Modellversuch für Fachlehrkräfte Startseite
A13

Richtiges Ziel, falscher Weg

Das Kultusministerium startet einen Modellversuch für Fachlehrkräfte in Sport und Informationstechnik ohne berufliche Vorbildung. Die Landesfachgruppen für Fachlehrkräfte im BLLV begrüßen die Zielsetzung, sehen den Weg aber kritisch und nennen Alternativen.

Kultusminister Prof. Dr. Piazolo kündigt über eine Pressemitteilung ein neues Ausbildungsangebot für Fachlehrkräfte in Sport und Informationstechnik an. Dies soll für Interessenten ohne berufliche Vorbildung am Staatsinstitut in Pasing ab dem nächsten Schuljahr umgesetzt werden.

Damit erfüllt man den Ruf nach der Ausweitung der Ausbildungskapazitäten für Fachlehrkräfte und möchte auch den Lehrkräftemangel an den Grund- und Mittelschulen entgegenwirken.

Kritikpunkte

Zwei wichtige Vorhaben, welche dringend angegangen werden müssen. Eine schnelle Einzellösung ist aber der verkehrte Weg. Der Plan des Kultusministeriums ist in mehrerlei Hinsicht kritisch zu sehen:

  1. Ein Zugewinn an Fachlehrkräften ist fraglich. Vielmehr geschieht hier eine Verlagerung der Ausbildungskapazität durch Umverteilung potenzieller Bewerber für die Fächerkombination Werken/Sport/Informationstechnik/Ernährung und Gestaltung. Nicht nur aus den Staatsinstituten Augsburg und Bayreuth nach München (Pasing), sondern auch potenzielle Bewerber im EG-Bereich, könnten sich hier umentscheiden.
     
  2. Der Weg zur Fachlehrkraft wird durch die vorhergesehene Maßnahme immer unübersichtlicher. Professionalität und Qualität der bereits bestehenden Fachlehrerbildung leiden.
     
  3. Die Folge für die 2. Phase der Lehrerbildung ist ebenso kritisch zu sehen, da es keine passgenauen Seminare in den Regierungsbezirken gibt.
     
  4. Jede Fächer- oder Kombinationserweiterung, bedeutet eine Schaffung einer weiteren (Fach-)Minderheit. Insgesamt wird die Personalzuweisung und -anforderung für Schulämter und Schulleitungen immer schwieriger und unübersichtlicher.
     
  5. Des Weiteren ist zu überlegen, ob es verantwortbar ist, Junge Menschen mit 18 oder 19 Jahren in Klassen mit nahezu gleichaltrigen Schülern zu schicken.


Es braucht den großen Wurf

Um dem Fachlehrermangel entgegenzuwirken und die Ausbildung attraktiver zu gestalten, muss für alle Staatsinstitute eine konzeptionelle Anpassung erfolgen und keine Einzel-  oder Schnelllösungen. Hierzu haben die beiden BLLV-Landesfachgruppen für Fachlehrkräfte bereits mehrfach Konzepte entwickelt. Gerne sind wir bereit, gemeinsam mit  allen Verantwortlichen in den Austausch zu gehen, um die Ausbildung der Fachlehrkräfte besser zu gestalten.

Eine Möglichkeit, die sehr schnell Wirkung zeigen könnte, wäre die Schaffung von multikonzeptionellen Ausbildungsstätten. Hier könnten in den ersten zwei Jahren alle angehenden Fachlehrkräfte eine Art Grundstudium absolvieren. In den weiteren zwei Jahren kann eine Spezialisierung mit Hauptfach und Wahlfach an einem spezialisierten Standort der Staatsinstitute erfolgen.

Nach dem bestandenen Ersten Staatsexamen bestünde dann die Möglichkeit, in das Referendariat einzutreten und den Beruf der Fachlehrkraft im Schuldienst zu beginnen.

Umfassende Akademisierung Voraussetzung für A 13

Als modulare Qualifizierung könnte für Studierende mit fachgebundener Hochschulreife oder Abitur die Möglichkeit geschaffen werden, das Hauptfach an der Universität vertieft für zwei Jahre zu studieren und sich somit natürlich höher zu qualifizieren. Das muss sich selbstverständlich auf die Besoldungsgruppe und das Einstiegsamt auswirken.

Langfristig ist aber generell die Einbindung der praktischen Fächer in die universitäre Ausbildung angezeigt. So werden die Voraussetzungen für eine gleichwertige Besoldung (Einstiegsamt A 13) für alle Lehrkräfte erfüllt.

<< Dimitri Telent, Leiter BLLV-Fachgruppe musisch/technisch
<< Brigitte Eisenhut, Leiterin BLLV-Fachgruppe Ernährung und Gestaltung



Mehr zum Thema

Schlagwörter: #A13
Themen:
Fachlehrer