Kommentar zur vbw-Studie zur digitalen Bildung vor und während der Corona -Pandemie 25.03.2021 StartseiteDistanzunterrichtBildungsgerechtigkeit

Problem: Fehlender sozialer Kontext

Woran fehlt es noch, um die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben, so dass Schülerinnen und Schüler noch mehr profitieren? Birgit Dittmer-Glaubig analysiert die aktuelle vbw-Studie.

Viele Impulse zum Weiterdenken gibt die aktuelle, umfassende vbw-Studie zur Digitalen Bildung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Es ist klar: Jetzt ist der Zeitpunkt, um Einfluss zu nehmen auf die Digitalität an Schulen.

Mangelnde Motivation, fehlender sozialer Kontext

In der Befragung kommen Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu Wort. Bemängelt wird die fehlende Selbststeuerungskomponente bei Schülerinnen und Schülern. Insbesondere mangelnde  Motivation und Selbstdisziplin, vor allem das Lernen ohne sozialen Kontext, bereitete den Schülerinnen und Schülern größte Probleme. Beziehungsarbeit nimmt in der Schule einen wichtigen Stellenwert ein: Das Lernen im sozialen Raum, die Arbeit im Team und der direkte Austausch ist der Motor des Unterrichts.

Des Weiteren spricht die Studie zu beobachtende Lernaktivitäten bei den Schülerinnen und Schülern an, die über das Maß der geforderten Lerninputs hinaus gehen. Dies bestätigen insbesondere die Eltern, was jedoch eher auf ein ganz besonderes Elternklientel schließen lässt, das durch die Möglichkeit vielfältiger Unterstützung hier aktiv in den Prozess eingegriffen hat.

Schulkinder müssen lernen, selbstständig zu lernen

Dies Ergebnis darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Vielzahl an Schülerinnen und Schülern aus benachteiligten Elternhäusern diese Möglichkeit nicht hatten. Gerade auch den Schülerinnen und Schülern aus der Grundschule fehlten in der Zeit des Distanzunterrichts die notwendigen Mechanismen  ihr eigenes Lernen  mitzugestalten: Sich unabhängig zu machen von der Aktivierung durch die Lehrkraft, selbstbestimmt und selbstwirksam zu agieren. Dies müssen Bildungsinhalte der Zukunft sein. Die Studie weist hierauf explizit hin.

Defizite in medienbezogener Kompetenz

Ebenso müssen die in der Studie benannten grundsätzlichen Defizite in der medienbezogenen Kompetenz unbedingt ernst genommen und fächerübergreifend in den Schulentwicklungsprozess übernommen werden.

Sozial bedingte Bildungsbenachteiligung

Sozial bedingte Bildungsbenachteiligung, die sich gerade in der Zeit der Corona-Pandemie besonders zeigt, muss jetzt unbedingt thematisiert werden. Wenn – meist Mütter – im Schnitt 2,6 Stunden am Tag als „Hilfslehrer“ agieren, gilt dies sicherlich nicht für sozial schwache  Familien mit mehreren zu betreuenden Kindern. Bei allem Engagement der Lehrerinnen und Lehrer,  ihre Schülerinnen und Schüler auf vielfältigste Art und Weise zu erreichen und somit nicht zu verlieren, muss dieser Aspekt nicht nur im Kontext der Digitalen Bildung mehr  in den Fokus rücken.

Viele Aspekte der vorliegenden Studie weisen auf die Notwendigkeit einer zukunftsweisenden Entwicklung in Richtung eines innovativen und anspruchsvollen digital gestützten Unterrichts hin. Dies ist zu begrüßen und sollte schnellstmöglich in Angriff genommen werden.

Digitale Entwicklung muss eingebettet sein in ganzheitlichen Bildungsprozess

Das Fazit der Studie, „viel Schub aber auch weiter ungelöste Probleme“ macht deutlich, dass die Digitalität in Schule mit viel Energie Einzug gehalten hat – sie nun aber ihren Platz in einem auf Ganzheitlichkeit ausgerichteten Bildungsprozess finden muss.

>> Autorin: Birgit Dittmer-Glaubig, Leiterin der BLLV-Abteilung Berufswissenschaft

>> Zur vbw-Studie: "Digitale Bildung an bayerischen Schulen vor und während der Corona-Pandemie"