Positive Fremdsprachendidaktik – ein neuer Ansatz für das Lehren und Lernen von Sprachen? Nun, positiv geprägt sollte jede Art von Didaktik sein und bisher auch schon gewesen sein. Und der positive Gedanke beherrscht hoffentlich jede Unterrichtsstunde und jede Beziehung zwischen Schüler:innen und Lehrkraft. Aber die Autoren haben schon Recht, so eine positiv eigenständige Didaktik speziell für ein Fach ist schon etwas Neues und ein geballter neuer Ansatz im Fremdsprachenlernen. Und so soll diese, auf der Basis der Positiven Psychologie fußende neuartige Didaktik Wege aufzeigen, wie „Sprachenlernen mit Achtsamkeit, Selbstfürsorge und nachhaltigem Lernerfolg gelingen kann – auch in herausfordernden Zeiten“. So könne laut Autorenforschung Fremdsprachenangst und Leistungserwartungsstress vermieden, oder zumindest verringert werden.
Zielgruppe dieses in jeder Hinsicht positiv ausgerichteten Buches sind Studierende und Lehrkräfteausbildner:innen, und natürlich alle Lehrkräfte, also nicht nur Fremdsprachenlehrende; ein Gewinn für alle ist garantiert.
Das neue, wegweisende Konzept führt Positive Psychologie und Sprachenlernen zusammen und macht neues Wissen (empirischer Art) „für die fremdsprachliche Praxis zugänglich“ und lässt es „in einfache umsetzbare Unterrichtsaktivitäten überführen“. Und das ist ausgezeichnet gelungen.
Ein positiver Ansatz also, der sich nicht auf negative Ereignisse, Stimmungen und Strömungen bezieht und reagiert, sondern in diesem Sinne den Lernprozess grundlegend bestimmt. Heißt: Ich reagiere nicht auf Störelemente, Einwände, Kritik, sondern gehe gut gestimmt in den Unterricht hinein und präsentiere der Klasse eine positive, optimistische Lehrkraft, die positive Impulse setzt, motiviert, hilft, korrigiert, bestärkt und verstärkt. Also befasst sich die Lehrkraft, statt auf Störungen zu schauen, auf das, „was zufrieden und erfolgreich macht sowie gesund erhält“ (Homepage Sambanis). Und dafür geben empirische Befunde der Positiven Psychologie wichtige, wertvolle Impulse für die Fremdsprachendidaktik. Um der Zielsetzung des Buches gerecht zu werden, finden folgende übergeordnete Komponenten Berücksichtigung: Wohlbefinden, Zufriedenheit, Happiness und Happy Learning, Selbstwirksamkeit, Emotionalität, Resilienz, Glücksgefühle und Selbstfürsorge – also alles Begriffe mit positivem Anstrich. Damit kann die Lehrkraft ihre Präsenz im Klassenraum so gestalten, dass alle Personen darin frei, angenommen und kreativ sein können.
Am Ende jedes Kapitels rundet ein lohnenswertes, erhellendes Resümee der Expertin Jutta Rymarczyk den Erkenntnisgewinn ab.
Fazit: Dem Buch ist eine breite Leserschaft zu wünschen, denn dessen Ziel kann nur erreicht werden, wenn viele Bildungsmenschen auf den Zug aufspringen. Für eine schulhausinterne Fortbildung sehr gut geeignet.
<< Jochen Vatter, ehem. Leiter der Fachgruppe Fremdsprachen im BLLV
Infos zum Buch:
Michaela Sambanis, Christian Ludwig (Hrsg.)
Positive Fremdsprachendidaktik
Verlag: Narr Francke Attempto
Tübingen, 2025
284 Seiten
ISBN: 978-3-381-12891-4
Preis: 26,99 €