Kommentar 01.12.2020 ThemenDiversitätArbeitsbedingungenBildungsgerechtigkeitWertebildung

Akzeptanz für Islamunterricht

"Bei all den kritischen Punkten, die es noch zu klären gilt, bin ich froh, dass sich unsere jahrelange Arbeit für einen Islamunterricht nun auszahlt", schreibt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Zum Schuljahr 2021/22 soll er nun endlich da sein, der Islamunterricht. Ein jahrelanger Modellversuch hat sich als Erfolg erwiesen, nun will die Regierung den Unterricht als Fach etablieren – als bedarfsgerechtes Wahlpflichtfach. Damit ist ein wichtiger Schritt getan. Es ist gut, dass den muslimischen Schülerinnen und Schülern ein Angebot gemacht wird, das sie mit ihrer religiösen Identität ernst nimmt. Das braucht es, damit sie Sensibilität für die eigene Religion und dann auch den Respekt vor anderen Religionen entwickeln können. Deswegen habe ich die Wichtigkeit eines Islamunterrichts immer wieder betont und der BLLV hat sich seit Jahren dafür stark gemacht. Dass die Landesregierung jetzt liefert, begrüßen wir.

Die Evaluation des Modellversuchs hat deutlich gezeigt: Das Fach wird dort, wo es angeboten wird, auch sehr gut angenommen. Deswegen wünschen wir uns im BLLV eine Umsetzung, die möglichst nah an diesem Modellversuch bleibt. Denn die Akzeptanz in der muslimischen Community ist eines der wichtigsten Kriterien für den Erfolg dieses neuen Fachs – wenn keiner hingeht, brauchen wir es nicht. Muslimischen Kindern und Jugendlichen wollen wir signalisieren, dass sie eine kulturelle und weltanschauliche Heimat auch in der Institution Schule finden, die sie jeden Tag besuchen. Das ist eine wichtige Grundlage für echte Integration – in der Schule und in der Gesellschaft.

Wenn man von der Gesellschaft aufgenommen wird, dann beugt dies auch einer Radikalisierung vor. Allerdings funktioniert das nicht, wenn man den Schülerinnen und Schülern von vornherein nur mit Misstrauen begegnet. Sie müssen die schulische Auseinandersetzung mit der eigenen Religion als Alternative wahrnehmen können, als ein sinnvolles Gegenprogramm zu dem, was sie womöglich außerhalb der Schule von Leuten zu hören bekommen, die andere Ziele für die Gesellschaft anstreben, als es die Mehrheit der Muslime tut. So schaffen wir es, unseren Schülerinnen und Schülern ein Zusammenleben näher zu bringen, das von Toleranz, Sensibilität für Unterschiedlichkeit und gegenseitigem Respekt geprägt ist. So lassen wir sie erleben, dass sie genauso viel wert sind wie alle anderen Kinder und Jugendlichen.

Besonders freut mich auch, dass unser Einsatz für die Lehrerinnen und Lehrer im Islamischen Unterricht jetzt belohnt wird. Mit der Einrichtung eines Fachs kommt auch die Entfristung für viele, die seit Jahren vor einer ungewissen Zukunft standen. Dies haben all unsere Kolleginnen und Kollegen verdient und wir hoffen, dass, wie von der Staatsregierung angekündigt, viele übernommen werden. Es zeichnet sich ja ohnehin ein Mangel an Fachkräften ab: Wenn die Staatsregierung, genau wie wir es tun, eine große Akzeptanz des Faches anstrebt, werden wir schnell mehr Lehrerinnen und Lehrer brauchen. Wo sollen die herkommen? Da wünschen wir uns schon jetzt – bevor es dann wieder knapp wird – klarere Antworten.

Bei all den kritischen Punkten, die es noch zu klären gilt, bin ich froh, dass sich unsere jahrelange Arbeit für einen Islamunterricht nun auszahlt. Wir bekommen ein Fach – jeder, der will, soll es wählen können. Das ist ein Erfolg, der lange genug auf sich hat warten lassen. Jetzt müssen wir sicherstellen, dass die muslimischen Schülerinnen und Schüler auch guten Grund haben, dieses Angebot anzunehmen. // Simone Fleischmann, BLLV-Präsidentin

Der Artikel erschien in der bayerischen schule #1/2021.