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Künstliche Intelligenz Individuelle Förderung Differenzierung

"Allein der Wunsch nach Offenheit gegenüber der Digitalisierung bringt keinen Fortschritt in der Medienkompetenz"

Mit mehr als 200 Einzelmaßnahmen und -projekten will Bayerns Digitalministerin Judith Gerlach die Digitalisierung im Freistaat vorantreiben. Eines ihrer Hauptziele: Alle Menschen ansprechen und mitnehmen - auch diejenigen, die nicht mit Smartphone und Laptop groß geworden sind. Was genau das für die Schulen bedeutet, kommt im Digitalplan allerdings nicht vor - ein Kommentar von Birgit Dittmer-Glaubig, Leiterin der Abteilung Berufswissenschaften im BLLV.

"Staatsministerin Judith Gerlach will mit ihrem Digitalplan, Bayern fit für die Zukunft machen und dafür sorgen, dass das Land in diesem Bereich weiterhin 'an der Spitze' Deutschlands steht. Ziel soll für sie sein, dass die Menschen Technologien selbstbestimmt nutzen können sollen. Hierbei setzt sie auf lebenslanges Lernen. Was genau das für die Schulen bedeutet, kommt im Digitalplan jedoch leider nicht vor. Allein der Wunsch nach neuer Offenheit gegenüber der Digitalisierung bringt weder Fortschritte in der Medienkompetenz noch in den mediendidaktischen Prozessen. Sicher ist die interaktive App 'Wo ist Goldi?' hier ein erster und guter Schritt.

Professionelle Beziehungsarbeit in digitale Lehr-Lern-Settings integrieren

"Moderner Unterricht braucht nicht nur Tablets, sondern auch moderne Lerninhalte“ - eine Erkenntnis, die nun wirklich schon lange bekannt ist. Wie aber müssen diese Lerninhalte aussehen, welche digital geprägten Lehr-Lern-Settings bringen uns unseren Zielen näher? Wie gelingt es uns, unser Kerngeschäft, die professionelle Beziehungsarbeit, gut zu integrieren. „Aktiv auf Menschen zugehen“  - was bedeutet das im schulischen Setting? Hier haben wir Kinder und Jugendliche, die in ihrem privaten Umfeld mit der Digitalisierung aufwachsen. Wie kann es gelingen, diese Welt für eine zukunftsfähige und individuelle Bildungsbiografie jedes einzelnen Schülers, jeder einzelnen Schülerin gewinnbringend zu integrieren – diese Frage muss uns beschäftigen. In Anbetracht der unvorhersehbaren gesellschaftlichen Veränderungen wird unsere Zukunftsfähigkeit vor allem von kreativen, kommunikativen, kollaborativen und kritisch denkenden Menschen(„4K's“) abhängig sein. In dem Zusammenhang verändert sich die Lehrerrolle ebenso wie das Verständnis von Lernen.

Der Unterpunkt „digitale Bildung“ im großen Digitalplan Bayern ließe weitreichendere Inhalte und konkretere Ideen erwarten! Die Zeit der Allgemeinplätze hat ausgedient!

Der BLLV hat mit seinen Thesen zur 'Schule im Zeitalter der Digitalität' ein umfassendes Papier aufgelegt, das all diese Facetten beleuchtet und Notwendigkeiten konkret benennt."



Digitalplan Bayern: Zukunftsstrategie für unsere Heimat

Digitalministerin Judith Gerlach sieht für die Umsetzung des Digitalplans Bayern im Haushalt 2023 rund 500 Millionen vor. Zudem sollen rund 100 neue Stellen in den Ministerien geschaffen werden, um die Digitalisierung zu beschleunigen. Entwickelt wurde der Plan gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern. Mehr als 200 Verbände seien beteiligt gewesen. Zudem habe es 24 Workshops mit 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gegeben sowie über 200 Vorschläge, die über eine Online-Plattform eingereicht wurden.
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