BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, Referendar Florian Hierl, Klassenlehrerin Meike Fuchs, Rektor Florian Schmidt, Förderlehrer Christian Karrasch, Fachlehrerin Barbara Schneider und der 1. Vizepräsident des BLLV Gerd Nitschke (v.l.n.r.)
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, Referendar Florian Hierl, Klassenlehrerin Meike Fuchs, Rektor Florian Schmidt, Förderlehrer Christian Karrasch, Fachlehrerin Barbara Schneider und der 1. Vizepräsident des BLLV Gerd Nitschke (v.l.n.r.)
BLLV-Pressekonferenz "Mittelschulen in Bayern im realpolitischen Fokus" Startseite Topmeldung
A13 Arbeitsbedingungen Arbeitsbelastung Mittelschule

Politische Showveranstaltungen sind von gestern. Echte Verbesserungen sind nötig!

Mit der Initiative „Mittelschule – stark für jeden Weg“ will das Kultusministerium die „Mittelschulen besser aufstellen“. In seiner Pressekonferenz beleuchtete der BLLV mit den Praktiker:innen aus der Schule die Situation und den wirklichen Bedarf vor Ort.

Mit der Initiative „Mittelschule – stark für jeden Weg“ und den damit verbundenen „Mittelschulwerkstätten“ will das Kultusministerium die „bayerischen Mittelschulen für die Zukunft noch besser aufstellen“. Es geht bei den Herausforderungen rund um die Mittelschulen aber nicht nur um pädagogische Konzepte, ein „anderes Lernen“ oder kleine didaktische Innovationen, wie das KM glauben machen will. Denn starke Mittelschulen in ganz Bayern zeigen längst, was möglich und nötig ist – mit engagierten Lehrerinnen und Lehrern und mit allen, die an den Mittelschulen tätig sind und sich jeden Tag für die Bildung und die Zukunft der Schülerinnen und Schüler stark machen. Und das weit über das geforderte Maß hinaus!

“Die vorerst Letzte Mittelschulwerkstatt ist vorbei. Deswegen ist  für uns heute der richtige Zeitpunkt, die Situation hier und heute gemeinsam mit den Medien zu beleuchten. Denn wenn die Kultusministerin in ihren Mittelschulwerkstätten alle Player aus den Mittelschulen zusammenholt, dann aber nichts Substanzielles anbietet, um nötige Verbesserungen durchzuführen, dann fehlt da was. Es fehlt vor allem deswegen was, weil die nötigen Verbesserungen auch schon davor bekannt waren, weil sie von der Arbeitsgruppe am Kultusministerium im Vorfeld dieser Werkstätten erarbeitet wurden”, so BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Es ist Zeit, den Menschen vor Ort zuzuhören

Die Herausforderungen der Mittelschulen sind weitreichender: Sie entstehen durch die systemische Sonderrolle der Mittelschulen und durch ungleich verteilte Bildungschancen. Natürlich geht es bei der Lösung auch um bessere Ressourcen für die Mittelschulen. Es geht aber auch um Herausforderungen, die nicht nur mit einem „Klein-Klein“ an den Mittelschulen selbst gelöst werden können: von der Lehrkräftebildung und der frühkindlichen Bildung oder der Inklusion bis hin zu den Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte und der Sprachförderung! “Ja, eine Ministerin, die in allen Regierungsbezirken Werkstätten zur Mittelschule macht, schätzen wir deswegen, weil eben diese Schulart dann auch mal eine Bühne hat und Wertschätzung erfährt. Das alleine reicht aber lange nicht!”, betont Fleischmann und ergänzt: "Es gibt wenig Menschen, die die Mittelschule wirklich in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit stellen. Wir im BLLV tun das.“

Deshalb hat der BLLV zur Pressekonferenz die engagierten Praktikerinnen und Praktiker der Mittelschulen, die Lehrerinnen und Lehrer, die Schulleitungen sowie die Fach- und Förderlehrkräfte eingeladen, um über die Situation vor Ort zu berichten. In der Gesprächsrunde im BLLV dabei waren neben Simone Fleischmann und dem 1. Vizepräsidenten des BLLV, Gerd Nitschke, aus den Mittelschulen dabei: Klassenlehrerin Meike Fuchs, Referendar Florian Hierl, Förderlehrer Christian Karrasch, Rektor Florian Schmidt und Fachlehrerin Barbara Schneider. Sie machten deutlich, woran es eigentlich mangelt, was es braucht, was funktioniert und wie ein echter Wandel gelingen kann, damit die Kinder und Jugendlichen die beste Bildung und die Lehrerinnen und Lehrer endlich die Entlastung, die Wertschätzung und die Arbeitsbedingungen erfahren, die sie für ihr Engagement brauchen und verdient haben - ganz aus der Praxis und ganz ohne Show.

Klare Zahlen, klare Haltung

Eines machen alle Anwesenden klar: Wenn die Mittelschulen in einem stark geliederten Schulsystem wie von der Staatsregierung vorgesehen auch weiterhin einen großen Teil der Förderung und der Integration in Deutschland leisten sollen und die Kinder und Jugendlichen mit bester Bildung auf ihre und unser aller Zukunft vorbereiten sollen, dann geht das nur mit einer angemessenen Ausstattung. Gerd Nitschke, der 1. Vizepräsident des BLLV, stellt die aktuellen umfassenden Zahlen für die Mittelschulen vor und erteilt eine klare Absage an das geplante Stellenmoratorium: "Wir haben steigende Schülerzahlen in der Mittelschule. Es gibt eine Schüler- und Absolventenprognose von 2025, und demnach steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler in diesem Jahr um über 7000. Und Sie wissen, der Ministerpräsident hat ein Stellenmoratorium verkündet. Das heißt, wir müssen 500 Stellen in der Mittelschule einsparen, wir haben also 500 Lehrkräfte zu wenig, um diesen Schüleranstieg überhaupt zu meistern.“

Nitschke macht klar, was aus Sicht des BLLV jetzt die richtigen und wichtigsten Maßnahmen statt eines Stellenmoratoriums sind: 

  • Ein erster finanzieller Anschub für die Mittelschule. Das Sondervermögen des Bundes nutzen, aber auch mehr eigene bayerische Mittel in die Qualitätsverbesserung der Mittelschule stecken. Nicht ein Weniger weniger, sondern ein Mehr ist hier unbedingt notwendig.”
  • Das Stellenmoratorium für 2026 in der Mittelschule aussetzen. Wir brauchen einfach 500 neue Lehrkräfte. Wir brauchen jede pädagogische Kraft und wir brauchen jede Unterrichtsstunde.”
  • Attraktivität und Wertschätzung für die Lehrkräfte und Lehrkräftegesundheit an oberster Stelle. Es sind jetzt schon über 500 Stellen, die wir aktuell verlieren, weil Kolleginnen und Kollegen krank werden, weil sie sich überbelasten und einfach da sein wollen, weil die Kinder und Schülerinnen und Schüler sie brauchen.”
  • Die Arbeitsbedingungen mit Unterstützungskräften verbessern und dabei auch Förderlehrkräfte und Fachlehrkräfte als Profis sehen, die Ausbildungskapazitäten steigern, die Arbeitsbedingungen verbessern und auch hier Aufstiegsmöglichkeiten schaffen.”
  • Schulleitungen entlasten und die pädagogische Verantwortung auch finanziell stärken. Die Schulleitungen von Bürokratie entlasten und Leitungszeit ausbauen. Und echte Schulleitungsteams mit Anrechnungsstunden und Beförderungsmöglichkeiten schaffen.”

Die Pressekonferenz in voller Länge auf Youtube

 

Stimmen aus der Praxis

Die Lehrerinnen und Lehrer auf dem Podium schildern in der Pressekonferenz ihren individuellen Blick auf die Mittelschulen, ihre Besonderheiten und ihre Chancen und machten auch klar, was sich ändern muss:

Christian Karrasch, Förderlehrer: “Ein ganz großer Pluspunkt an der Mittelschule ist das Klassenleiterprinzip. Da können die Schüler ganzheitlich angenommen werden mit ihren Stärken und ihren Schwächen oder auch mit ihren Problemen. Und ein wichtiger Punkt sind natürlich wir Förderlehrkräfte, die an keiner anderen weiterführenden Schulart eingesetzt werden. Da können Schülerinnen und Schüler differenziert und individualisiert gefördert werden. Das kann ein großer Pluspunkt sein auch wenn leider nicht alle davon profitieren können. Aber der Einsatz von Förderlehrkräften, kann das eine riesengroße Chance sein und sollte ausgebaut werden.”

Florian Hierl, Lehramtsanwärter: “Ich finde, in der Mittelschule steht eben nicht nur das Fachliche im Vordergrund, sondern neben dem Unterrichten und Innovieren auch das Erziehen und auch die Beziehung zu den Schülern. Und ich finde, es sollte uns auch Raum gegeben werden für die Beziehung. Das bedeutet eben auch, dass es – egal wie schön jetzt so ein Unterrichtsentwurf von mir ist – Tage gibt, da ist es chaotisch, da ist die Dynamik anders. Und dann kann ich den ganzen Unterrichtsverlauf, den ich da schön mühsam davor erstellt habe, nicht gebrauchen, sondern muss eben auf die dynamische Reaktion reagieren. Diese Freiheit brauchen wir.”

Meike Fuchs, Klassenlehrerin: “Was die Kinder in der Mittelschule brauchen, ist ganz klar Anerkennung. Nicht nur meine Anerkennung, sondern auch gesellschaftliche Anerkennung, ebenso wie verlässliche Beziehungen, Orientierung, individuelle Förderung und klare Regeln. Und damit diese pädagogische Arbeit gelingen kann, benötigen wir Klassenleitungen vor allem Zeit, personelle Unterstützung und sinnvolle Rahmenbedingungen. Also ganz konkret gesagt: kleinere Klassen, verlässliche Doppelbesetzungen im Unterricht, multiprofessionelle Teams und auch einfach eine spürbare Entlastung bei zusätzlichen Verwaltungs- und Organisationsaufgaben.”

Barbara Schneider, Fachlehrerin: "Die Kinder brauchen unsere Aufmerksamkeit. Und das ist für mich ein Anspruch. Ich will den Kindern gerecht werden. Ich brauche die Zeit und ich will ihnen die auch geben, weil nur so können wir vernünftige junge Menschen bilden, die beispielsweise stabil ins Handwerk einsteigen und da auch bleiben und was durchziehen und eine Begeisterung für den Beruf entwickeln. Deshalb brauchen wir ein Mehr an den Schulen, denn wir kommen an unsere Grenzen, wenn eine Gruppe zu groß ist. Dann können wir es nicht mehr leisten, aber ich will es leisten. Für die Kinder.“

Florian Schmidt, Schulleiter: "Die Art, wie über die Mittelschule gesprochen wird, wirkt unmittelbar auf die Attraktivität des Berufes, aber ebenso auch unmittelbar auf die Motivation und das Selbstbild unserer Schülerinnen und Schülern und deren Eltern. Eine Frage eines Sechstklässlers vor vielen Jahren begleitet mich bis heute. Er fragte mich damals: ‚Herr Schmid, warum sind Sie denn NUR Mittelschullehrer geworden?‘ Diese Frage stimmte mich nachdenklich. Denn sie sagt naturgemäß über mich sehr wenig aus, sondern viel mehr über das Selbstbild dieses Kindes. Was die Mittelschule braucht, ist in meinen Augen ein klares, positives gesellschaftliches Narrativ, getragen von Politik und Medien.“

Mit “Klein-Klein” wird es nicht gehen

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann resümiert: “Wenn man auf Biegen und Brechen festhalten will an den Schularten, also an den Förderschulen, an den Grundschulen, an den Mittelschulen, an den Realschulen, an den Gymnasien und an den beruflichen Schulen, dann muss man den besonderen Stellenwert der Mittelschule besonders bedienen und sie so ausstatten, dass sie ihrem Autrag gerecht wird. Man kann etwas am System ändern, aber wenn man das nicht will, sondern beharren will und festhalten will und gleichzeitig im ’Klein-Klein' bleibt, statt die großen Räder zu drehen, dann braucht man sich auch nicht wundern wenn es nicht funktioniert. Wer übernimmt denn die Verantwortung, um die langfristigen Veränderungen, die alle miteinander diskutieren, umzusetzen? Wir haben eine Erwartungshaltung an die Kultusministerin nach der Arbeitsgruppe und den Werkstätten. Und diese Erwartungshaltung umfasst auch attraktive Arbeits- und Studienbedingungen. Überhaupt eine Lehrkräftebildung die den aktuellen Herausforderungen an die gesellschaftliche Heterogenität gerecht wird und Teams, die den Förderbedarfen gerecht werden."

Medienberichte

Im Nachrichtenmagazin 17:30 SAT.1 Bayern am 26. Januar 2026 spricht BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann über die besonderen Herausforderungen der Mittelschulen in Bayern und fordert mehr Unterstützung von der Politik (ab Minute 4:42).

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Wortlaut bei SAT.1:

„Wir müssen schon mal sehen, wer besondere Herausforderungen hat. Genauso sieht es aus bei Kindern mit inklusivem Förderbedarf.“


Süddeutsche Zeitung vom 27. Januar 2026

Mehr Geld, mehr Personal, mehr Zeit: Was sich Mittelschullehrer wünschen

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Pressekonferenz des BLLV und benennt die große Heterogenität an Mittelschulen als Chance und Herausforderung zugleich. Neben Geld, Personal und Zeit fehlt es an Anerkennung ... weiterlesen

Augsburger Allgemeine vom 27. Januar 2026

Bayerns Mittelschule hat ein Imageproblem: Das sind die besorgniserregenden Folgen

Die Augsburger Allgemeine macht deutlich, wie wichtig die Arbeit ist, die im "Lebens- und Erziehungsraum" Mittelschule geleistet wird und dass die Schulart trotzdem mit eingem negativen Image belastet ist ... weiterlesen

OVB Heimatzeitungen vom 27. Januar 2026 (kostenpflichtig)

Mittelschulen zu selten im Rampenlicht

Die OVB Heimatzeitungen zeigen auf, wie fehlende Wertschätzung die Selbstwahrnehmung der Kinder und die Lehrkräftegewinnung beeinflusst. Der BLLV fordert echte Verbesserungen und mehr Wertschätzung ... weiterlesen

Frankenpost vom 27. Januar 2026 (kostenpflichtig)

Eine Lobby für die Mittelschulen

Auch die Frankenpost greift die Forderungen des BLLV auf und berichtet über die große Bedeutung, die die Mittelschulen in Bayern haben ... weiterlesen