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Fachlehrer: Gerechtigkeit ist die Grundlage für Bildungserfolg

Ungerechtigkeit in Kollegien: Fachlehrer werden benachteiligt, trotz großem Einsatz insbesondere in der Corona-Zeit. Der BLLV fordert endlich die von der Politik versprochenen Lösungen, stellt Sebastian Waßmann von der Fachgruppe Fachlehrer klar.

Gemeinsam haben alle Lehrerinnen und Lehrer in der Krise gezeigt, wie wichtig es Ihnen ist, den schwierigen Weg gemeinsam zu gehen. Alle Bildungspartner haben versucht, kreative und wirksame Wege zu finden, um mit den Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu treten. Jeder hat versucht, die Schule weiter am Laufen zu halten. Keiner sollte vergessen werden. Dabei hat man es irgendwie geschafft, tatsächlich jeden mitzunehmen – denn EINES ist in einer funktionierenden Gesellschaft essentiell – Gerechtigkeit. Und Gerechtigkeit fängt in der Bildung an! Auch und gerade bei Lehrerinnen und Lehrern.
 

Der BLLV setzt sich seit Langem vehement für die Belange der Fachlehrerinnen und Fachlehrer ein. Informationen und alle Forderungen dazu » hier


Die Gerechtigkeit muss aber auch für Lehrerinnen und Lehrer gegeben sein! Warum werden Lehrer an der selben Schulart noch immer komplett unterschiedlich bezahlt? Warum haben Lehrer an einer Schule ein unterschiedliches Stundenmaß zu unterrichten? Warum unterrichten Lehrer an einer Schule die gleichen Fächer und werden dabei unterschiedlich bezahlt? Warum werden in manchen Fächern Lerngruppen geteilt und warum in anderen nicht? Warum kann man von einer Schulart ohne Probleme als Lehrer in die andere Schulart wechseln und anders herum nicht?

Das wirft Fragen auf und schafft soziale Ungerechtigkeit in den Schulen. Wir als BLLV verlangen Antworten. Die BLLV-Petition der Fachlehrer hat einige Fragen gestellt.

Die Politik steht im Moment vor vielen Fragen. Einige davon sind ungeklärt. Viele Menschen wollen diese Fragen aber geklärt wissen. Die Fachlehrer wollen endlich gehört werden!

Für Fachlehrer stellen sich diese Fragen schon seit langem. Grund- und Mittelschullehrer unterrichten von Beginn an in der Besoldungsstufe A12. Ein Aufstieg in A12 Z oder A13 ist nach einigen Dienstjahren reine Formsache. An der Realschule und am Gymnasium steigt man in A13 ein und eine Beförderung in höhere Besoldungsstufen bis A15 ist ohne Probleme möglich. Gibt es an der Realschule oder am Gymnasium zu viele Lehrer, dann schicken wir die doch einfach an die Grund- und Mittelschule – mit lukrativen Angeboten. Findet man sie nicht, dann macht man die Angebote noch lukrativer.

Ganz nach dem Motto: Alles ist möglich!

Anders herum ist aber leider wenig möglich! So beispielsweise bei den Fachlehrern...


Fachlehrer haben kaum wahre finanzielle Aufstiegschancen. Fachlehrer verharren oft ihr ganzes Berufsleben in A10, auch wenn eine Beförderung in A11 grundsätzlich möglich ist. Die Möglichkeit, in A12 aufzusteigen bietet sich Fachlehrern im normalen Schuldienst nur, wenn sie Systemadministrator werden möchten. Denn diese brauchte man vor ein paar Jahren dringend, um die Administration an den Computersystemen an den Schulen sicherzustellen. Fachlehrer m/t sind in diesem Bereich bestens ausgebildet und haben Informationstechnologie als Studienfach belegt.

Bei der Einführung des Faches Informatik an den Mittelschulen wurden Fachlehrer einige Jahre (2019) später aber nicht bedacht. Der Fachlehrer darf zwar die Aufgabe übernehmen, dem Mittelschullehrer dieses Fach beizubringen, das Fach Informatik selbst zu unterrichten, ist ihm aber leider nur in Ausnahmefällen gestattet.

Fachlehrer sind der Jonglierball und sie fühlen sich mittlerweile auch so

In den einzelnen Schulen leisten Fachlehrer große Dienste. Die Schüler haben Freude am praktischen Arbeiten. Die Berufsorientierung findet in den Fächern der Fachlehrer eine enorm hohe Qualität. Mit der Projektprüfung waren die Fachlehrer schon vor vielen Jahren Vorreiter im Kontext der Kompetenzorientierung.

Der BLLV setzt sich seit vielen Jahren für Gerechtigkeit in der Schule ein. Die Fachlehrer sind hier immer wieder in den Mittelpunkt gerückt worden. Es gab kleine Erfolge zu verzeichnen, aber der große Wurf eines gerechten Systems mit gerechtem Platz für Fachlehrinnen und Fachlehrer wurde bisher nicht erzielt.

In den letzten Wochen und Monaten haben alle an Bildung beteiligten Menschen gezeigt, wie viel gemeinsam möglich ist, wenn man denn will. Rahmenbedingungen wurden neu ausgerichtet und vieles ist auf einmal völlig normal, was zuvor undenkbar war. Bildung muss gerechter werden!

Fachlehrer haben selbstverständlich Masken zum Schutz der Schülerinnen und Schüler genäht. Fachlehrer haben in Nacht- und Nebelaktionen online Unterricht für ihre Schulen möglich gemacht. Es wurden neue und kreative Möglichkeiten gefunden, von denen nun das ganze System profitiert. Fachlehrer haben Schutzwände gebaut und betreuen wie alle anderen Pädagoginnen und Pädagogen in der Krisenzeit die Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus fand diese Betreuung auch noch in den Ferien statt.

Es ist Zeit, Antworten zu finden auf die Fragen der Petition der Fachlehrer. Ein kleines bisschen Wertschätzung wäre endlich mal nötig, um den Beruf Lehrer/Fachlehrer in der Öffentlichkeit wieder attraktiver zu machen.

In den letzten 10 Jahren sind die Fachlehrer deutlich weniger geworden. Laut aktueller Anfrage an den Landtag vom Juni 2020 gab es 2010 noch ca. 6000 Vollzeit-Fachlehrer. Heute sind es insgesamt fast 700 weniger. Von den derzeit 5300 Vollzeit Fachlehrern sind auch noch fast ein Drittel über 57 Jahre alt. Gehören diese auch zur Risikogruppe oder möchten sie vielleicht in den Vorruhestand gehen, so gibt es ein ernsthaftes Problem bei der Versorgung an Fachlehrern in der Zukunft an den bayerischen Schulen.

Ist es noch attraktiv, Fachlehrer zu sein?

Wenn man in der Zukunft an der Grund- und Mittelschule die Personalprobleme eigenständig lösen möchte, dann wäre es wichtig, hier für Gerechtigkeit zu sorgen. Da bringen den Lehrern vor Ort keine Anrechnungsstunden etwas. Die Lehrer entscheiden sich früher im Studium für ein Lehramt. Bei der Entscheidung ist wohl unter anderem der spätere Verdienst ausschlaggebend. Kaum ein Lehrer war früher selbst als Schüler an einer Mittelschule.

Warum soll sich also ein junger Abiturient für ein Mittelschullehramtsstudium entscheiden? Warum sollte er sich für mehr Arbeit und schlechtere Besoldung entscheiden?

Fachlehrer stehen hier noch schlechter da. Die Prognosen für einen raschen Anstieg der Anzahl der Studierenden sehen nicht besonders gut aus. Viele Studierende brechen das Studium zum Fachlehrer ab. Die Zahlen der Landtagsanfrage zeigen dies deutlich. Nach dem Referendariat sind wieder viele Abbrüche zu verzeichnen, da die jungen angehenden Fachlehrer natürlich nicht in die teuren Ballungsraumzentren versetzt werden wollen.

Der BLLV hat über Jahre hinweg Möglichkeiten aufgezeigt und zahlreiche Vorschläge bei den Entscheidungsträgern eingereicht, wie mit einfachen Mitteln der Fachlehrerberuf wieder attraktiver gestaltet werden könnte. Es ist leider politisch nichts passiert. Viel wurde immer wieder versprochen – die Verbesserungen blieben aus.

Wir warten nun auf die versprochenen Antworten des Bildungsausschusses und des Ministeriums.

Wir haben im Hinterkopf was bei den Zweitqualifikanten von Realschule und Gymnasium alles möglich ist! Wir sind zwar keine Real- und Gymnasiallehrer, aber wir sind Lehrer an einer bayerischen Schule.

Wir wollen jetzt endlich gehört werden!

Fragen über Fragen! Hier entsteht seit Jahren sozialer Sprengstoff in den Kollegien. So viele Dinge sind nicht nachvollziehbar und wir möchten endlich Verbesserungen für die Fachlehrerinnen und Fachlehrer in Bayern.

<< Sebastian Waßmann, stellvertretende Landesfachgruppenleitung Fachlehrer im BLLV
 

Am: 02.07.2020