Forum Lesen: Buchtipps im Januar 27.01.2021 Startseite kleinDiversitätLesenMenschenrechteBeziehungWertebildung

Gemeinsam stark

Wie es eine Klasse schafft, trotz großer individueller Unterschiede zu einer starken Gemeinschaft zu wachsen und wieso Kay so oft so wütend und gewalttätig ist, schildern die Buchtipps im Januar.

Parole Teetee

Von Antje Herden

Illustriert von Maja Bohn

 

  • Verlag: Tulipan
  • Seiten: 206
  • ISBN: 978-3-866429-483-9
  • Preis: 13 Euro
  • Altersempfehlung: ab 9 Jahren

Als die nette alte Dame Teetee plötzlich verschwunden ist, machen sich einige Kinder der vierten Klasse auf die Suche nach ihr. Dabei wachsen sie zu einer starken Gemeinschaft zusammen, jeder steht für den anderen ein, obwohl sie doch sehr unterschiedlich sind und jeder seine Probleme hat.

Das Kinderbuch bietet nicht nur spannende Unterhaltung, sondern gibt auch Einblicke in die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Charaktere von Kindern. Unbedingt empfehlenswert!

Inhalt                     

Alle Kinder der 4. Klasse kennen die alte Dame Teetee mit ihrer, wie sie glauben, magischen Tasche. Als sie merken, dass Teetee verschwunden ist, verschwunden ist, beschließen sechs Kinder gemeinsam, sie zu suchen. Sie sind alle sehr unterschiedlich und jedes hat seine Probleme. Nun aber heißt es zusammenhalten. Bei ihrer Suche hilft ihnen auch Herr Mansur, der einen kleinen Laden besitzt. Diesen machen sie zu ihrer Kommandozentrale. Gemeinsam schaffen sie es, Teetee wiederzufinden und den Plan ihres Sohnes zu vereiteln. Dieser will sie nämlich aus der Villa, in der sie wohnt, herausbekommen. Und bei ihrer Suche lernen sich die Kinder nicht nur besser kennen, sondern sie wachsen zusammen und werden Freunde.

Bewertung

Im ersten Kapitel werden die Hauptpersonen der Geschichte genau beschrieben. Zum einen wird Teetee vorgestellt, so wie die Kinder sie sehen und erleben. Aber auch die sechs Viertklässler lernt der Leser kennen mit all ihren Stärken und Schwächen. Lena zum Beispiel liest für ihr Leben gern, hier erlebt sie Abenteuer und lernt eine Menge. Sie hat aber keine Freunde. Bene ist sehr gut in allem, was er tut. Aber er hasst es wegen seines Vaters. Cosmo und Stulle sind Freunde, ebenso wie Sara und Saha, aber auch diese vier haben Probleme mit sich und anderen.

Durch das Verschwinden von Teetee, das nur ihnen auffällt, werden sie zu einem Team. Gemeinsam entwickeln sie Ideen und Lösungsvorschläge, um die alte Dame zu finden. Sie unternehmen waghalsige Rettungsmanöver und unterstützen sich hier gegenseitig. Miteinander entwickeln sie sich weiter, werden selbstbewusster und können sich aufeinander verlassen.

Die Geschichte liest sich kindgerecht und spannend, faszinierend ist die Mischung aus Realität, Menschenkenntnis und Fantasie.

Dieses Kinderbuch bietet mehr als nur einen spannenden Kriminalfall für Kinder. Es zeigt auch auf, wie unterschiedlich diese sein können und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben. Unbedingt empfehlenswert.  

Schlägerherz

Von Jutta Nymphius

Illustrationen:Barbara Jung

 

  • Verlag: Tulipan
  • Seiten: 117
  • ISBN: 978-3-86429-440-2
  • Preis: 13 Euro
  • Altersempfehlung: ab 9 Jahren

Der zehnjährige Kay wird von seinem Vater misshandelt. Seine Wut darüber lässt er an anderen Kindern aus. Als er sich um Greta kümmern soll, welche das Down Syndrom hat, gewinnt sie mit ihrer ehrlichen, direkten und unverblümten Art nach und nach sein Herz. Durch sie findet Kay den Mut und die Kraft, sein Verhalten zu ändern.

Aus dem Blickwinkel des Täters werden hier seine Beweggründe nach und nach deutlich. Kindgemäß, nachvollziehbar und sehr eindrücklich werden die Ursachen für Kays Gewalt- und Wutausbrüche beleuchtet. Ohne moralisch erhobenen Zeigefinger wird dem Leser am Bespiel von Greta bewusst, was Kay braucht, um sich aus der Spirale der Gewalt zu lösen. Sehr empfehlenswert!

Inhalt                     

Seit sein Vater seine Arbeit verloren hat und deshalb zum Trinker geworden ist, hat sich das Leben des zehnjährige Kay verändert. Sein Vater schlägt ihn, die Mutter ist hilflos und selbst Opfer ihres Mannes. In Kay staut sich immer mehr Wut an. Diese lässt er an einer Erstklässlerin aus und tut ihr bewusst weh. Auch in der Schule hat sich sein Verhalten verändert, er zieht sich zurück, seine Leistungen verschlechtern sich und er hat keine Freunde mehr, außer Sven, der auch massive Verhaltensprobleme hat.

Um keinen Verweis zu erhalten, soll sich Kay nun um Greta kümmern, die neu in seine Klasse gekommen ist. Greta ist anders als andere Kinder. Unbekümmert und fröhlich geht sie auf Kay zu. Zunächst ist er von ihr genervt, aber dann erobert sie mit ihrer offenen Art nach und nach sein Herz. Sie steht zu ihm, mag ihn und vertraut ihm. Kay verändert sich zunehmend. Am Ende entscheidet sich der Junge klar für Greta und beschützt sie vor Sven. Auch seine häusliche Situation ändert sich. Als sein Vater wieder einmal tobt und auf ihn losgeht, bekommt Greta dies mit und klingelt Sturm. Nun endlich ruft seine Mutter die Polizei. Der Vater wird von ihr mitgenommen und das Jugendamt kümmert sich nun aktiv um die beiden.

Bewertung

Ein zehnjähriger Junge wird gewalttätig, verliert seine Freunde, verliert das Interesse an der Schule. Aber niemand greift ein, niemand sieht seine Not und versucht, die Gründe dafür zu erfahren. Die Mutter ist hoffnungslos überfordert und selbst Opfer. Auch die Lehrer unternehmen nichts. Zwar sehen sie, dass sich Kay verändert, die meisten haben jedoch aufgegeben und ignorieren sein Verhalten. Erst Greta, die das Down Syndrom hat, gelingt es durch ihre offene, unbekümmerte Art und ihre Lebensfreude zu Kay vorzudringen. Greta nimmt Kay unvoreingenommen an und zeigt ihm, dass sie ihn mag. Sie schafft es, dass er zu ihr eine freundschaftliche Beziehung aufbaut und seine Rolle als Buddy ernst nimmt.

Viele der angesprochenen Themen wie Anders sein, Gewalt in der Familie, Alkoholprobleme werden nicht direkt angesprochen, sondern dem Leser zwischen den Zeilen vermittelt.

Das Kinderbuch bietet viel Gesprächsstoffs zu aktuellen, wichtigen und schwierigen Themen. Es ist aber sicherlich keine leichte Lektüre für Kinder. Bereits die erste Szene, in der Kay der kleinen Paulina mit Absicht weh tut und sich dabei noch gut fühlt, erschüttert und verlangt dem Leser viel ab. Deshalb ist es ratsam, das Buch gemeinsam mit einer Klasse zu lesen.

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