Buchtipps-November-2021
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Forum Lesen: Buchtipps im November 02.11.2021 Startseite kleinBeziehungElternLesenPsyche

Aus Miras Leben

Für den November stellt das Forum Lesen Lesestoff aus der beliebten Mira-Reihe vor: Band 1 und Band 4. Die aufregenden Erlebnisse der 10-jährigen Mira werden für Kinder ab 9 Jahren empfohlen.

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Themen:

Mira #freunde #verliebt #einjahrmeineslebens

Von Sabine Lemire

 

 

Illustriert von Rasmus Bregnhøi

  • Verlag: Klett Kinderbuch
  • Seiten: 104
  • ISBN: 978-3-95470-189-6
  • Preis: 15 Euro
  • Altersempfehlung: ab 9 Jahren

Alle ihre Freundinnen verlieben sich ständig und auch ihre Mama tut sich sehr leicht damit, nur ihr selbst will es einfach nicht gelingen … Mira ist ein wenig verunsichert und fasst an Silvester den festen Vorsatz, im neuen Jahr etwas dagegen zu unternehmen. Ein Jahr später muss sie feststellen: Manches ist ganz gut gelaufen, aber mit dem Sich-Verlieben jedenfalls ist sie nicht so recht weitergekommen.

Die Leserin begleitet Mira von Silvester bis Silvester durch ein Jahr ihres Lebens. Absolut authentisch erzählt die Autorin, wie sich die liebenswerte Protagonistin mit den typischen Problemen einer 10-Jährigen herumschlägt, die nicht mehr Kind und noch nicht richtig Teenager ist. Kongenial sind die liebevollen Illustrationen, die einen raschen Zugang zu der Geschichte eröffnen. Ein zum Lesen verlockendes Angebot für weniger lesefreudige Mädchen (und Jungs)!

Inhalt

Mira hat es nicht leicht. Eigentlich möchte sie sich gerne mal verlieben – alle anderen Mädchen sind das scheinbar schon – , aber sie weiß nicht so recht, wie und in wen. Zum Problem wird das richtig, als Beate, eine neue Mitschülerin, in die Klasse kommt, und Mira nun bei ihrer besten Freundin Karla abgemeldet ist. Beate ist nämlich einfach „cool“ und nicht nur das, sie ist auch noch die Cousine von Benjamin aus der 5. Klasse, in den Karla heftig verknallt ist. Die beiden gründen miteinander den „Club der Verliebten“. Als Karla ihretwegen sogar Miras Geburtstagsfeier verlässt, weil es Beate da zu langweilig ist, bricht für Mira eine Welt zusammen. Ein Traum geht für sie allerdings in Erfüllung, als sie von ihrer Mama als Geburtstagsgeschenk die Erlaubnis erhält, sich bei Instagram anzumelden. Nun kann sie hier Stories aus ihrem Leben posten.

Ihre Mama hat also Verständnis für ihre Tochter und liebt sie über alles. Dennoch macht sie es Mira nicht leicht. Sie ist alleinerziehend – ihren Papa kennt Mira gar nicht – und allein im letzten Jahr hat sie dreimal den Freund gewechselt. Das ist ganz schön anstrengend für Mira, denn ihre Mama ändert je nach Partner auch ihre Interessen und Vorlieben. Zum Glück gibt es da Oma, die immer Zeit und auch Verständnis für Mira hat. Ihre Ratschläge sind Goldes wert und geben Mira immer wieder in schwierigen Situationen Orientierung.

Ein anderer Lichtblick ist Louis. Er ist, seit Mira denken kann, ihr bester Freund, mit dem sie sich super versteht. Die beiden verbringen ihre Freizeit miteinander und haben großen Spaß dabei, irgendwelche Dinge zu bauen, mit Puppen oder auch Fußball zu spielen und vieles mehr. Wäre er vielleicht auch ein Kandidat zum Sich-Verlieben?

Bewertung

Die Leserin begleitet in diesem Auftaktband zur inzwischen vierbändigen „Mira“-Reihe die Protagonistin, wie bereits der Untertitel „#einjahrmeineslebens“ verrät, von Silvester bis Silvester durch ein Jahr ihres Lebens. Es ist ein Jahr mit Höhen und Tiefen und dementsprechend aufregenden Achterbahnfahrten der Gefühle, wie sie charakteristisch für diese Phase des Lebens an der Schwelle zur Pubertät sind. Absolut authentisch wird erzählt, wie sich die liebenswerte Protagonistin mit den typischen Problemen dieser Altersgruppe herumschlägt – und letztlich doch am Ende recht glücklich zurückblicken kann, auch wenn sie feststellen muss, dass sie mit dem „Sich-Verlieben“ noch nicht recht weitergekommen ist.

Kongenial sind Miras Erlebnisse von Rasmus Bregnhøi illustriert, dem es mit wenigen Strichen gelingt die Stimmungen und Gefühle der Figuren eindrucksvoll herauszuarbeiten, der den Fokus und damit die Aufmerksamkeit des Lesers immer wieder auf kleine Details richtet und der die Geschichte nicht selten weitererzählt, wenn er z. B. Louis und Mira glücklich beim Spielen wie in alten Zeiten zeigt, nachdem sie beschlossen haben, doch nicht mehr „zusammen zu sein“, sondern das zu machen, „wozu sie Lust haben“ – und das ist eben nicht Küssen.

In der wissenschaftlichen Leseförderung werden Graphic Novels als ein niederschwelliges Angebot an lesefernere Kinder und Jugendliche empfohlen, die durch den Comicstil einen raschen Zugang zu den Geschichten finden. Die „Mira“-Reihe ist ein hervorragendes Beispiel dafür und wärmstens für die Anschaffung für die Klassen- oder Schülerlesebücherei zu empfehlen. Der hier vorgestellte erste Band wurde 2019 für den Jugendliteraturpreis nominiert und mit mehreren anderen Preisen ausgezeichnet.

Mira #familie #paris #abschied

Von Sabine Lemire

 

 

Illustriert von Rasmus Bregnhøi

  • Verlag: Klett Kinderbuch
  • Seiten: 112
  • ISBN: 978-3-95470-247-3
  • Preis: 15 Euro
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Auch wenn sie mit ihrer Mutter und deren Freund Joakim auf einem Hausboot wohnt: Die 10-jährige Mira ist ein typischer Teenager und muss sich mit Problemen herumschlagen, wie sie alle Jugendlichen ihres Alters haben. Anders als ihre nervige Mutter scheint ihre Großmutter zu verstehen, wie sie sich fühlt. Gemeinsam wollen sie eine Reise nach Paris unternehmen, doch kurz davor stirbt Oma ganz plötzlich. Mira ist fassungslos.

Auch der vierte Band der „Mira“-Reihe ist aus dem prallen Leben gegriffen. Die sympathische Protagonistin ist ein wenig älter geworden und nun richtig in der Pubertät. Einerseits geht es wieder turbulent zu bei Mira und ihrer Mama, andererseits erzählt die Autorin hier aber eine Geschichte mit „Tiefgang“, die - besonders auch durch die Illustrationen – wirklich authentisch vermittelt, welche Gefühle der plötzliche Tod eines geliebten Menschen mit sich bringt.

Inhalt                     

Inzwischen hat Mira (im Band 2 der Reihe) ihren Vater, dessen Freundin und ihren Halbbruder Brudi kennengelernt und in der dunkelhäutigen Liva eine tolle Freundin gefunden, die auf dem Nachbar-Hausboot wohnt. Sie hat (im Band 3 der Reihe) zu ihrem anfänglichen Entsetzen Brüste bekommen, die man unter dem T-Shirt sehen kann, muss sich mit ihrer neuen Familie auseinandersetzen, denn nun hat sie ja tatsächlich zwei davon, und es hat mit dem Sich-Verlieben nun doch geklappt: Von Jonas, Livas Cousin, hat sie ihren ersten Kuss bekommen.

Bewertung

Im vierten Band erleben wir Mira als einen typische Teenagerin unserer Tage, die Insta-Stories mit Berichten aus ihrem Leben postet und sich mit Mitschülerinnen auseinandersetzen muss, die zickig und fies sind. Ihre Mutter findet Mira unendlich anstrengend. Diese scheint völlig vergessen zu haben, wie es in der Gefühlswelt einer 10-Jährigen aussieht. Ständig „nervt“ sie mit Fragen nach der Schule und ganz indiskret auch nach Jonas.

Ganz anders ist das bei ihrer Oma. Diese ist nicht nur eine gute Ratgeberin für Miras Mutter, was deren Sorgen mit Mira angeht, sondern versteht sich auch ausgezeichnet mit ihrer Enkelin. Begeistert willigt Mira daher auch ein, als Oma vorschlägt, mit Mira eine Reise nach Paris zu unternehmen, wie sie es einst mit ihrer eigenen Tochter gemacht hat. Doch kurz, bevor sie die Reise antreten können, stirbt Oma ganz überraschend. Mira ist todunglücklich. Erst als ihre Mutter vorschlägt, dass sie statt Oma mit ihr die Reise nach Paris machen könnte, findet Mira wieder ein wenig aus ihrer Trauer heraus. Unterwegs sind die beiden dann ganz oft in Gedanken bei Oma und Mira stellt fest, dass das Leben zwar weitergeht, in ihren Gedanken ihre Oma aber stets dabei ist. Und sie begreift auch, dass es zu bestimmten Zeiten ganz normal ist, seine Mama nervig zu finden und sie trotzdem ganz arg lieb zu haben.

Die Geschichte ist wieder aus dem prallen Leben gegriffen. Die Leser und Leserinnen haben Mira längst liebgewonnen und identifizieren sich mit ihr und ihren Erlebnissen. Lemire weiß ganz genau, wie es in einer 10-Jährigen aussieht und mit welchen Problemen sie sich in ihrem Alltag herumzuschlagen hat. Besonders die Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Tochter sind typisch für dieses Alter, genauso die Rivalitäten und Sticheleien zwischen den Gleichaltrigen und ihren Cliquen. Einfühlsam und gleichzeitig authentisch ist dies alles in der Geschichte über Mira umgesetzt, insbesondere aber die einschneidende Erfahrung, die Mira mit dem plötzlichen und völlig unerwarteten Tod ihrer Großmutter machen muss. Lemire und Bregnhøi lassen die LeserInnen die Fassungslosigkeit und die Trauer unmittelbar und eindringlich miterleben, die dieses Ereignis bei Mira und ihrer Umgebung auslöst. Hier zeigt sich auch ganz besonders die Stärke, die in der Erzählform der Graphic Novel liegt: Am eindrücklichsten ist die ganz in Schwarz gehaltene Doppelseite, auf der nur ganz klein die fassungslose Mira gezeichnet ist, als sie vom völlig überraschenden Tod ihrer Großmutter erfahren hat. Aber auch viele andere Szenen sind mit den verschiedenen zeichnerischen Techniken geschickt und häufig überaus amüsant ins Bild gesetzt.

Wir freuen uns bereits auf den 5. „Mira“-Band!