Kochen und Planen ohne Netz!

Wie die Digitalisierung den Unterricht im Fach Soziales verändert

„Mal ehrlich, wofür braucht ihr denn
in der Küche Computer? Die Schüler
sollten doch kochen lernen!“ Auf diese
oder ähnliche Aussagen treffen wir
immer noch − landauf und landab. Doch
auch die Inhalte im Fach Soziales haben
sich im Laufe der Zeit grundlegend
verändert!

Unsere Fachbezeichnungen und Inhalte im
Überblick:
Hauswirtschaft: Schwerpunkt ist Vermittlung
Fachwissen und -können.
Hauswirtschaftlich − sozialer Bereich: neue
Orientierungsansätze, Einsatz PC im Unterricht,
Methoden, soziale Verhaltensweisen
und berufsorientierende Inhalte.
Soziales (Einführung Mittelschule): neuer
Lernbereich Berufsorientierung.
Ernährung und Soziales (Lehrplan Plus): Mediale
Grundbildung und Berufsorientierung.

Im neuen Lernfeld der Berufsorientierung
steht nicht mehr das Fachwissen und -können
im Mittelpunkt. Die Ausbildungsreife
steht an übergeordneter Stelle und dafür
ist kein spezifisches Fachwissen erforderlich.
Die Nahrungszubereitung ist nur noch
Mittel zum Zweck und sollte keine Berufsvorbereitung
sein.

Soviel ist sicher: Der Schwerpunkt liegt nun
nicht mehr im Fachwissen und -können
unserer Schüler! Selbstverständlich bereiten
wir noch Nahrung zu und Essen ist im Moment
das Thema schlechthin. Essen betrifft
alle Menschen und ist eine zutiefst analoge
Angelegenheit. Wenn wir versuchen, beim
Thema „Essen und Kochen“ den Lebensbezug
herzustellen, ergibt sich die Frage: „Wie
kochen und essen junge Menschen heute?“
Die Antwort darauf ist denkbar einfach.
Rezepte werden im Netz ausgesucht, das
Handy ist der Einkaufszettel, gekocht wird
nach Anleitung im Food Blog und das
fertige Gericht wird als erbrachte Leistung
fotografiert und ins Netz gestellt. Viele Likes
bedeuten gute Leistung. Also eine komplette
Handlung mit Feedback, zum großen Teil
digital und auf eine erfrischend natürliche
Weise kompetenzorientiert!

Aber was bedeutet das für den Unterricht im
Fach Ernährung und Soziales? Was ist zeitgemäß
und für unsere Schüler von Vorteil?
Zum einen werden Fragen, die zu Beginn
einer Unterrichtseinheit je nach Thema
aufgeworfen werden, durch selbständige
Recherche der Schüler beantwortet.

• Wie vermeide ich„ Kükenschreddern“
beim Einkauf von Eiern?
(Tierwohl)
• Welche Lebensmittel sind in
Deutschland am höchsten mit
Spritzmitteln belastet und sollten
unbedingt durch „bio“ ersetzt werden?
(Verbraucherschutz)
• Welche Lebensmittel haben wenig
Kilometer zurückgelegt und warum
ist diese Information so wichtig?
(CO2-Einsparung)

Eine noch so gute Vorbereitung der
Lehrkraft könnte diese Leistung nicht erbringen,
da jede Schülergruppe im Sinne
der Partizipation andere Fragestellungen
aufwirft und nach Antworten sucht.
Zum anderen wird versucht, digitale
Hilfsmittel immer dort einzusetzen, wo
wir unterrichtlich einen Nutzen ziehen
können! Kochen müssen wir schon noch selber! Spätestens jetzt wird klar, dass der
Unterricht im Fach Ernährung und Soziales
im Lehrplan Plus und durch die Digitalisierung
neue Impulse bekommen hat.

Vermutlich besitze ich weit über 200
Kochbücher, die ich immer wieder gerne in
die Hand nehme und durchblättere. Aber
wenn ich schnell ein Rezept suche, ganz
ehrlich, nehme ich auch das Handy, wie alle
anderen. Auch mein Einkaufszettel wurde
durch eine App ersetzt, auf die alle Haushaltsmitglieder zugreifen können. Neu
erfinden brauchen wir nichts. Das normale
Leben bringt die Möglichkeiten gleich
mit! PC, Notebook, Handy − so wird heute
gekocht. Und dabei gibt es immer noch
Schulküchen ohne PC und ohne Netz!

Eine zeitgemäße Ausstattung für
eine Schulküche sieht so aus:
• WLAN
• Beamer, Dokumentenkamera und PC als Lehrerarbeitsplatz
• 4 PC-Arbeitsplätze mit Farbdrucker für Schüler
• 4 Tablets für die Arbeit in den Küchen
• Drucker mit Scanner
Parallel sollte ein PC-Raum frei sein!

Paula Niederhofer, Erschienen in der Niederbayerischen Schule 6/2019

„Wir bleiben dran, jetzt erst recht“

Die Situation der Fachlehrerinnen und Fachlehrer muss verbessert werden! Mit dieser Forderung hat sich der BLLV mit einer Petition an den Bildungsausschuss gewandt.

Die große Bedeutung der Fachlehrerinnen und Fachlehrer wird von niemandem im Bayerischen Schulsystem in Frage gestellt. Nicht nur, dass die stetig abnehmende handwerkliche Geschicklichkeit der Schülerinnen und Schüler eine große pädagogische Herausforderung ist. Die Bedeutung der Fachlehrer und Fachlehrerinnen ist auch durch die berufsorientierenden Fächer in der Mittelschule, die wachsende Bedeutung des Fachunterrichts in Zeiten der Digitalisierung und durch Heterogenität an den Schulen stark gestiegen. Die Wertschätzung für die Arbeit der Fachlehrerinnen und Fachlehrer hat sich durch zum Teil immer schwieriger werdende Rahmenbedingungen und eingeschränkte Aufstiegsmöglichkeiten jedoch weiterhin verschlechtert. Der BLLV richtete daher eine Petition an den Landtag, damit die Fachlehrerinnen und Fachlehrer Rahmenbedingungen erhalten, um der wachsenden Bedeutung des Fachunterrichts gerecht werden zu können.

 

1. Verbesserung der Arbeitsbedingungen: Begrenzung der Gruppenstärken auf 12 Schüler, Gleichsetzung der Unterrichtspflichtzeit an die jeweiligen Schularten. Derzeit werden Fachlehrkräfte an den Grund- und Mittelschulen mit 29 Stunden eingesetzt, Grundschullehrkräfte mit 28 Stunden, Mittelschullehrkräfte mit 27 Stunden.

2. Ausbau des Stellenkegels, Beförderungsämter schaffen: Die Beförderungsmöglichkeiten für Fachlehrkräfte in A11 und A12 müssen ausgebaut werden. Die Amtszulagen der Fachlehrkräfte (Fachberatungen) müssen angepasst (erhöht) werden.

3. Mehr Anrechnungsstunden für besondere Aufgaben und Anforderungen: Anrechnungsstunden z. B. bei Fachraumbetreuung, bei Einsatz an mehreren Schulhäusern, sowie bei hohem Migrations- und Inklusionsanteil im Fachunterricht sind zu gewähren.

4. Deutliche Veränderung der Ausbildungskapazitäten: Die Ausbildungskapazitäten der Staatsinstitute für die Ausbildung von Fachlehrern muss an den Bedarf und die spätere örtliche dienstliche Verwendung angepasst werden.

 

Dass hier dringend Handlungsbedarf herrscht, damit Fachlehrerinnen und Fachlehrer den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen im Fachunterricht in der Praxis weiter auf hohem Niveau begegnen können, konnte der BLLV im Dialog mit den zuständigen Vertretern im Kultusministerium bereits klarmachen.

Reaktion auf die Petition Dazu informierte das Präsidium: „(...) der Ausschuss für Unterricht und Kultus hat in seiner Sitzung am 25. September unsere BLLV-Petition zur Verbesserung der Situation der Fachlehrerinnen und Fachlehrer behandelt. (...) Die Petition ist als so genanntes ,80.3 Material‘ beschlossen worden. Dies bedeutet, dass die Inhalte und Forderungen der Petition an die Staatsregierung weitergegeben werden. Die Abgeordneten waren sich alle einig, dass jetzt etwas für die Fachlehrerinnen und Fachlehrer getan werden müsse, denn ,Fachlehrerinnen und Fachlehrer sind uns allen hier im Ausschuss wichtig!‘, wie die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, Eva Gottstein (FW), gleich zu Beginn der Behandlung feststellte. Es helfe auch nicht, formale Kriterien über die Einhaltung von Gruppengrößen im Unterricht zu diskutieren, wenn es ,in der Realität an den Schulen knirsche‘. Die Folgen solcher Probleme müssten dann die Fachlehrerinnen und Fachlehrer sowie die Schulleiterinnen und Schulleiter ausbaden. Der Ausschuss erwartet nun noch dieses Schuljahr einen ausführlichen Bericht des Kultusministeriums mit konkreten Verbesserungsvorschlägen.

Dies ist ein großer Erfolg für den BLLV, denn jetzt wird öffentlich vom Landtag anerkannt, dass hier dringend etwas für die Kollegen getan werden muss. Jetzt geht es darum, konkrete Verbesserungen für die Fachlehrerinnen und Fachlehrer zu erreichen, die im Schulalltag spürbar sind! Dieser Erfolg war jedoch nur möglich, weil unsere Fachgruppen hier eine hervorragende Arbeit geleistet haben! Wir bleiben auch weiterhin in engem Kontakt mit dem Kultusministerium und dem Landtag und geben unsere Expertise auf allen Ebenen weiter. Wir bleiben dran, jetzt erst recht!“

Die weiteren Reaktionen sind jetzt abzuwarten. In der Zeit des Lehrermangels ist es sicherlich fraglich, ob und inwieweit auf die Die Fachgruppe Ernährung und Gestaltung im Bezirk Niederbayern hat einige Anträge bei der BLLV-Landesdelegiertenversammlung im Mai 2019 in Würzburg eingebracht. Fachgruppenleiterin Marlene Lex freute sich sehr, dass die Versammlung folgende Anträge unterstützt, angenommen und bereits an die Politik herangetragen hat: Fachfremder Einsatz: Der BLLV setzt sich dafür ein, dass in den berufsorientierenden Zweigen und praktischen Fächern, ausschließlich Lehrkräfte eingesetzt werden, die zur Umsetzung der fachspezifischen Lehrplaninhalte eine methodisch, didaktische Lehrbefähigung für das zu unterrichtende Fach nachweisen. Fachberater/innen: Der BLLV setzt sich für die professionelle Betreuung unserer Kolleginnen und Kollegen durch ein detailliertes Betreuungssystem mit fachlich gut qualifizierten Fachberater/innen an jedem Schulamt, insbesondere Wirtschaft und Technik, ein. Fachberater/innen sind Funktions- und Beförderungsämter zuzuweisen. Zuweisung der Lehrerstunden/ Fachlehrerstunden: Der BLLV setzt sich dafür ein, dass bei der Zuweisung der Lehrerstunden Fachlehrerstunden eigens ausgewiesen werden (Budgetierung). Da derzeitig bei der Stundenzuweisung der Schulen die Lehrerstunden und die Fachlehrerstunden in einem Pool zusammengefasst sind, führt diese Regelung vermehrt dazu, dass Klassen für den Fachunterricht nicht mehr geteilt werden. Die dadurch eingesparten Lehrerstunden fließen z. B.in den grundlegenden Unterricht oder in die Differenzierung etc. Gruppenstärken im praktischen Unterricht: Der BLLV setzt sich für eine Begrenzung der Gruppenhöchststärken im praktischen Unterricht ein. Die Zahl der annehmbaren Arbeitsplätze (max. 16 ) sollte aus pädagogischen und sicherheitstechnischen Gründen nicht überschritten werden. Gleichsetzung der Unterrichtspflichtzeit: Der BLLV setzt sich bei der Unterrichtsverpflichtung für die Gleichbehandlung aller Lehrkräfte an allen Schularten ein. Bei Fachlehrer/innen soll die Unterrichtspflichtzeit mit der Unterrichtspflichtzeit der Lehrkräfte der jeweiligen Schulart, an der sie vorrangig unterrichten (GS-MS), gleichgesetzt werden. Begründung: FL sind in einer niedrigeren Besoldungsstufe (Vgl. GSMS- Lehrkräfte), haben aber obendrein mehr Unterrichtsverpflichtung (29). Belastend dazu häufigen Schulhauswechsel (vorrangig im ländlichen Raum – auch innerhalb von Schulverbünden) und enorme Arbeitsbelastung durch teilweise zu große Gruppenstärken. Klassen werden für den Fachunterricht oft erst ab 25 Schülern pro Klasse geteilt! Erschwerend hinzu kommt die Organisation und Durchführung der zeitintensiven Projektprüfungen an den MS. Verbesserung von Besoldung und Beförderung: Der BLLV setzt sich bei Fachlehrer/innen für Verbesserung bei der Besoldung und Beförderung ein: Schaffung von mehr A 11 Stellen und von Anhebungsmöglichkeiten für Fachberater/ innen bei besonders guter Beurteilung z.B. durch Erhöhung der Amtszulage (derzeit ca. 60 Euro monatlich). Marlene Lex (Bezirksfachgruppenleitung EG) Forderungen eingegangen wird. Die Fachgruppen der Fachlehrer EG und m/t werden sich jedoch weiterhin uneingeschränkt für die Verbesserung der Situation der Fachlehrerinnen und Fachlehrer einsetzen.

 

Veröffentlicht in der Niederbayerischen Schule 6/2019 Astrid Heber (Bezirksfachgruppenleitung m/t), Bettina Gammer (stellv. Bezirksfachgruppenleitung m/t) und Marlene Lex (Bezirksfachgruppenleitung EG)