Schulbarometer tiefrot Startseite A13

„Wir wollen Bildung gestalten statt Mängel verwalten!“

Die Robert Bosch Stiftung hat im Deutschen Schulbarometer erstmals Schulleitungen befragt. Drängendstes Problem ist mit Abstand der Personalmangel. BLLV-Präsidentin Fleischmann fordert, der Staat muss seine Pflichtaufgabe erfüllen, damit Bildung gelingen kann.

18.01.2023 Von: Robert Schwarzenböck, Teamleiter Kommunikation im BLLV

Im BR-Interview ordnet BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann die Ergebnisse des neuen Schulbarometers ein, für das erstmals ausschließlich Schulleitungen befragt wurden. Die repräsentative Stichprobe umfasste insgesamt 1.055 Schulleiterinnen und Schulleiter, die vom 31. Oktober bis zum 16. November 2022 befragt wurden. Im Rahmen der deutschlandweiten Studie wurden die Ergebnisse für Bayern teils gesondert ausgewiesen.

Personalmangel extrem – aber es geht um mehr!

Was nicht wundert: Der massive Personalmangel überlagert fast alle anderen Probleme und Sorgen der Schulen. Zwei Drittel (67 Prozent) der Schulleitungen in Deutschland sehen im fehlenden pädagogischen Personal die größte Herausforderung für ihre Schule. Gerade hier sind die Zahlen je nach Schulart und Bundesland teils sehr unterschiedlich, aber die Tendenz ist eindeutig.

Dazu BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk: „Für uns ist klar, dass das Kernproblem in ganz Deutschland, und eben auch in Bayern, der Personalmangel ist. Schulleiterinnen und Schulleiter kommen kaum mehr zu ihren Kernaufgaben, nämlich zur Begleitung der Lehrerinnen und Lehrer, der Schülerinnen, Schüler und Eltern im Rahmen der Schulentwicklung. Stattdessen, und das ist jetzt die reale Erfahrung aus vielen Gesprächen mit unseren Kolleginnen und Kollegen, schlagen sich die Schulleitungen mit etwas herum, was eigentlich Pflichtaufgabe des Staates ist, nämlich Unterricht zur Verfügung zu stellen und entsprechendes Personal zu rekrutieren.“

TV-Bericht

Simone Fleischmann in der BR-Rundschau im Wortlaut:

"Wir Schulleiterinnen und Schulleiter spüren den Druck deswegen, weil wir nur den Personalmangel im Vordergrund sehen können, weil uns dieser so belastet, und dadurch alle anderen pädagogischen Herausforderungen – alle Nöte der Kinder, alle Sorgen der Lehrer, alle Anliegen der Eltern – hinten runter fallen."
(Der Beitrag war auch in der Rundschau um 21:45 zu sehen)


Mehr Schülerinnen und Schüler brauchen mehr Lehrkräfte

Dennoch spielen Themen wie Digitalisierung, Bürokratie und die eigene Arbeitsbelastung der Schulleitungen eine wichtige Rolle in der Befragung. Vor allem in Schulen in sozial benachteiligter Lage sind laut der aktuellen Ergebnisse die Lernrückstände trotz Corona-Aufholprogrammen gravierend.

Ebenfalls äußerst bedenklich: Rund die Hälfte der Schulleitungen gibt an, aktuell keine weiteren neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler mehr aufnehmen zu können. Dazu Simone Fleischmann: „Wenn es an die Kapazitätsgrenzen geht, dann müssen wir uns die Frage stellen was in ganz Bayern los ist, nicht nur im schulischen Setting: Wie geht es gesamtgesellschaftlich in Deutschland und in Bayern weiter mit der Aufnahme von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund? Wenn es mehr Schülerinnen und Schüler gibt, dann brauchen wir mehr Unterricht und mehr Unterricht braucht mehr Lehrer. Das ist in dem Fall eine klare Ansage an die Politik. Es fallen keine Lehrer vom Baum.“

BR24: Simone Fleischmann im Interview mit BR24

Deutsches Schulbarometer: Daran fehlt es in den Schulen

Auch der BR berichtet über die neuesten Ergebnisse des Deutschen Schulbarometers und befragte dazu auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann: "Nicht nur mit Personalmangel haben die Schulen zu kämpfen, auch die Lernrückstände der Kinder sind noch immer beträchtlich...."

>> Hier geht's zum ganzen Bericht inklusive Hörfunk-Audio


Auswege aus der Misere

Patentrezepte gibt es keine – gute Ansätze aber viele. Beispielsweise auch zu den abgefragten Themen Bürokratie und Digitalisierung. Denn natürlich würde es die Schulleitung entlasten, wenn sie viele bürokratische Prozesse nicht 110-prozentig selbst erledigen müsste, wie das aktuell oft der Fall ist. Hier würde natürlich mehr Verwaltungspersonal helfen, wofür in Bayern auch kürzlich wieder zusätzlich Stellen geschaffen wurden.

Einzellösungen werden es aber nicht richten, so Simone Fleischmann: „Was ist jetzt am dringendsten nötig? Dass wir alle zusammen verstehen, was nicht mehr geht. Wir müssen auf Kernaufgaben fokussieren, auf zentrale Anliegen und uns nicht in Kleinigkeiten verlieren. Wir brauchen Politiker, die uns den Rücken stärken. Die müssen hinter uns stehen – links, rechts und vor uns. Wir dürfen als Lehrerinnen keinesfalls die Dummen sein, die es irgendwie nicht schaffen. Wir wollen nämlich Nachwuchs haben. Wieso sollte denn jemand Lehramt studieren, wenn wir dauernd sagen ‚Wir schaffen es nicht‘? Also da ist jetzt die Politik gefragt. Seit Jahrzehnten ist es das leidige Thema des Personalmangels. Man muss jetzt wirklich in die Tasche greifen, Man muss Geld locker machen. Wir brauchen Stellen, wir müssen Personal rekrutieren und längerfristig die Lehrkräftebildung ändern. Und wenn wir das alles nicht so schnell hinkriegen dann müssen wir die Tatsache annehmen, dass es jetzt nicht mehr geht. Und Wahrheit und Ehrlichkeit, das fordern wir jetzt von der Politik.“

>> Zur Pressemitteilung der Robert Bosch Stiftung: "Deutsches Schulbarometer: Massiver Personalmangel überlagert Probleme und Sorgen der Schulen"

>> Zum Infoblatt Zahlen, Daten, Fakten zum neuen Deutschen Schulbarometer





Weitere Medienberichte zum Schulbarometer



Mehr zum Thema

Schlagwörter:
#A13
Themen:
Lehrermangel