Bild: Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Deutschen Kitaleitungskongress. Credit: DKLK
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DKLK-Studie 2022: Bayerische Kitas im Spannungsfeld von Personalmangel, Qualitätsanspruch und Gesundheitsprävention

München/Augsburg – Der Deutsche Kitaleitungskongress (DKLK) tourt in diesem Jahr durch sieben deutsche Städte. Die fünfte Station ist am 19. und 20. September Augsburg. Schon vorab wurden in der jährlichen DKLK-Umfrage mehr als 4.800 Kitaleitungskräfte befragt. Jetzt liegen auch die Studienergebnisse für Bayern vor. Hier zeigten sich Kita-Fachkräfte und Eltern zuletzt besorgt wegen der neuen Richtlinien des Sozialministeriums: Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) hatte angekündigt, wegen des Fachkräftemangels in den sogenannten Mini-Kitas die Bildung größerer Gruppen zuzulassen. In den neu geschaffenen, zeitlich befristeten Einstiegsgruppen gelten außerdem geringere Anforderungen an das pädagogische Personal. Die neuen Einstiegsgruppen wurden unter anderem auch zur Aufnahme der vielen Kinder aus der Ukraine geschaffen. Und auch die Studie des DKLK nennt den Personalmangel als eine der wichtigsten Herausforderungen. Aber auch Gesundheitsprävention und Zeit für Leitungsaufgaben beschäftigen die bayerischen Kitas.

20.09.2022

Zum zehnten Jubiläum tourt der DKLK in diesem Jahr durch sieben deutsche Städte. Am 19. und 20. September ist die größte Fachveranstaltung für Kitaleitungen im deutschsprachigen Raum zu Gast in Augsburg. Insgesamt werden mehr als 4.000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher zu den Veranstaltungen erwartet – ebenso wie 50 Referentinnen und Referenten in über 60 Vorträgen und Workshops. Für Aufsehen sorgte schon im Vorfeld der Veranstaltung die Veröffentlichung der DKLK-Studie 2022, die in diesem Jahr einen Schwerpunkt beim Thema Gesundheitsprävention setzt. Zu Recht findet Sarah Heße, Leiterin der Fachgruppe Sozial- und Erziehungs­dienst im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband BLLV, der den DKLK als Landesverband des VBE mit veranstaltet. „Über 81 Prozent der Befragten fühlen sich durch ihre Tätigkeit psychisch belastet. Ein alarmierendes Ergebnis, das gesundheitsfördernde und -erhaltende Maßnahmen ganz klar in den Fokus rückt. Das Thema lässt sich aber nicht ohne den Personalnotstand denken, der für einen erheblichen Teil dieser Belastung verantwortlich ist“, so Heße. Rund ein Drittel der Befragten in Bayern hatte angegeben, in den letzten 12 Monaten mehr als 40 Prozent der Zeit in Personalunterdeckung gearbeitet zu haben.

Personalmangel und fehlende Leitungszeit

Insgesamt gaben über 92 Prozent der Befragten in Bayern an, zumindest teilweise mit weniger Personal gearbeitet zu haben, als sie gemäß den Vorgaben, insbesondere hinsichtlich der Aufsichtspflicht, benötigen. Mehr als 82 Prozent der Befragten in Bayern gaben außerdem an, dass sich der Personalmangel im letzten Jahr weiter verschärft hat. Das lässt sich auch am Betreuungsschlüssel ablesen, denn die tatsächliche Fachkraft-Kind-Relation ist in Bayern weit entfernt von dem sinnvollen und wissenschaftlich empfohlenen Betreuungs­schlüssel. Der läge für unter dreijährige Kinder bei 1:3, also bei 3 Kindern je Fachkraft. Laut Studie erreicht nur rund ein Drittel der Kitas in Bayern einen Schlüssel von 1:5 oder besser. Ein weiteres knappes Drittel der Kitas muss dagegen mit einem Schlüssel zwischen 1:8 und 1:16 arbeiten. Ähnlich sieht es bei den über Dreijährigen aus: 1:7,5 lautet die Empfehlung. De facto betreuen in Bayern aber über 30 Prozent der Fachkräfte mehr als 12 Kinder. Trotz leichter Verbesserungen geben außerdem immer noch rund 42 Prozent der Befragten in Bayern an, dass ihre tatsächliche Leitungszeit über der vertraglichen Leitungszeit liegt. Diese Zeit fehlt dann in der Betreuung. Die Leidtragenden sind einerseits die Kinder und andererseits die pädagogischen Fachkräfte.

Fokus Gesundheit und Gesundheitsprävention

Das Thema Gesundheit und Gesundheitsprävention stand im Fokus der diesjährigen Studie. „Die Fachkräfte in den Kitas sehen sich enormen Belastungen gegenüber, die in den letzten Jahren auch noch deutlich zugenommen haben. Wenn mehr als 90 Prozent der Kitaleitungskräfte in Bayern angeben, dass die hohe Arbeitsbelastung zu höheren Fehlzeiten und mehr Krankschreibungen führt, dann muss das Thema Gesundheit klar in den Fokus genommen werden“, so Sarah Heße in einem klaren Plädoyer für gesundheitserhaltende und -fördernde Maßnahmen. Rund 93 Prozent der Befragten in Bayern gaben an, dass ein Angebot zu Gesundheits- und Stressmanagement nützlich wäre, aber nur 13 Prozent haben Zugang zu einem solchen Angebot.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann bilanziert: „Die Kitas, die Kinder, die Eltern und das pädagogische Fachpersonal haben in den letzten beiden Jahren unglaublich viel geleistet. Und die Kitas und ihre Fachkräfte wollen jetzt auch alles tun, um die Defizite der vergangenen Jahre auszugleichen und die Kinder aus der Ukraine bestmöglich zu integrieren, die oft auch noch traumatisiert sind. Das erfordert aber eine deutlich höhere Zahl von starken und gesunden Erzieherinnen und Erziehern. Die Politik muss jetzt alles tun, um die Zustände zu verbessern. Wenn jetzt nichts geschieht, führt der Personalmangel zu weiteren Belastungen und weiterer Gesundheitsgefährdung der pädagogischen Fachkräfte auf Kosten der Kinder, die gerade in den ersten drei Lebensjahren starke Bezugspersonen brauchen. Und das ist genau das, was die Erzieherinnen und Erzieher jeden Tag für die Kinder sein wollen.“

Deshalb fordert der BLLV:

  • Flächendeckende Investitionen im Rahmen einer bundesweit abgestimmten Fachkräfteoffensive, ergänzt um regional angepasste Maßnahmen. Diese müssen die Ausweitung der Ausbildungskapazitäten an Fach- und Hochschulen, das Angebot adäquater Entwicklungsperspektiven für ausgebildete Fachkräfte und die leichtere Anerkennung europäischer Abschlüsse einbeziehen. Die Ausbildung im frühpädagogischen Bereich darf dabei qualitativ nicht ausgedünnt werden.
  • Unmittelbare Maßnahmen zur Beseitigung aufsichtspflichtrelevanter Personalunterdeckungen.
  • Nachhaltige Investitionen in eine wahrnehmbare Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf mehreren Ebenen, vor allem bei Personalausstattung, Bezahlung, Einführung einer grundsätzlich vergüteten Ausbildung, Fort- und Weiterbildungen sowie räumlicher und sächlicher Ausstattung, um die Attraktivität des Berufsbildes dauerhaft zu stärken.
  • Eine Anpassung der vertraglich fixierten Leitungszeit an den tatsächlichen Bedarf.
  • Eine Entlastung von Kitaleitungen bei Verwaltungsaufgaben durch eine Verbesserung der digitalen Infrastruktur.
  • Den unterstützenden Aufbau multiprofessioneller Teams (Therapeutinnen und Therapeuten, Psychologinnen und Psychologen, medizinisches Fachpersonal, Sozialpädagoginnen und -pädagogen), um Inklusion, Integration, Partizipation und insgesamt immer höhere Anforderungen an das System Kita bewältigen zu können. Zur Entlastung bei nicht-pädagogischen Ausgaben sind zudem Verwaltungs- und Hauswirtschaftskräfte einzubeziehen.
  • Systematischer Aufbau und Zugang zu Angeboten der Gesundheitsprävention und -förderung.

Der DKLK ist eine gemeinsame Veranstaltung von FLEET Education Events, dem VBE Bundesverband, den drei VBE Landesverbänden – Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), VBE Baden-Württemberg und VBE Nordrhein-Westfalen – sowie der AOK.

Die DKLK-Studie 2022 ist eine Umfrage von FLEET Education Events in Kooperation mit dem VBE Bundesverband sowie den drei VBE Landesverbänden, dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), dem VBE Baden-Württemberg und dem VBE Nordrhein-Westfalen, unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Andy Schieler von der Hochschule Koblenz. An der Umfrage, welche zum sechsten Mal erhoben wurde, haben 4.827 Kitaleitungen teilgenommen, so viele wie nie zuvor.

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