeitsweisen einen stärkeren Nutzen aus dieser Zeit ziehen.

Ein beträchtlicher Teil der Eltern empfindet große Sorge und Belastung im Hinblick auf die Betreuung und Lernbegleitung ihrer Kinder

Diese Unterschiede in der Wahrnehmung und im Umgang mit der Situation spiegeln sich auch bei den Eltern wider. Ein beträchtlicher Teil der Eltern empfindet große Sorge und Belastung im Hinblick auf die Betreuung und Lernbegleitung ihrer Kinder. Viele Eltern scheinen sich dabei besonders um eine Überforderung zu sorgen. Eltern schildern sehr unterschiedlich das Arbeits- und Aufgabenpensum ihrer Kinder. Gleichzeitig äußern sie hohen Respekt für die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer.

Schließlich gehen auch die Lehrerinnen und Lehrer in den Schulkollegien unterschiedlich mit dieser Situation um. Es zeigen sich Unterschiede innerhalb derselben Schule als auch zwischen Schulen und Schulformen. Einige Schulen versuchen bereits, vermehrt in ein gemeinsames und kohärentes Handeln den Schülerinnen und Schülern (und den Eltern) gegenüber zu kommen. Einigen ist das von Anfang an gut gelungen, für andere ist dies aktuell und zukünftig eine große Herausforderung.

Wir gehen davon aus, dass sich in Krisensituationen verschiedene Schulqualitäten deutlicher auswirken und Unterschiede sich noch vergrößern, z.B. hinsichtlich guten Unterrichtens bzw. der (Aus-)Gestaltung von Lehr-Lern-Arrangements, der Kooperation innerhalb der Fachschaften und Jahrgangsteams/Stufenteams und in Gesamtkollegien, der Qualitäten von Führungspersonen.

Durch die Radikalität und Kurzfristigkeit der Veränderungen kommen bestehende Unterschiede innerhalb und zwischen Schulen noch stärker zum Tragen. Dies wird besonders hinsichtlich der Motivationen und Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung deutlich, in denen die Schere stark auseinandergeht. Das zeigt sich in den Befunden des Schul-Barometers auf den drei Ebenen:

1. Schülerinnen und Schüler

2. Lehrerinnen und Lehrer

3. Schule als Ganzes

Ggf. könnte noch die Systemebene ergänzt werden, wenn man in den Befunden die Differenzierung zwischen den Bundesländern, Kantonen oder den Ländern berücksichtigt.

Professionalität und Kohärenz sind (heraus)gefordert hinsichtlich z.B. Informationsfluss, Kontakthalten im Sinne von Beziehungsgestaltung und Lehr-Lern-Arrangements inklusive Technologienutzung. Gefordert sind v.a. Kompetenzen für Krisenmanagement, Handlungskoordination und digitale Lehr-Lern-Formen (allgemeine Didaktik und Mediendidaktik).

6. Es zeigen sich große Herausforderungen im Hinblick auf Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit

Wichtig ist, dass Lehrerinnen und Lehrer die individuellen Voraussetzungen (insbesondere das Alter und mögliche körperliche und kognitive Einschränkungen, aber auch die technische Ausstattung zuhause usw.) der Schülerinnen und Schüler noch besser kennenlernen und beachten als im "normalen" Unterricht. Vor allem dürfe, so eine Aussage aus der Gruppe der Lehrerinnen und Lehrer und Mitarbeitenden der Schule, der Blick auf die schon vor der Krise benachteiligten Schülerinnen und Schüler nicht verloren gehen. Man müsse "[b]eachten, dass die zeitlichen, sprachlichen, intellektuellen und technischen Voraussetzungen in den Elternhäusern sehr unterschiedlich sind! Je mehr wir im Homeschooling von den Elternhäusern erwarten, desto größer wird die Schere am Ende sein." (MA, ID 769, v_108)

"(Bildungs-)Verliererinnen und -verlierer" in der aktuellen Situation sind wahrscheinlich Schülerinnen und Schüler aus sozio-ökonomisch (hoch) benachteiligten Elternhäusern. Schulen mit einem hohen Anteil an benachteiligten Schülerinnen und Schülern stehen vor besonders großen Herausforderungen.

Nicht alle Schülerinnen und Schüler können mit digitalen Lehr-Lern-Formen erreicht werden, weil sie beispielsweise aufgrund ihrer häuslichen Situation nicht oder kaum in der Lage sind, die an sie gestellten schulischen Anforderungen aktuell zu erfüllen, weil z.B. sie über keine oder kaum technische Ausstattung verfügen (technische Geräte wie Laptop oder PC und Aktualität der Software), die nötig ist für E-Learning-Konzepte oder die räumlichen Verhältnisse kein oder kaum ungestörtes Arbeiten zulassen.

Hier ist davon auszugehen, dass es eine Dunkelziffer von Schülerinnen und Schülern gibt, die derzeit vom schulischen Unterricht abgehängt sind.

7. Die Perspektive für die Zeit nach der Schulschließung: Blended learning und Kompensationsbemühungen

Nach der Wiederöffnung der Schulen können diese mit Konzepten des blended learning in der Schulzeit und darüber hinaus zu neuen Unterrichts- und Schulkonzepten kommen („Ich würde den Schulen empfehlen, dass sie die Krise nutzen, um Schulentwicklungs-Themen voranzubringen; dabei insbesondere die der Digitalisierung, der Kollaboration im Kollegium (Öffnung des Klassenzimmers) und der Individualisierung.” (Unterstützungssystem, 40)). Dadurch können Schule und Lernen den gesellschaftlichen Entwicklungen der Digitalisierung gerecht(er) werden. Die gesamte Kompetenzentwicklung von Schülerinnen und Schülern, die so nicht mehr nur durch und mit sondern auch über Technologie lernen, eröffnet Chancen der Anschlussfähigkeit zu anderen gesellschaftlichen Lebensbereichen, insbesondere im Übergang von Schule zu Beruf.

Eine große Aufgabe wird das Bemühen um eine Kompensation des Schereneffektes bei den Schülerinnen und Schülern sein.

Text entstammt aus Huber et al., 2020, COVID-19 und aktuelle Herausforderungen in Schule und Bildung. Erste Befunde des Schul-Barometers in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Münster: Waxmann.

Das Schul-Barometer COVID-19 und aktuelle Herausforderungen in Schule und Bildung ist in einer nicht kommerziellen Online-Publikation im Waxmann Verlag erschienen (140 Seiten).

Weitere Informationen

Die Publikation sowie weitere Befunde, Medienberichte, Empfehlungen von digitalen Medien, Tools und Werkzeugen sowie eine Sammlung mit nützlichen Links zum Thema "Digitalisierung und Schule" sind zu finden unter www.Schul-Barometer.net

Zum Schul-Barometer:

Das Schul-Barometer ist eine Initiative des Instituts für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie (IBB) der Pädagogischen Hochschule Zug/Schweiz sowie des World Education Leadership Symposium. Das Schul-Barometer (SchuBa) in Deutschland, Österreich und der Schweiz beschäftigt sich mit der aktuellen Situation der Schulen und möchte einen Beitrag zum Erfahrungsaustausch leisten. 

Am: 20.05.2020