Wir leben in einer digitalisierten Welt. Kinder und Jugendliche müssen lernen, sich darin sicher und verantwortungsvoll bewegen zu können. Nicht zuletzt geht es dabei auch um den Schutz der Demokratie durch Medienbildung. 2024 beschloss der Freistaat, weiterführende Schulen bis 2028 sukzessive mit Tablets auszustatten, so dass die Kinder schon ab der fünften Klasse damit arbeiten können. Eltern sollten dafür unter bestimmten Voraussetzungen 350 Euro Zuschuss pro Gerät bekommen, dass sie privat anschaffen. Deswegen haben sich viele Pädagoginnen und Pädagogen auf den Weg gemacht, junge Menschen auf die Chancen und Herausforderungen digitaler Welten vorzubereiten, jeweils altersgemäß, auch schon ab der Grundschule. Grundlage dafür waren die Aussagen der Staatsregierung.
Salto rückwärts bei der Digitalisierung
Dann kam der Rückzieher in der Mitte des Jahres 2025: Da entschied die Staatsregierung überraschenmd, dass grundsätzlich erst ab der achten Klasse flächendeckend Tablets eingeführt werden sollen. Bei Schulen mit besonderem digitalen Schwerpunkt sei aber ein Einstieg auch ab der siebten Klasse möglich. Begründet wurde dies offiziell damit, dass zunächst Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen im Vordergrund stehen sollten. Nicht wenige vermuteten dabei aber eher ein verschleiertes Sparprogramm der Regierung.
Schulen und Lehrkräfte fühlten sich vor den Kopf gestoßen, hatten sie doch schon entsprechende Unterrichtskonzepte ab der fünften Klasse entwickelt, Lehrkräfte zu Fortbildungen geschickt und Geräte bestellt. Die Verunsicherung und die mit der Entscheidung verbundenen Herausforderungen an den Schulen sind bis heute nicht gelöst. Ein Grund für die Bayerische Staatszeitung (BSZ), sich des Themas nochmal anzunehmen: "Kritik an Freistaat: iPads – auch mit Zuschuss noch zu teuer", titelte sie am 13. Februar und beleuchtete in einem ausführlichen Bericht das Meinundgsbild und den aktuellen Status quo an den Schulen.
Viele Probleme bleiben
Zwar sei der Zorn der Schulen und Verbände über den “Schlingerkurs” der Staatsregierung etwas abgekühlt, nicht zuletzt weil die Staatsregierung Übergangsregelungen vereinbart hat und die Schulen damit Zeit bekommen haben, um ihr pädagogisches Konzept schrittweise anzupassen. Allerdings seien weiterhin grundlegende Probleme und Herausforderungen damit nicht gelöst. So hatten bis zu 15 Prozent der Gymnasien Pläne für die Tableteinführung ab der fünften Klasse. An diesen Schulen sei der Unmut groß, weil viel Energie verschwendet wurde und weiterhin die nötige Planungssicherheit fehle. „Allmählich langt’s“, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann deshalb auch klar im Gespräch mit der BSZ. „Wir wissen nicht mehr, mit wem wir neue Tendenzen besprechen sollen.“ Dabei bemängelte Fleischmann, dass Vereinbarungen mit dem Kultusministerium offensichtlich wenig Bestand hätten.
Auch die Mittelschulen sähen den Schlingerkurs kritisch, wie die BSZ berichtet. Viele hätten sehr positive Erfahrungen mit dem Einsatz von Tablets gemacht. Mit dem Einstieg erst ab der achten Klasse blieben an der Mittelschule effektiv aber nur noch 16 Monate Zeit zur Nutzung für die einzelnen Schülerinnen und Schüler. Und das sei zu wenig für fundierte Konzepte, wie ein Schulleiter gegenüber der BSZ betont.
Aufgerieben zwischen Bürokratie und Bildungsgerechtigkeit
Und ein weiteres Problem hemmt die Digitalisierung an den Schulen: Zwar könnte den Schulen laut Staatsregierung ab 2027 einiger bürokratischer Aufwand erspart werden, weil ab 2027 aus bisher zwölf Förderprogrammen für Schuldigitalisierung ein gesetzlich verankerter fester Zuschuss werden soll und zwar eine “Pro-Kopf-Pauschale”, welche die Schulen eigenverantwortlich für Infrastruktur, Hardware, Software sowie Wartung und Pflege einsetzen können.
Allerdings bleibt das Problem, dass der Zuschuss von 350 Euro bei Kaufgeräten nicht die tatsächlichen Gerätekosten abdeckt. Wie die BLLV-Präsidentin gegenüber der BSZ betont, müssten die Familien mit 150 bis 200 Euro Eigenanteil rechnen – das ist viel Geld. Fleischmann fordert deshalb mehr Unterstützung für diejenigen, die sich das nicht leisten können.