BLLV-Positionen beim GermanistentagStartseite

Wissenschaft und Experten einig: Darum ist „Zeit für Bildung“ so wichtig

Das Verständnis von Zeit bestimmt gesellschaftliche Denkweisen und Handlungsmuster, darin waren sich Experten beim Deutschen Germanistentag einig. Die Podiumsdiskussion mit Simone Fleischmann griff im Motto „Zeit für Bildung“ eine BLLV-Position auf.

„Zeit“ lautete das übergreifende Thema des Germanistentags 2019 in Saarbrücken. Dabei richtete sich der Blick nicht nur auf die Literaturtheorie, für die Zeit naturgemäß ein entscheidender Aspekt für textimmanente und kontextuelle Analyse ist, sondern auch auf das Wirken von Zeit auf „gesellschaftliche Auffassungen, Denkweisen und Handlungsmuster“.

Im besonderen Fokus stand dabei der Umgang mit Zeit in Bildungsinstitutionen: Eine Podiumsdiskussion mit Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis fand im Rahmenprogramm zu zahlreichen Workshops unter dem Motto „Zeit für Bildung“ statt. Ganz bewusst wurde damit der Titel des Augsburger Manifests aufgegriffen, das der BLLV schon 2015 vorlegte.

Entschleunigen

Die darin formulierte Notwendigkeit, Schule zu entschleunigen, sieht auch Diskussionsteilnehmer Prof. Dr. Hartmut Rosa, Soziologe, Politikwissenschaftler und Experte für Zeitdiagnose, Zeitsoziologie und Beschleunigungstheorie: Die technische Beschleunigung habe unserer „Raum-, Zeit-, Ding- und Sozialverhältnisse verändert“. Dies und die „Beschleunigung des sozialen Wandels“ haben „gravierende Auswirkungen auf die (spät)moderne Art des In-der-Welt-Seins.“

Für Simone Fleischmann bot sich so die Gelegenheit, die Forderungen des BLLV in die aktuelle gesellschaftspolitische Diskussion einzubringen: nach nötigen Ressourcen, um jedem einzelnen Schüler, jeder einzelnen Schülerin in deren individuellen Bedarfen gerecht zu werden, nach einem reflektierten Umgang mit Zeit jenseits des Primats von Messbarkeitswahn, und, daraus abgeleitet, nach einem modernen, prozessorientierten Begriff von Leistung mit entsprechend individuellen Rückmeldungen.

Zeit für Menschen

Darüber hinaus wurde auch die zeitliche Strukturierung des Lernens und Studierens hinterfragt und die Notwendigkeit konstatiert, bereits in der Lehrerbildung den Erwerb eines reflektierten, verantwortungsvollen Umgangs mit zeitlichen Ressourcen zu verankern. Der BLLV schlägt in seinem Modell der flexiblen Lehrerbildung entsprechend einen Fokus auf die Persönlichkeitsentwicklung von angehenden Lehrerinnen und Lehrern vor.

Die BLLV-Präsidentin erläuterte zudem, warum aus erziehungswissenschaftlicher Sicht und praktischer Erfahrung erfolgreiches Lernen, das junge Menschen befähigt, in einer sich rasant verändernden Gesellschaft ein selbstbestimmtes, werteorientiertes Leben zu führen, nur auf Grundlage eines ganzheitlichen Bildungsbegriffs gelingen kann. Denn wer mit Herz, Kopf und Hand unterrichtet und dafür täglich in bedeutsame Beziehung zu jungen Menschen tritt, der braucht dafür vor allem eins ganz dringend: Zeit!

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