ULLV-Vorsitzender Helmut Schmid in der Main Post vom 22.01.2024 Regionales

Weniger Teilzeit, mehr Deutschunterricht: Was Unterfrankens Lehrkräfte von den bayerischen Reformvorschlägen halten

Die jüngste Pisa-Studie hat die Staatsregierung aufgeschreckt. Jetzt sollen schnell Reformen her. Der ULLV-Vorsitzende Helmut Schmid in Unterfranken weiß, dass nicht alle Ideen in der Lehrerschaft gut ankommen.

Auf den PISA-Schock folgt nun die PISA-Offensive. Besonders die Kernfächer Deutsch und Mathematik sollen verstärkt unterrichtet werden. Grundsätzlich findet Helmut Schmid, Vorsitzender des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes in Unterfranken (ULLV), dass die Reformen in die richtige Richtung zielen – auch wenn er sich "ein wenig gewundert" habe, dass sich Söder und Stolz plötzlich "mit Vorschlägen überbieten". "Einen gut abgesprochenen Eindruck macht das nicht."

"Für mich ist es mit einem reinen Aufstocken der Deutsch- und Mathestunden nicht getan, denn es kommt ganz klar auf die Qualität und die zielgerichtete Inhalte an und nicht nur auf den Umfang." Der aktuelle Lehrkräftemangel und dass der Schulbetrieb nur mit Quer- und Seiteneinsteigern "gerettet" werden kann, wird dabei nicht berücksichtigt, sorgt sich Helmut Schmid.

Stundenkürzungen sind unausweichlich

Um die zusätzlichen Stunden Deutsch und Mathe umzusetzen, müssen andere Fächer gestrichen werden. Das werde wohl auf Kosten anderer Fächer wie Kunst, Musik, Religion, Sport oder Englisch gehen. Helmut Schmid ist froh, dass zumindest die Entscheidung der Stundentafel, bei den Schulen vor Ort bleibt. Man könne die Grundschule in bestimmten Würzburger Stadtteilen nicht mit einer Grundschule in der ländlichen Rhön vergleichen, so Schmid.

Teilzeit-Reduzierung ist nicht die Lösung für die Personalnot

Wichtigste Aufgabe bleibe aus Sicht des ULLV eine bessere Personalsituation an den Schulen. Die Idee des Ministerpräsidenten Teilzeit-Forderungen von Lehrkräften weiter zu beschränken, hält Schmid für kontraproduktiv: "Viele entscheiden sich genau deshalb für das Lehramt – weil Familie und Beruf gut zu vereinbaren sind." Alle Verbände lehnen Zwangsmaßnahmen ab. Gerade ältere Lehrkräfte arbeiten in Teilzeit, um sich vor Burn-Out zu schützen. Die Erhöhung der Mindeststunden bei Teilzeit habe bereits zu einem erhöhten Krankheitsausfall geführt.

Sprachtests vor der Einschulung sind eine gute Idee, doch woher kommt das Personal dafür?

Die Pläne des Ministerpräsidenten verpfichtende Sprachtests vor der Einschulung einzuführen, findet Helmut Schmid grundsätzlich gut. Nur, woher soll das Personal dafür kommen, wenn wir mitten im Lehrkräftemangel sind? Zusätzliche Deutsch-Förderungen, "dafür brauchen die Schulen wieder mehr Personal," so Schmid im Interview mit der Main Post.