Endlich: Schüler gestärkt, Lehrer entlastetStartseite

Erfolg des BLLV: Leistung neu denken - Ja zum pädagogischen Zeugnis!

UPDATE: Das Kultusministerium hat nach langem Kampf des BLLV Forderungen nach pädagogischen Zeugnissen für die Grundschule umgesetzt! "Endlich Entlastung für Kinder und Lehrkräfte", sagt Simone Fleischmann. "Wir müssen Leistung weiter neu denken!"

UPDATE 10.09.2020: Kultusministerium setzt um

In einer Pressemitteilung hat das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus die Zahl der Proben für den Übertritt in der 4. Klasse von 22 auf 18 reduziert, schlankere Zeugnisse mit individueller pädagogischer Schwerpunktsetzung durch Lehrkräfte und mehr Lernentwicklungsgespräche in den Klassen 1-3 vorgesehen.
>> Zur Pressemitteilung des Kultusministeriums


Damit hat das Kultusministerium endlich langjährigen Forderungen des BLLV entsprochen, um Kinder und Lehrkräfte zu stärken und zu entlasten. "Pädagogische Zeugnisse, die alle verstehen - das war schon lange die BLLV-Forderung", kommentiert Simone Fleischmann die heutige Entscheidung. "Traurig genug, dass erst Corona kommen musste, damit das festgefahrene Konzept von Leistung und 'Learning to the test' in Frage gestellt wird", so die BLLV-Präsidentin weiter. "Die jetzigen Änderungen sind ein erster Baustein für unser Konzept, Leistung komplett neu zu denken."

Individuelle, prozessorientierte Leistungsrückmeldung für eine optimale Förderung jedes einzelnen gemäß seiner Potenziale - das sieht der BLLV im Sinne seines Ideals einer ganzheitlichen Bildung als entscheidend an, um junge Menschen in ihrer Entwicklung bestmöglich zu begleiten und bestärken. Die Entlastung der Jüngsten sollte daher als Aufbruch genutzt werden, findet Simone Fleischmann: "Das ist ein Signal auch für die Zeugnisse der Mittelschule. Der BLLV bleibt hier weiter dran!", verspricht sie.


URSPRÜNGLICHE MELDUNG: DIE FORDERUNGEN DES BLLV

Die jüngsten Herausforderungen für unsere Schulen in Zeiten von Corona und Lehrermangel machen es mehr denn je notwendig, ein modernes Verständnis von Leistung und eine angemessene Form der Leistungsrückmeldung umzusetzen.

Haben sich doch Viele gefragt: wofür ist Schule eigentlich da? Wie: man schreibt keine Schulaufgaben! Man kann nicht sitzenbleiben! Man kann nicht abgeschult werden! Wofür lernen wir dann eigentlich? Wenn es gar keine Note gibt, dann muss ich doch auch nicht lernen. Diese Fragen treiben uns seit Corona um. Diese Fragen schreien nach Antworten.

Eines ist klar: eine moderne Schule zeichnet sich durch individuelle Lernbegleitung und motivierende und passgenaue Rückmeldung aus. Dazu benötigt es ein Leistungsverständnis, das auf einem realistischen Selbstbild basiert und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit zulässt, sodass Lernfreude entwickelt und gefördert werden kann. Einen solchen Leistungsbegriff beschreibt das Positionspapier „Leistung im 21. Jahrhundert“, das auf der Landesdelegiertenversammlung 2019 verabschiedet wurde. Dem BLLV war es schon immer wichtig, dass der  einzelnen Schüler und die einzelne Schülerin ins Zentrum von Leistungsrückmeldungen tritt.

 „Ein pädagogisches Leistungsverständnis an unseren Schulen muss etabliert werden“, so BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Viele Kolleginnen und Kollegen fragten sich schon immer: warum müssen eigentlich diese Zeugnisse so aussehen, wie sie aussehen? Warum muss ich den Platz füllen? Warum muss ich was beschreiben, was ich gar nicht als Kompetenzbereich in diesem Schuljahr unterrichtet habe? Warum muss ich eigentlich so viel schreiben? Warum muss ich die Note noch mal in Kompetenzbeschreibungen umsetzen? Warum ist das Zeugnis überhaupt zu lang? Warum schreiben wir eigentlich in der Grundschule so viel, wenn doch nur die Noten interessieren? Und: es verstehen doch so viele Eltern gar nicht, was wir schreiben. Und die Schüler schon gleich gar nicht!

Blick auf individualisierte Leistung notwendig

Während der Corona-Krise zeigt sich vor diesem Hintergrund: Es geht auch anders als bisher. Auch bei den Zeugnissen, auch beim Übertrittszeugnis. Vieles, was bislang als unmöglich oder unveränderbar galt, relativiert sich plötzlich. Die Persönlichkeits- und Sozialkompetenzentwicklung bekommt einen ganz anderen Stellenwert, Noten und Prüfungskultur werden überdacht. Die Änderungen beim Übertritt und beim Übertrittszeugnis waren in der Krise ein erster Schritt in die richtige Richtung. Der BLLV begrüßte dies damals als sinnvolle und pragmatische Entscheidung innerhalb des derzeitigen Systems (Kommentar „Änderungen beim Übertritt“). Diese Änderungen sollten den Weg für die Zukunft weisen, der heißt: mehr Zeit und Raum für die schulische Kernarbeit.

Musste uns eine Krise, wie Corona, erst wie im Brennglas zeigen, dass Zeugnisse eigentlich anders sein müssten?

Fest steht:  jedes einzelne Kind muss mit seinen Fähigkeiten und Kompetenzen mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Auf Grundlage eines ganzheitlichen, auf Individualität und Selbstkompetenz basierenden modernen Leistungsverständnisses. Für diesen Blick auf die individualisierte Leistung braucht es vor allem: Zeit. Zeit, um Leistung zu zeigen, Zeit um Leistung zu diagnostizieren. Zeit für Bildung. Zentrale Aufgabe von Schule und Bildung ist es, Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft jedes einzelnen Schülers zu stärken. Simone Fleischmann: „Das wollen die Lehrerinnen und Lehrer, doch auch sie sind bislang an systemische Zwänge gebunden. Und das in einer Zeit, in der die Corona-Pandemie eine weitere Krise verschärfen wird: den Lehrermangel.“

Entlastungen müssen umgesetzt werden: Jetzt!

Noch vor den Schulschließungen im März 2020 hatte der BLLV vor diesem Hintergrund gefordert die Zeugnisse zu verändern. „Für die Kolleginnen und Kollegen geht das Verfassen der Zeugnisse mit einem großen Aufwand einher. Sie brauchen dafür viel Zeit - Zeit, die sie angesichts der derzeitigen personellen Situation nicht mehr haben. Jetzt stellt sich die Effizienzfrage. Die Lehrerinnen und Lehrer arbeiten am Limit“, so die BLLV-Präsidentin im Februar 2020.

Klar ist: Lehrerinnen und Lehrer wollen den Schülerinnen und Schülern das Feedback geben, das ihnen hilft. Sie wollen den Eltern die Rückmeldung für ihr Kind geben, das sie brauchen. Klar ist aber auch: derzeit ist das nicht mehr leistbar. Diese Forderung ist der Not geschuldet. Einer Not, die die Lehrkräfte nicht verschuldet haben, sondern die Politik. Die Herausforderungen und Belastungen der Lehrerinnen und Lehrer sind seit Anfang des Jahres jedoch nicht gesunken, sondern gestiegen.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann: „Wir brauchen jetzt dringend Arbeitserleichterungen für die Kolleginnen und Kollegen. Wir brauchen Entlastungen, was den immensen zeitlichen Aufwand bei den Zeugnissen angeht. Denn aus Corona lernen heißt: Leistung neu denken.Zeugnisse jetzt ändern. Pädagogische Zeugnisse: ja! Entlastung ist gefragt! Dieses Signal an die Kolleginnen und Kollegen erwarten wir von der Politik."

Weitere Informationen

Pressemitteilung: BLLV fordert Entlastungen beim Zeugnis

Pressemitteilung: BLLV fordert: Schule muss zum Kind passen

Diskussionsrunde: Es ist Zeit, Leistung neu zu definieren

Für Lernfreude, Wertschätzung und Transparenz: Leistung als Erfolg individueller Lernprozesse verstehen

Gelerntes nicht verlernen - Altes aufbrechen: BLLV-Thesen zum Ende des Schuljahres 2019/2020

Kommentar: Änderungen beim Übertritt

Leistungsbegriff: LEISTUNG IM 21. Jahrhundert

Landesdelegiertenversammlung 2019: BLLV fordert ganzheitliche Bildung

BLLV-Themenseite: Grundschule

Am: 10.09.2020