Bild: Förderlehrerinnen und Förderlehrer sind in der individuellen Förderung von Schulkindern unverzichtbar. Täglich kämpfen sie aber mit widrigen Arbeitsbedingungen. Das darf nicht sein.
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Verbesserungen für Förderlehrkräfte umsetzen!

Zu häufig werden Förderlehrer als Ersatz-Lehrer missbraucht. Dies gilt in den aktuellen Krisenzeiten umso mehr, wie die aktuelle BLLV-Umfrage zeigt.

München – Förderlehrerinnen und Förderlehrer sind immens wichtig, wenn es um individuelle Förderung und Differenzierung an Schulen geht. Ihre Situation ist allerdings nach wie vor prekär. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) auf. „Gerade in Krisenzeiten müssen wir noch mehr aufpassen, dass kein Kind verloren geht. Alle Schülerinnen und Schüler müssen individuell abgeholt und gefördert werden. Experten dafür sind unsere Förderlehrerinnen und –lehrer. Auf sie kommt es an, sie brauchen beste Arbeitsbedingungen“, so BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. An diesen Bedingungen hakt es jedoch gewaltig, wie Jochen Fischer, Leiter der Landesfachgruppe Förderlehrer im BLLV deutlich macht: „Die Umfrage zeigt klar: Die Praxis des Kultusministeriums ist mehr als fragwürdig, rechtliche Grundlagen werden vom Dienstherren missachtet und Förderlehrerinnen und Förderlehrer als Ersatz-Lehrer missbraucht“. 

Nach den Ergebnissen der Befragung arbeiten Förderlehrkräfte im Durchschnitt pro Woche eine Stunde mehr im Lehrerbudget als nach der Erhöhung des Anteils vorgesehen – und das für wesentlich weniger Gehalt als Klassenlehrkräfte. Darüber hinaus werden sie in hohem Maße als Ersatz für fehlende Klassen- und Fachlehrkräfte an den Grund-, Mittel- und Förderschulen eingesetzt: Rund 21 Prozent der Förderlehrkräfte unterrichten in benoteten Pflichtfächern anstelle von Klassen- oder Fachlehrern. Fast 38 Prozent der Umfrageteilnehmer sind an mehr als einer Schule eingesetzt, was Kontinuität im Einsatz erschwert und durch die höhere Anzahl an Kooperationslehrkräften auch einen wesentlich höheren zeitlichen Aufwand für die Absprachen zur Folge hat.

Kritik an unzureichender und fehlerhafter Personalpolitik

„Der eigentliche Auftrag und die Aufgaben der Förderlehrkräfte als Spezialkräfte für die Differenzierung und Individualisierung treten durch die gezielten Fehleinsätze in den Hintergrund, um die unzureichende und fehlerhafte Personalpolitik an den Grund-, Mittel- und Förderschulen zu verschleiern, die Statistiken aufzubessern und Finanzmittel einzusparen“, so die BLLV-Präsidentin. Ähnlich äußerte sich Fachgruppenleiter Jochen Fischer: „Es müssen endlich die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen und eingehalten werden und die damit verbundene Aufgabenerweiterung muss sich auch im Status und der Besoldung Berücksichtigung wiederfinden. Förderlehrerinnen und Förderlehrer wollen kein Spielball einer verfehlten Personalpolitik sein und nicht permanent der ministerialen Willkür ausgesetzt werden. Die Fakten und deren Bewertungen, die sich durch die Umfrage des BLLV ergeben, machen sehr deutlich, dass es längst überfällig ist, den Einsatz und die Leistungen der Förderlehrkräfte angemessen anzuerkennen“.

Forderungen der Landesfachgruppe FöL im BLLV, die sich aus der Umfrage ergeben, sind:

1. Einbeziehung der Förderlehrerinnen und Förderlehrer in den Art. 59 BayEuG und somit rechtlicher Anerkennung im Status „Lehrer“. Eine Namensgebung alleine bewirkt keine Statusänderung, die rechtlich wirksam ist! Nur wer „Lehrer“ ist, darf auch wie „Lehrer eingesetzt“ werden!
2. Anerkennung der im Berufsbild gestiegen Vor- und Nachbereitungszeiten für den Unterricht einschließlich notwendiger Absprachen und damit Abschaffung der Verwaltungszeit ohne Erhöhung der gesamten Unterrichtsverpflichtung
3. Angleichung der Eingangsbesoldung und der funktionslosen Beförderung für Förderlehrerinnen und Förderlehrer an das Niveau der Fachlehrer, gem. dem Landtagsbeschluss Drs. 13/7553 vom 12.März 1997
4. Aufhebung der „Durchschnittsberechnung“ für den Unterrichtsanteil aller Förderlehrer im Lehrerbudget zugunsten einer individuellen Berechnung auf Grundlage des tatsächlichen Beschäftigungsverhältnisses

Worthülsen und verbale Wertschätzung reichen nicht mehr

Simone Fleischmann: „Viel zulange wurde die Situation der Förderlehrkräfte schön geredet. Der Ball liegt jetzt bei den politischen Verantwortlichen. Es braucht jetzt Maßnahmen. Worthülsen und verbale Wertschätzung reichen nicht mehr, wenn die Verantwortlichen ihre Glaubwürdigkeit behalten wollen“.

-> Jochen Fischer, Leiter der Fachgruppe Förderlehrer im BLLV moniert: Förderlehrer fungieren mehr und mehr als Ersatzlehrer. Nach Notmaßnahmen umso mehr.

-> Der Bericht zur Umfrage unter Förderlehrerinnen und –lehrern zum Nachlesen.

 

Am: 17.11.2020