Die Geschichte des BLLV

Die Wurzeln des BLLV gehen zurück bis ins Jahr 1823. Drei Gründungsversuche von mittelfränkischen Lehrern misslangen, der letzte im Jahr 1848. Eine Selbsthilfeeinrichtung von Lehrern wurde als subversive Organisation gesehen und verboten. 1861 kam es schließlich doch zur Gründung. In einer bewegenden Gründungsversammlung im Reichsaal im Rathaus zu Regensburg hoben 200 Lehrer aus ganz Bayern den Bayerischen Lehrerverein (BLV) aus der Taufe.

Heute ist der BLLV mit über 62 000 Mitgliedern die größte unabhängige Organisation von Lehrerinnen und Lehrern in Bayern. Er ist seinen Grundüberzeugungen treu geblieben, nämlich dass Schule pädagogisch gedacht und gestaltet sein muss, dass eine nachhaltige Bildung aller die Grundlage einer demokratischen und offenen Gesellschaft ist, dass die in der Schule tätigen Lehrerinnen und Lehrer beste Arbeitsbedingungen benötigen und dass Pädagogen hohe soziale Anerkennung verdienen.

Pädagogik als Leitidee von Schule und Lehrerberuf

Inhalt

 

Die Vorgeschichte des BLV (1823-1861)

Für einen demokratischen Berufsverband

Der Nürnberger Lehrer Johann Grießhammer ruft am 15. November 1823 zur Gründung des ersten "Allgemeinen Lehrervereins für Baiern" auf. Zweck des Vereins ist "die Fortbildung und Vervollkommnung der Mitglieder in ihrem Beruf". Der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten liegt in Nürnberg. 1825 erscheint die Zeitschrift "Der Volksschullehrerverein".

Der "Allgemeine Lehrerverein für Baiern" wird 1832 verboten, da der Staat keine Fortbildung ohne staatliche Aufsicht wünscht. Eine Aufsicht der Fortbildungsveranstaltungen der Lehrervereine durch die Bezirksschul- und Lokalinspektoren sei nicht angemessen.  Am 26. Januar 1833 findet die letzte Sitzung statt. Der BLV hat zu diesem Zeitpunkt etwa 350 Mitglieder, davon über die Hälfte aus Nürnberg.

Wiedergründung des Nürnberger Lehrervereins am 5. November 1842. Auf der 2. Allgemeinen Lehrerversammlung in Schwabach im Jahr 1848 wird der Verein beauftragt, einen "Zentral-Volksschullehrerverein" zu gründen, der die nachweislich existierenden 35 Zweigvereine in ganz Bayern zusammenführen soll.

Der Druck auf den "Zentral-Volksschullehrerverein" und seine Zweigverbände  von Seiten des Staates und der Kirche beginnt unmittelbar mach der Vereinsgründung. Nach dem Bayerischen Vereinsgesetz vom 26. Februar 1850 ist es "politischen Vereinen und solchen, die sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen", verboten, "sich mit anderen solchen Vereinen zu einem gegliederten Ganzen zu vereinen."  Weil der Zentrale-Volksschullehrerverein sich auf seiner Versammlung am 22. Juni 1850 mit dem Verhältnis von Staat, Kirche und Schule auseinandersetzen wollte, wurde erkurzerhand als politischer Verein klassifiziert und aufgelöst.

 

Die Gründung des Bayerischen Lehrervereins

Die Lehrerbewegung in Bayern

Am 22. August 1861 ruft der Achdorfer Lehrer Karl Heiß zur Gründung des Bayerischen Lehrervereins auf.

Der Gründungsaufruf erscheint in der Bayerischen Schulzeitung. In dem Aufruf heißt es: "Sollten nun wir Lehrer immer und in Ewigkeit isoliert und ohne Vertretung bleiben; wir, die wir für eine höchst wichtige, auf das Volkswohl sehr großen Einflusss ausübende Sache einzustehen haben; wir, die wir durch gehobene Achtung mit Erfolg unserm Beruf uns widmen können ... Auf denn theure Amtsbrüder, in allen Gauen unseres lieben Vaterlandes! Zeigt Euch als Männer, die für ihr Amt begeistert sind; gründet einen 'Bayerischen Lehrerverein', der frei von jeder politischen Tendenz nur das Wohl der Schule und  der vaterländischen Jugend im Auge behält."

Der Aufruf stößt bayernweit auf rege Resonanz. Am 27. Dezember 1861 versammeln sich etwa 200 Lehrer aus ganz Bayern in dem ehrwürdigen Reichstagssaal des Regensburger Rathauses und gründen den Bayerischen Lehrerverein. Karl Heiß wird zum 1. Vorsitzenden des neuen Vereins gewählt. Als Vereinszeitung wird die bereits seit 1856 existierende "Bayerische Schulzeitung".

Der BLV verstand sich von Anfang an als überkonfessionell. In seinen Reihen fanden katholische, evangelische und "israelitische" Lehrer ihre Heimat.

Der Bayerische Lehrerverein veröffentlicht die erste 80seitige Denkschrift mit dem Titel "Denkschrift betreffend die Zusammenstellung von Materialien zu einem allergnädigts zu erlassenden vollständigen Gesetze für die Volkkschulen in Bayerns".

Kernanliegen der Denkschrift sind

  • die Institutionalisierung der Volksschule als Staatsanstalt, 
  • die Rechtsstellung des Lehrers als "öffentlicher Diener" (Beamter),
  • der Verzicht auf die geistliche Lokalschulaufsicht,
  • die Modernisierung der Volksbildung und
  • die nachhaltige Verbesserung der der Lehrerbildung.

In der Denkschrift steht der zentrale Satz für das Selbstverstädnis des BLV bis in unsere Zeit: "Die Umgestaltung der Lehrerbildung muss als der Kern- und Angelpunkt der gesamten Schulfrage erklärt werden. Die Lehrerbildung ist das Zentrum, in welchem alle Fäden der Schulreform nach fachlichen und personellen Beziehungen zusammenlaufen."

Die Denkschrift wird Ende Oktober 1863 dem "Hohen Statsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten" überreicht.

Oben ein Tableau, das in der Landesgeschäftsstelle des BLLV hängt, mit den Gründungsvätern des Bayerischen Lehrervereins.

 

 

Der Vorrang der Pädagogik

Im Kampf mit Kirche und Ständegesellschaft

1864

Drei der Gründungsmitglieder des BLV rufen die Lehrerwaisenstiftung in Gunzenhausen ins Leben. Den zahlreichen Lehrerwaisen soll die Stiftung "... das Elternhaus ersetzen durch Unterbringung in geeignete Familien oder in schon bestehenden Erziehungsinstituten oder eigens zu errichtenden, konfessionell getrennten Erziehungsanstalten. ..."

1866

Der Hauptausschuss des BLV beschließt, eine eigene Vereinszeitschrift mit dem Titel "Bayerische Lehrerzeitung" herauszugeben. Die erste Ausgabe erscheint am 3. Januar 1867.

Die bayerische Regierung erlässt ein neues Normativ für die Lehrerbildung, das wesentliche Forderungen des BLV aufgreift. Es löst das äußerst restriktive Lehrerbildungsnormativ aus dem Jahr 1957 ab.

1867

Auf der 3. Hauptversammlung des BLV in Augsburg umreißt der 1. Vorsitzende die Grundlinien des Verbandsverständnisses: "Die Pädagogen sollten sich weder confessionell noch nach Ständen von einander absperren. Hätte man auf gewisser Seite dies beachtet, so hätte der Schulstreit nicht mit solcher Erbitterung und von ihr mit solcher Unkenntnis der Errungenschaften der neueren wissenschaftlichen Pädagogik geführt werden können."

Hintergrund ist ein Kulturkampfähnlicher Streit um die Frage der Rolle der Kirche und des Staates in der Schule. Er wird mit massivsten Anfeindungen und Verleumdungen von Vertretern der katholischen Kirche gegen den BLV geführt. Der BLLV orientiert sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen und distanziert sich offen von einem Schulverständnis, das konfessionell oder weltanschaulichen geleitet ist.

 

1875

Der 1. Vorsitzende des BLV, Karl Heiß wird zum Kreisschulinspektor in München berufen. Aus diesem Grunde gibt er sein Amt ab. Als kommissarischen Nachfolger wählt der BLV-Hauptausschuss Max Koppenstätter, Lehrer im oberbayerischen Geisenfeld (In der Nähe von Ingolstadt). Auf der folgenden Hauptversamlung des BLV Ende August 1875 in Kaiserslautern wird Max Koppenstätter offizielle zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt.

Der Bayerische Lehrerverein hat 7.172 Mitglieder.

Der Bayerische Lehrerverein gründet die Kinder- und Jugendzeitschrift "Jugendlust", "... um dem Verlangen der Jugend nach einer guten Lektüre Rechung zu tragen." Heute erscheint die Kinder- und Jugendzeitschrift unter dem Namen "Floh" und "Flohkiste" bundesweit. In Bayern ist sie eine der wichtigsten pädagogischen Kinderzeitschriften.

1878

Auf der 7. Hauptversammlung des BLV beschließen die Delegierten, "... auch gebildete Personen weiblichen Geschlechts als Mitglieder des Vereins aufzunehmen ..."

 

 

Die Wurzeln des BLV als Selbshilfeeinrichtung

Solidarität und Kollegialität

1887

Der Bayerische Lehrerverein hat 10.273 Mitglieder.

1889

Der 1. Vorsitzende Max Koppenstätter stirbt am 24. Mai 1889. Der Hauptausschuss des BLV wählt auf seiner Jahrestagung am 31. August 1889 Johann Baptist Schubert zum kommisarischen Vorsitzenden. Im September 1890 wird Schubert auf der 11. Hauptversammlung des BLV in Landshut Schubert als Vorsitzender bestätigt.

Schubert ist ein überzeugter Verfechter der Trennung von Staat und Kirche ebenso wie von Schule und Kirche und Pädagogik und Theologie.  Es gelingt ihm trotz zahlreicher Trennnungsversuche von konfessioneller Seite den Bayerischen Lehrerverein geschlossen zu halten und ihn als überkonfessionellen Lehrerverein für Katholiken, Protestanten und "Kollegen israelitischen Glaubens zu bewahren.

1896

Gründung der Allgemeinen Unterstützungskasse.

1900

Der BLLV-Hauptausschuss gründet am 15.11.1900 das "Institut des Rechtsschutzes" auch Rechtsschutzkommission genannt. Damit steht allen BLV-Mitgliedern kostenfreier Rechtsschutz zu. Arbeitsbeginn 1. Januar 1901. Dies ist die Grundlegung der aktuellen Rechtsabteilung des BLLV.

1902

Der Bayerische Lehrerverein richtet einen Haftpflichtschutz für Mitglieder des BLV ein, der die Mitglieder gegen ungerechtferigte Forderungen bei vorgeblicher Haftung vertritt und bei erwiesener Schuld eine angemessene Entschädigung leistet.

Der Bayerische Lehrerverein hat 12.863 Mitglieder.

 

1905

Der Bayerische Lehrerverein richtet einen "Mobiliar-Feuerversicherungs-Verein" (Feuerschutzverein) bayerischer Lehrer ein. Er wird im Jahr 1909 durch eine Einbruchdiebstahlversicherung ergänzt.

1908

In München gründen am 9. Mai 1908 Mitglieder des Verbandes Paedagogia die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer (ABJ). Grund war das gemeinsame Ziel, die materielle Notlage der Junglehrer zu überwinden. Am 16. Mai bereits werden die Anliegen der Vorstandschaft des BLV vorgetragen. Über die materielle Besserstellung hinaus definierte die ABJ als Ziel, "die grundlegende Beschäftigung mit moderner Pädagogik, Schulpolitik und Volkswirtschaft".

Ab 1. Januar 1911 erscheint die "Deutsche Junglehrerzeitung". Am 03. November 1919 wird die ABJ in den Bayerischen Lehrerverein eingegliedert.

 

1909

Der Hauptausschuss des BLV beschließt den Kauf von Schloss Fürstenstein in Berchtesgaden. In den folgenden Jahren wurde es umgebaut zu einem Lehrererholungsheim. Da in dieser Zeit Lehrer kaum Möglichkeiten einer Sommerfrische hatten, wurde das Schloss in den Alpen zu einem beliebten Urlaubsziel. In und unmittelbat nach der Kriegszeit diente es auch Mitgliedern, die als Soldaten  im Krieg waren, als Erholungsheim.

1910

Der Münchner Lehrerverein gründet in enger Absprache mit dem BLV am 10. März 1910 das Pädagogisch-Psychologische Institut. Spiritus rector und Leiter ist der Prominente Pädagoge Privatdozent Dr. Alois Fischer. Die Eröffnung des Instituts findet am 20. Oktober 1911 statt. Das Institut dient der fachlichen Professionalsierung und Qualifizierung der Lehrerschaft. 1997 wurde es in die Akademie des BLLV übergeführt.

1911

2.000 Lehrer kommen nach Regensburg, um das 50-jährige Jubiläum des Bayerischen Lehrervereins zu feiern.

 

 

 

 

 

 

Der 1. Weltkrieg und die Phase der Konsolidierung

Der BLV als führende bildungspolitische Kraft

1914

Die Hauptversammlung des BLV vom 3. bis 6. August 1914 wird wegen des Ausbruchs des 1. Weltkriegs abgesagt. Johann-Baptist Schbert, der nach 25-jähriger Amtszeit als Vorsitzender des BLV sein Amt zur Verfügung stellen wollte, bleibt bis 1919 im Amt.

1914 hat der BLV  16.291 Mitglieder. Die Zahl verringert sich  aufgrund der Kriegswirren, in denen viele Kollegen fallen, bis zum Ende des Krieges im Jahr 1918 auf unter 13.000 Mitglieder.

1918

In der kurzen Regierungszeit von Ministerpräsident Johannes Hofmann, der dem ermordeten Hans Eisner nachfolgt, wird am 16. Dezember 1918 die geistliche Schulaufsicht abgeschafft und die Aufsicht unter die ausschließliche Kontrolle des Staates gesetzt. 1919 wird das Schul- und Lehrerbedarfsgesetz verabschiedet. Damit werden Lehrer Beamte. Johannes Hofmann war Volksschullehrer und auch im Mitglied im BLV.

Damit ist ein jahrzehntelanger Einsatz des Bayerischen Lehrervereins zu einem erfolgreichen Ende geführt.

 

1919

Johann Baptist Schubert gibt im Alter von 72 Jahren sein Amt als 1. Vorsitzender ab. Nachfolger wird Daniel Winkle (geb. 1867).

Daniel Winkle entstammt einer Industriellenfamilie und wählt aus pädagogischer Überzeugung des Volksschullehrerberuf. Durch einen vielbeachteten Vortrag zur Fachaufsicht, den er 1905 in Bayreuth bei der 16. Hauptversammlung des BLV  hielt, machte er sich über Schwaben hinaus im BLV einen Namen. Winkle wird 1920 vom Reichsinnenminister als Experte für das Thema Privatschulwesen zur Reichsschulkonferenz nach Berlin eingeladen.

 

 

1925

Die Vollversammlung des BLV beschließt am 17. April 1925  die Einrichtung einer "Krankenhilfe". 1937 wird sie aus dem BLV ausgegliedert und in einen eigenen Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit umgewandelt und als "Krankenkasse bayerischer Erzieher (KbE)" weiterbestand. 1938 wird sie unter dem NSLB als KdE auf ganz Deutschland ausgeweitet. Am 1. November 1945 übernimmt die Bayerische Beamtenkrankenkasse, die bereits damals zur Bayerischen Versicherungskammer gehörte (Heute: Versicherungskammer Bayern), die bei der KbE versicherten Lehrerinnen und Lehrer.

1930

Der Bayerische Lehrerverein kauft das Anwesen Bavariaring 37 in München, um dort die kontinuierlich anwachsende Süddeutsche Lehrerbücherei unterzubringen. Der Buchbestand beim Umzug in das herrschaftliche neue Heim beträgt knapp 60.000 Bände und zahlreiche Zeitschriften. Heute ist dort die Landesgeschäftsstelle untergebracht.

 

1932

Der Bayerische Lehrerverein gründet im Winter 1932/33 das "Kinderhilfswerk des BLV für die bedrängten Grenzgebiete" zur Unterstützung der Notgebiete des Bayerischen Waldes, des Fichtelgebirges und des Frankenwaldes. Am 11. Februar 1933 wird es vom Kultus- und Innenministerium genehmigt.

 

 

Im Dienst der Diktatur

Der BLV auf Abwegen

1933

Drei Monate nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten findet in München am 24. und 25. April 1933 eine außerordentliche Hauptversammlung statt. Bei dieser Versammlung tritt der gesamte Vorstand unter Leitung des 1. Vorsitzenden Daniel Winkle zurück. Als neuer Vorsitzender wird der Münchner Lehrer Josef Bauer gewählt. Bauer ist ein Vertrauter Adolf Hitlers. Er hat die Parteinummer 34, war zuerst Mitglied der SA und später der SS. Er hatte sich aktiv am Hitlerputsch 1923 beteiligt.

 

 

1938

Der Bayerische Lehrerverein kann sich aufgrund der herausragenden Position des Vorsitzenden Josef Bauer innerhalb der NDAP relativ lang der Gleichschaltung, d. h. der Auflösung  erwehren. Als Abteilung Wirtschaft und Recht innerhalb des Nationalsozialistischen Lehrerbundes (NSLB) bleibt er formal, nicht weltanschaulich unabhängig bis zum 31. Dezember 1937. Zum 1. Januar 1938 geht er in den Nationalsozialistischen Lehrerbund über, seine Vermögenswerte werden dem NSLB überschrieben inklusive des Haus am Bavariaring und Schloss Fürstenstein.

 

 

Die Schule als Keimzelle der Demokratie

Der BLV formiert sich neu

1946

Am 26. Oktober richtet Dr. Friedrich Nüchter, Erlangen in Absprache mit einigen nicht belasteten früheren BLV-Mitgliedern eine "petition concerning the re-establishing of the Bavarian Teachers Association" an die amerikanische Militärregierung in Bayern. Diese leitet sie am 12. März 1946 nach Berlin weiter. Bereits am 20. März wird die Wiedergründung des BLV genehmigt. Am 26. August 1946 wird in Nürnberg  der BLV neugegründet. Als 1. Vorsitzender wird von Franz Xaver Hartmann gewählt.

 

 

1948

Der 25-jährige Wilhelm Ebert ruft in der 1. Ausgabe der Bayerischen Lehrerzeitung im Juli 1948 zur Neugrüdung der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Junglehrer auf: "Erste Aufgabe von Junglehrern ist es, jung zu sein! Mit jugendlicher Begeisterung wollen wir vor unsere Schüler treten und mit heiterem und aufgeschlossenem Herzen unsere schöne Aufgabe meistern. Das Zeichen gesunden jungen Geistes war zu allen Zeiten 'Sturm und Drang'. Wir fühlen diesen Geist, wir wollen nicht mehr säumen. Wir dürfen uns nicht verzetteln. Schließen wir uns zusammen!"

1951

Die Vollversammlung des BLV im Juli 1951 in Augsburg beschließt mit 196 zu 116 Stimmen die Umbenennung des Bayerischen Lehrervereins in "Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverein". Die Zahl der Frauen unter den BLLV-Mitgliedern betrug 28 %. Der BLLV hat im Jahr 1951 17.176 Mitglieder.

1953

Am 1. Februar 1953 finden zeitgleich in München und Nürnberg zwei Großkundgebungen des BLV statt. In München nehmen 6.000 und in Nürnberg 3.000 Lehrerinnen und Lehrer teil. Im Mittelpunkt steht die desolate wirtschaftliche Situation der bayerischen Lehrerschaft in der Nachrkiegszeit und der Kampf gegen die konfessionelle Lehrerbildung.

1954

1. Stufe der großen Besoldungsreform

1955

1955 wird der 32-jährige Wilhem Ebert zum 1. Vorsitzenden des BLV gewählt. Ebert steht für einen Neuorientierung und eine Neuanfang im Verbandsverständnis: Die junge Demokratie sollte auch zum Aufbruch in der Bildungspolitik führen.

Aufbau der Fachgruppe Mittelschule (später Realschule)

 

 

 

 

1957

Der Hauptausschuss des BLV beschließt den Bau des Münchner Studentenwohnheims. Es wird 1959 eingeweiht und bezogen. Es folgen der Bau von BLLV-Studentenwohnheime in Regensburg (1958), Würzburg (1961), Augsburg (1963). Die Studentenwohnheime bilden den Verein Studentenwohnheime des BLLV e.V.

1958

Zweite Stufe der großen Besoldungsreform tritt in Kraft. Sie war notwendig geworden, nachdem Bundestag und Bundesrat das Bundesbesoldungsgesetz und das Beamtenrechtsrahmengesetz, das verbindliche Vorschriften für die Beamtengesetzgebung der Länder macht, verabschiedet hat. Die Volksschulehrer werden in A 10 eingestuft.

1961

Der BLLV feiert in Regensburg sein 100-jähriges Bestehen. Er hat inzwischen über 25.000 Mitglieder.

 

 

Vereinskrise und Neuanfang

 Der BLLV professionalisiert sich

1962

An der von Wilhelm Ebert forcierten Einstellung eines hauptamtlichen Studenten- und Junglehrerreferenten entzündet sich eine bereits länger schwelende Auseinandersetzung um den Führungsstil des ersten Vorsitzenden. In der Einstellung hauptamtlicher Mitarbeiter sehen Eberts Gegner eine Abwertung der ehrenamtlichen Arbeit im Verband. Da Ebert von der Notwendigkeit der Professionalisierung überzeugt ist, aber die innere Einheit des BLLV nicht gefährden will, tritt er am 2. Juni 1962 als Vorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenvereins zurück. Er geht nach Paris und übt seine Tätigkeit als Direktor des Pariser Büros des Weltlehrerverbandes WCOTP und Ständiger Vertreter der WCOTP bei der UNESCO hauptamtlich aus. Maßgeblich Mitarbeit an der Magna Charta des Lehrers, den UNESCO-Empfehlungen zum Status des Lehrers, die am 5. Oktober 1966 verabschiedet wird.

Neuer 1. Vorsitzender des BLLV wird Hugo Zirngibl.

1965

Die Besoldungsnovelle tritt in Kraft, mit der die Lehrer an Volksschulen als Eingangsstufe A 11 erhalten.
Auf Initiative von Hugo Zirngibl wird die BLLV-Eigenhilfe gegründet, um in Not geratenen Mitgliedern unbürokratisch und schnell finanziell helfen zu können.

1967

Auf Bitten herausragender Persönlichkeiten im BLLV stellt sich Wilhelm Ebert bei der Hauptversammlung des BLLV vom 18. bis 21. Mai 1967 in Regensburg nach fünf Jahren Aufenthalt in Paris erneut zur Wahl zur Verfügung. Er erhält 422 von 551 abgegebenen Stimmen.
Die Volksschuloberstufe wird um ein 9. Schuljahr erweitert und zur Hauptschule mit dem Schwerpunkt theoretischer und praktischer Arbeitslehre ausgebaut.

1970

Im zweiten Besoldungsneuregelungsgesetz wird vom Deutschen Bundestag und das zweite bayerische Besoldungsneuregelungsgesetz vom bayerischen Landtag verabschiedet. Damit werden Volksschullehrer in die Besoldungsgruppe A 12 und Real- und Sonderschullehrer in die Besoldungsgruppe A 13 eingestuft.
Nach Jahren heftiger Auseinandersetzungen zwischen der katholischen Kirche, der KEG und dem BLLV, nach jahrelangen Diskussionen um die konfessionelle Trennung der Schüler in den Bekenntnisschulen wird unter Ministerpräsident Franz-Joseph Strauß die "christliche Gemeinschaftsschule" eingeführt, womit das Prinzip der konfessionsgebundenen Volksschulen aufgegeben wird. Dies erfolgt durch einen von CSU, der SPD und der FDP gemeinsam getragenen Volksentscheids. Damit endet ein generationenlanger Kampf des BLLV für eine säkulare und staatliche Volkschule erfolgreich.

1974

Der Bayerische Landtag verabschiedet das neue Lehrerbildungsgesetz, das 1978 in Kraft tritt. Die Pädagogische Hochschulen werden in die Universitäten eingegliedert. Damit ist der jahrzehntelange Einsatz des BLLV für die Akademisierung der Lehrerbildung erfolgreich. Obgleich der Stufenlehrer im Gesetz vorgesehen war, wird er auf Betreiben des Kultusministers Hans Maier in einer Novellierung im Jahr 1976 wieder gestrichen.

1975

Der Präsident des BLLV, Dr. h. c. Wilhem Ebert wird zum Präsidenten des Weltlehrerverbandes World Confederation of the Teaching Professions (WCOTP) mit Sitz in Paris gewählt. Er übt dieses Amt bis 1978 aus und ist ständiger Vertreter der WCOTP bei der UNESCO.

1987

Der BLLV gründet zusammen mit Prof. Dr. Hans Schiefele die Akademie für Bildungsreform und pädagogische Entwicklung. Ihr gehören zahlreiche prominente Erziehungswissenschaftler und Pädagogen aus der ganzen Bundesrepublik Deutschland an.

 

 

Bildungspolitik in Zeiten der Restauration

Der BLLV als Kämpfer für eine moderne Schule

1984

Auf der 44. Landesdelegiertenversammlung in Augsburg wird Albin Dannhäuser zum neuen Präsidenten des BLLV gewählt. Dannhäuser war u.a. Vorsitzender der ABJ, Leiter der schulpolitischen Hauptstelle im BLLV und für drei Jahre Geschäftsführer des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE).

 

 

 

 

 

 

1986

Der BLLV-Landesvorstand beschließt auf seiner jährlichen Klausurtagung in Regensburg, dass künftig auch Lehramtsstudenten der Realschule und des Gymnasiums Mitglieder der BLLV-Studentengruppen an den neun bayerischen Universitätsstandorten werden können. Damit beginnt die Neuorientierung des BLLV als schulartübergreifender Lehrerverband.

1989

Im November 1989, wenige Wochen nach der Öffnung der Grenze zur DDR, fidet auf Initiative des Kronacher Kreisvorsitzenden Rolf Habermann das erste deutsch-deutsche Pädagogentreffen statt. Aus dieser ersten Begegnung entsteht eine intensive Kooperation zwischen BLLV und Lehrerkollegen in den neuen Bundesländern. Der BLLV unterstützt die Lehrer in den neuen Bundesländern in den 90er Jahren intensiv beim Aufbau unabhängiger Lehrerverbände. 
Präsident Albin Dannhäuser fordert die Einführung von Beförderungsämtern für Grund-, Haupt-,Förder und Realschullehrer als Schritt zur Gleichwertigkeit der Lehrer.  

1992

Präsident Dannhäuser gründet das Forum Bildungspolitik in Bayern. Ihm gehören 15 Organisationen an, die Lehrer, Eltern, Schüler und andere  pädagogische Initiativen repräsentieren. Ziel: in Bayern die Zusammenarbeit in der Bildungspolitik über Verbändegrenzen hinaus zu fördern. 2008 gehören dem Forum 37 Organisationen an (www.forum-bildungspolitik.de).
Am 26. September 1992 folgen über 10.000 Eltern, Lehrer und Schüler dem Aufruf des Forums Bildungspolitik, auf dem Münchner Marienplatz gegen Sparmaßnahmen an der Schule zu demonstrieren. Im gleichen Jahr übergibt Albin Dannhäuser em Präsidenten des Bayerischen Landtags 198.370 Unterschriften bayerischer Bürger, die eine bessere Unterrichtsversorgung und eine innovativere Schulpolitik fordern.
Entritt des Forum Kindertagesstätten, in dem Erzieherinnen organisiert sind, in den BLLV. Damit öffnet sich der BLLV für die Kolleginnen in der Elemetarschule.

1993

Die BLLV-Landesdelegiertenversammlung verabschiedet einen Initiativantrag Schule 2000 - leistungsfähig, demokratisch, menschlich. Er richtet sich gegen die bildungspolitische Restauration unter Kultusminister Hans Zehetmair und plädiert für pädagogische Innovationen. Er wird Grundlage für das Volksbegehren Bessere Schulen. Aufgrund interner Konflikte zieht der BLLV seine Mitarbeit an der Vorbereitung des Volksbegehrens zurück. Es wird von anderen Organisationen weiterbetrieben, wird vom Bayerischen Verfassungsgericht jedoch nicht zugelassen.
Das freiwillige 10. Hauptschuljahr wird eingeführt.

1994

Zwischen 1990 und 1992 während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien sammelt der BLLV 1,5 Mio DM, um Flüchtlingskindern zu helfen. Eine beispiellose Welle der Hilfe wird durch den Aufruf des BLLV an den bayerischen Schulen initiiert. Darauf hin gründet der BLLV-Landesvorstand im Herbst 1994 die BLLV-Kinderhilfe als eigenständigen Verein. Die BLLV-Kinderhilfe unterstützt seitdem regelmäßig Schulen und Kinderhäuser in der ganzen Welt. (Im Bild eine Oberschule In Ruanda)

1998

Der BLLV ruft zu einem Demonstrationszug unter dem Motto Mehr Geld für Bildung auf. Fast 15.000 Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Schüler ziehen durch die Münchner Innenstadt vorbei an der Staatskanzlei und dem Finanzministerium zur Abschlusskundgebung auf dem Odeonsplatz. Dies ist die größte Demonstration, die in Bayern für Bildungsthemen durchgeführt wurde. Ziel: Bildung als Kernpunkt der Zukunftssicherung definieren und in Bildung investieren.
Das Volksbegehren Schulreform 2000 gegen die Einführung der sechsstufigen Realschule wird vorbereitet.

1997

Der Verein Bildungswerk und Akademie des BLLV wird gegründet. Er setzt die Tradition des Pädagogisch-Psychologischen Instituts fort. Im Mittelpunkt des Seminarprogramms stehen persönlichkeitsorientierte, auf die besonderen Aufgaben des Lehrerberufs ausgerichtete Tagesseminare.

1999

Der BLLV startet das Volksbegehren Die bessere Schulreform, um die Einführung der sechsstufigen Realschule zu verhindern. Die Befürchtungen des BLLV: Starker Übertrittsdruck in der Grundschule, Schulsterben in den ländlichen Regionen, Kostenexplosion. 508.425 Bürger unterstützten das Volksbegehren, das im Februar 2000 stattfindet. Dies reicht nicht zum Volkentscheid. Die Befürchtungen stellen sich in kürzester Zeit noch dramatischer dar als vom BLLV vorausgesagt.

 

 

Gesellschaftlicher Umbruch im 21. Jahrhundert

Der BLLV formiert sich neu

2000

Der BLLV erreicht im Jahr 2000 den höchsten Mitgliederstand seiner Geschichte. 50.396 Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Schulsekretärinnen, Studenten und Pensionisten gehören dem BLLV an.

2001

Im Dezember 2001 wird das erste Mal die internationale Vergleichsstudie Program for International Student Assessement kurz PISA von der OECD veröffentlicht. Deutschland liegt in dem Vergleich von 32 Ländern in fast allen Kategorien im letzten Drittel. Mit der Veröffentlichung der ersten PISA-Ergebnisse verändert sich die schulpolitische Diskussion in Deutschland grundlegend.
Der BLLV-Landesvorstand setzt auf Initiatve des Präsidenten eine Kommission BLLV - Die Zukunft beginnt heute ein, die sich mit der Frage auseinandersetzt, welche Innovationen braucht der BLLV, um in der modernen Informationsgesellschaft als größter Pädagogenverband in Bayern bestehen zu können. Weitreichende Veränderungen in Organisation und Erscheinungsbild werden in verschiedenen Gremien und auf Regionalkonferenzen diskutiert. Die Landesdelegiertenversammlung 2003 in Augsburg gibt grünes Licht zur Runderneuerung des BLLV.

2003

Der BLLV übergibt dem Bayerischen Landtag eine von 102.317 Eltern und Lehrern unterzeichnete Eingabe zur Sicherung der pädagogischen Arbeit in der Grundschule. Forderungen: Bessere Förderung, mehr Unterrichtsstunden, kleinere Klassen, mehr finanzielle Mittel.

2004

Der BLLV initiiert die Aktion Rotstift - mehr geht nicht! Mit ihr soll deutlich gemacht werden, dass Lehrer und Schulleiter den ständigen Mehraufgaben, die ohne Bereitstellung finanzieller und personeller Ressourcen erledigt werden sollen, entgegen treten. Zahlreiche Kollegien beteiligen sich an dieser Aktion.

2005

Der BLLV gründet unter dem Dach der Akademie das "Institut für Gesundheit in pädagogischen Berufen" als Service-, Informations- und Beratungssstelle für Lehrerinnen und Lehrer, die aufgrund berufsbezogene Stressbelastungen gesundheitliche Probleme haben. Die Arbeit wird finanziell von der Bayerischen Beamtenkrankenkasse gefördert. Leiter des Instituts ist Prof. Dr. Joachim Bauer von der Universität Freiburg.
Der BLLV ist Mitinitaitor des Bündisses für Toleranz in Bayern, bei dem 20 Organisationen, darunter die beiden Kirchen und die israelitische Kultusgemeinde sich aktiv zum Schutz der Menschenrechte in Bayern gegen extremistische Angriffe bekennen.

 

 

Schule pädagogisch gestalten - Der BLLV als unabhängige bildungspolitische Kraft in Bayern

2007

Auf der 51. Landesdelegiertenversammlung des BLLV in Würzburg wird der Leiter der Abteilung Schul- und Bildungspolitik, Klaus Wenzel, zum Präsidenten des BLLV gewählt. Klaus Wenzel hat über 30 Jahre in Schulen unterrichtet. 15 Jahre war er Seminarlehrer. Von 1984 bis 2007 leitete er die Abteilung Schul- und Bildungspolitik im BLLV. Seine Programmschwerpunkte sind mehr Bildungsgerechtigkeit, mehr Berufszufriedenheit, weniger Bürokratie!

Die Mitgliederzahl des BLLV steigt weiter auf über 54.000 Personen.

2015

Auf der 53. Landesdelegiertenversammlung 2015 in Augsburg wird Simone Fleischmann als erste Frau zur Präsidentin des Verbands gewählt. Zuvor war sie Leiterin der Abteilung Berufswissenschaft (ABW) und Mitglied des Landesvorstands. Bis 2007 war sie Schulleiterin der Grund- und Hauptschule Poing in der Nähe Münchens. Zuvor war sie als Hauptschullehrerin und Schulpsychologin tätig. Außerdem ist sie Autorin zahlreicher Publikationen zur Grundschule im Oldenbourg Verlag.

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