Neues Fach "Islamischer Unterricht" beschlossen 07.07.2021 Startseite TopmeldungDiversitätArbeitsbedingungenBildungsgerechtigkeitLehrerbildung

Folgerichtig und längst überfällig

Mit dem Islamischen Unterricht wird eine langjährige Forderung des BLLV umgesetzt. Endlich wird den muslimischen Schülerinnen und Schülern in Bayern ein Fach angeboten, in dem sie sich mit ihrer Religion in der Schule auseinandersetzen können.

Der Modellversuch hat sich als Erfolg erwiesen. Folgerichtig und längst überfällig aus Sicht des BLLV, ist deswegen die Entscheidung des Bayerischen Landtages, ihn diese Woche in ein Fach zu überführen.

Schon 1999 forderte der BLLV die Einführung eines staatlichen Islamunterrichts. Konsequenterweise begleitete der BLLV auch die Ausarbeitung des Modellversuchs und des „Erlanger Modells“ Anfang der 2000er Jahre eng. Eine große Stärke des Modellversuchs: Die Beteiligungsmöglichkeiten der muslimischen Community. Dies war für den Erfolg des Modellversuchs nach Einschätzung des Verbands ein wesentlicher Faktor.

Über weitere Beteiligungsmöglichkeiten der muslimischen Community nachdenken

Auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann hatte dies immer wieder betont und deswegen gefordert, dass das Wahlpflichtfach sich hier möglichst am Modellversuch orientieren sollte. „Der Modellversuch wird dort, wo er angeboten wird, auch sehr gut angenommen. Deswegen wünschen wir uns im BLLV eine Umsetzung, die möglichst nah an diesem Versuch bleibt“, forderte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann noch im Dezember letzten Jahres.

Dass nun zwei Vertreterinnen und Vertreter des Wissenschaftlichen Beirats des Departments Islamisch-Religiöse Studien der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (DIRS) in die Ausgestaltung des Faches eingebunden werden, ist ein richtiges Signal der Staatsregierung: Man hat verstanden, dass eine Beteiligung wichtig für die Akzeptanz und Qualität des Faches ist. Es sollte jedoch über weitere Möglichkeiten der Beteiligung nachgedacht werden.

Religiöser Radikalisierung vorbeugen

Eine Zielsetzung dieses Faches muss auch sein: religiöser Radikalisierung vorbeugen. Der bildungspolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Gerhard Waschler, drückte es in der Debatte im Bayerischen Landtag am 6. Juli 2021 wie folgt aus: „dieser Gesetzentwurf (bietet) eine hervorragende Möglichkeit (…) nicht durch irgendwie radikalisierte Imame eine Unterweisung der jungen Menschen vorzunehmen.“ Dies gilt aus Sicht des BLLVs nicht nur für den Islam, sondern für alle Religionen.

Schülerinnen und Schüler sollen sich in der Institution Schule mit ihrer eigenen sowie mit anderen Religionen auseinandersetzen können, angeleitet von dafür ausgebildeten Lehrkräften. „Als Gesellschaft müssen wir doch den Anspruch haben, dass wir die religiöse Entwicklung mit gut ausgebildeten Lehrkräften begleiten und die Auseinandersetzung mit der eigenen Religion nicht als Staat aus der Hand geben“, so BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann.

Lehrermangel zeichnet sich bereits jetzt ab

Doch liegt genau hier noch ein Problem: Die aktuell im Modellversuch eingesetzten Lehrkräfte bekommen zwar endlich die vom BLLV schon lange eingeforderte Entfristung. Allein diese wird jedoch nicht reichen, um den Bedarf zu decken. Aktuell unterrichten ca. 100 Lehrkräfte um die 16.000 Schülerinnen und Schüler. Wenn man den Anspruch ernst nimmt und eine hohe Akzeptanz in der muslimischen Community anstrebt, dann wird deutlich: Ein Großteil der 163.000 muslimischen Schülerinnen und Schüler wird vorerst den Unterricht nicht besuchen können.

Durch die unsicheren Arbeitsbedingungen des Modellversuchs haben sich einige in Bayern ausgebildete Lehrkräfte für andere Bundesländer entschieden. Dieser vom BLLV wiederholt kritisierte Umstand führt jetzt dazu, dass es einen Mangel an Lehrkräften bereits vor Einführung des Fachs geben wird. Hier ist es nach Ansicht Fleischmanns an der Staatsregierung zu handeln: „Wir brauchen neue Planstellen und einen zweiten Ausbildungsstandort. Nur dann kann der Anspruch, das Fach bedarfsgerecht anzubieten, wirklich umgesetzt werden.“

Wichtiger Erfolg für die muslimischen Kinder und Jugendlichen in Bayern

Diese von der BLLV-Präsidentin geäußerten Forderungen zeigen: Das Thema Islamunterricht ist für den BLLV mit Einführung des „Islamischen Unterrichts“ als Wahlpflichtfach nicht erledigt. Der Islamische Unterricht ist weiter intensiv zu begleiten. Simone Fleischmann: „Aus Sicht des BLLV ist dies ein Zwischenschritt hin auf dem Weg zum vollwertigen Religionsunterricht. Aber ein sehr wichtiger Zwischenschritt für die muslimischen Kinder und Jugendlichen in Bayern. Darüber freuen wir uns sehr!“

>> Zum Statement von BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann: "Welch ein Erfolg"