Schule in der Corona-Pandemie Startseite

„Kinder lernen mehr, wenn ihr Herz hüpft“

Im Format "Rotunde-Talk" der Evangelischen Akademie Tutzing reflektiert BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann über die vergangenen Monate im Corona-Modus und welches zukünftig Knackpunkte sein werden.

Auf den Bildschirm gucken, bei Videokonferenzen statt in die Augen des Gegenübers in die Kamera gucken, kein unmittelbares Feedback von Menschen bekommen: Was für Lehrerinnen und Lehrer in den vergangenen Monaten eine Herausforderungen war, war es auch für BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, wie sie Udo Hahn, Leiter der Evangelischen Akademie Tutzing (EA Tutzing), erzählt.

Zum Hintergrund der "Rotunde-Talks": Die EA Tutzing hat das Format anlässlich der Corona-Krise ins Leben gerufen. Zu den Gesprächen lädt sie unterschiedlichste Menschen: von Ilse Aigner oder Harald Lesch bis hin zu Gerhard Polt. Die auf etwa eine halbe Stunde angesetzten Gespräche sind auf dem youtube-Kanal der EA Tutzing abrufbar.     

Lehrkräfte und Schulkinder haben in der Pandemie viel gelernt

Mit der BLLV-Präsidentin spricht der Leiter der EA Tutzing, Udo Hahn, über den Schulbetrieb in den herausfordernden Corona-Zeiten und ihr Verständnis vom Lernen. Natürlich sei am Anfang noch nicht klar gewesen, wie Lehrkräfte den Stoff vermitteln sollen, wenn die Kinder nicht wie gewohnt im Klassenzimmer sitzen, so Fleischmann. Mittlerweile habe man aber Zeit gehabt, um zu trainieren und viel dazugelernt. Jetzt aber davon auszugehen, dass nur kurz der Turbo eingeschaltet werden müsse und dann würden zum neuen Schuljahr alle Schulen auf perfekte digitale Infrastruktur vertrauen können, sei falsch, ist Fleischmann überzeugt.

Zur Evangelischen Akademie Tutzing (EA Tutzing)

Die Evangelische Akademie Tutzing (EA Tutzing) ist als Tagungs- und Studienstätte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ein Ort der Begegnung. Im Sinne einer Denk- und Diskussionswerkstatt fördert sie den geistigen Austausch und die Suche nach guten Lösungen angesichts der Herausforderungen der Zeit.

"Die Infrastruktur war vorher so schlecht, das kann man nicht bis September aufholen", so Fleischmann. Natürlich sei es gut, wenn jetzt Endgeräte für Schüler angeschafft würden. Sie gibt aber zu bedenken: Auch Lehrkräfte bräuchten welche. Auch die Versorgung mit Wlan sei essentiell. Nicht vergessen dürfe man außerdem, diejenigen Schulkinder und Lehrkräfte fit zu machen mit dem Umgang von digitalen Endgeräten und Möglichkeiten, die da noch nicht so geübt sind.

Fleischmann fordert von Politik Handhabe, die ein Abtauchen von Schülern verhindert

Bedauerlicherweise habe sich die Pandemie besonders für Kinder aus sozial schwächeren Familien ausgewirkt, so Fleischmann. Manche Lehrer hätten bestimmte Kinder während des Lockdowns gar nicht erreicht, Kontaktversuche schlugen fehl. Für solche Fälle fordert Simone Fleischmann von der Politik erschaffene Möglichkeiten, die ein Abtauchen von Schülerinnen und Schülern verhindern.

Was die Auswirkungen der Corona-Krise zusätzlich verschärft, ist laut Fleischmann der bereits vorher existierende, eklatante Mangel an Lehrkräften. Besonders um den Lehrberuf an der Mittelschule macht sie sich sorgen: "Aber dort bräuchten wir die Besten." Wenn die Lernschwächsten nicht integriert werden könnten, berge das gesellschaftlichen Sprengstoff. Das ginge nur mit Förderung! Eine Lehrkraft könne 2-3 Schüler mit Defiziten passgenau fördern – aber nicht eine ganze Klasse von 30 Schülern.

Schule muss ein wenig Abstand nehmen von Fachlichkeit zugunsten der Ganzheitlichkeit

Im Ausblick auf die Schule im 21. Jahrhundert stellt die BLLV-Präsidentin heraus, dass es wichtig sei, Kindern eigenständiges Lernen beizubringen, agil und anpassungsfähig zu sein. Sie müssen die Fähigkeit trainieren, sich schnell in unterschiedlichste Gebiete einarbeiten können. Dies sei möglich, wenn in der Schule ein ganzheitlicher Bildungsbegriff zugrunde liege. Denn die spreche den ganzen Menschen an und fördere, dass Kinder gerne lernen. "Kinder lernen mehr, wenn ihr Herz hüpft!", so Fleischmann.

"Schule muss ein bisschen von der Fachorientierung Abstand nehmen zugunsten der Ganzheitlichkeit", ist Simone Fleischmann überzeugt. Ebenso überzeugt ist Simone Fleischmann, dass in der Kinder die Resilienz der Kinder trainiert wurde. Als Optimistin glaubt sie: "Kinder, die durch diese Krise gegangen sind, spüren, dass sie auch für künftige Herausforderungen im Leben gewappnet sein werden.

>> Zum kompletten Gespräch von Simone Fleischmann im "Rotunde-Talk" auf youtube.

Am: 07.08.2020