Sarah Heße zur dbb-Studie "Sozial- und Erziehungsdienst"Startseite klein

Es besteht dringender Handlungsbedarf

2020 steht die neue Tarifrunde im Sozial- und Erziehungsdienst an. Wie eine dbb-Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt, hakt es laut den Beschäftigten noch an vielen Stellen. Die Ergebnisse dieser Umfrage und die Forderungen der BLLV, stellt Sarah Heße in einer Videobotschaft und einem Statement vor. Sie ist Leiterin der Fachgruppe Sozial- und Erziehungsdienst im BLLV.

Nach dem hart umkämpften Kompromiss in der Tarifeinigung des Sozial- und Erziehungsdienstes (SuE) im Herbst 2015, haben der Deutsche Beamtenbund und die Tarifunion eine aktuelle Online-Umfrage zum Thema Sozial- und Erziehungsdienst erstellt.

Trotz einiger Verbesserungen spiegelt sich dieser Kompromiss auch in den Antworten der Befragung wider. Denn der überwiegende Teil der Beschäftigten sieht aus jetziger Sicht noch dringenden Handlungsbedarf. Die Befragten sind sich einig, dass der Prozess der Aufwertung weiter vorangetrieben werden muss, um die Attraktivität der Berufsgruppen zu steigern. Viele fühlen sich noch immer nicht ausreichend wertgeschätzt.


Wichtigstes Ziel bleibt weiterhin, dem Personalmangel entgegenzuwirken. Dass nach wie vor an allen Ecken und Enden Personal fehlt, gefährdet die Qualität der Bildungsarbeit und nicht zuletzt die Attraktivität der Berufsgruppe. Mit einer Erhöhung des Personalschlüssels könnte die enorme personelle Fluktuation in andere Berufsfelder verringert werden. Eine bessere Betreuungsrelation würde zwar die Fachkräfteengpässe zunächst verschärfen, aber die Möglichkeiten für gute Qualität bei Erziehung und Bildung sofort verbessern und damit das Arbeitsfeld langfristig deutlich attraktiver machen.

Die Befragten nennen zudem bekannte Forderungen, wie die unzureichende Bezahlung auszugleichen oder die Eingruppierung anzupassen, und bemängeln die fehlende flächendeckende Ausbildungsvergütung im SuE-Bereich. Als eines der größten Probleme im Arbeitsalltag wird die schier unaufhaltsame Negativ-Spirale aus immanentem Zeitdruck, zunehmendem Bürokratie- und Dokumentationsaufwand und den physischen und psychischen Belastungen angeführt.

In Bezug auf den Gesundheitsschutz sind sich alle einig: dieser wird von den Arbeitgebern „nicht ausreichend umgesetzt“. Viele Beschäftigte bezweifeln bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand gesund die Rente zu erreichen. Oft mangelt es an Aufklärung durch die Träger oder auch Zeit entsprechende Angebote wahrzunehmen. Mehr Urlaub oder Phasen der Erholung, insbesondere für ältere Beschäftigte, sehen die Befragten als wünschenswert.

Aber auch andere aktuelle bildungs- und gesellschaftspolitische Entwicklungen schaffen neue Herausforderungen für den Arbeitsbereich, wie beispielsweise der Ausbau der Ganztagsbetreuung oder die Einführung des Bundesteilhabegesetzes und die damit einhergehenden Anforderungen in der Behindertenhilfe. Ab dem 5. März 2020 stehen neue Tarifverhandlungen an. Weit über 80 % der Befragten sind streikbereit.

Dennoch lassen sich nicht alle Fragen am Tariftisch klären. Viele Bereiche unterliegen gesetzlichen und landesspezifischen Regelungen, auf die nur eine begrenzte Einflussnahme möglich ist. Wichtig bleibt, die Verbesserung und die Anpassung der Rahmenbedingungen für die Beschäftigten an die sich stetig verändernden Gegebenheiten, um das Tätigkeitsfeld des Sozial- und Erziehungsdienstes insgesamt attraktiver zu gestalten.

Ausführlichere Informationen können Sie der Online-Umfrage zum Thema Sozial- und Erziehungsdienst entnehmen (Quelle: dbb 2019).

Am: 28.02.2020