Bild: Saskia Straße von Ridder (links) und Claudia Rieß (rechts) setzen sich mit ihrer gesammelten beruflichen Expertise dafür ein, dass Frauen fit und gelassen durch die Wechseljahre kommen.
Bild: Saskia Straße von Ridder (links) und Claudia Rieß (rechts) setzen sich mit ihrer gesammelten beruflichen Expertise dafür ein, dass Frauen fit und gelassen durch die Wechseljahre kommen.
Herausforderung Wechseljahre im Arbeitsalltag Themen
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Niemand muss sich durchquälen: Viele Symptome sind behandelbar

Viele Lehrerinnen kämpfen mit der Umstellung der Menopause. Oftmals wirkt sich das auch negativ auf ihren Arbeitsalltag aus. Die Menopausen-Expertinnen Claudia Rieß und Saskia Straße von Ridder geben Anregungen, wie sich die Lebensqualität verbessern lässt.

Als Referentinnen der BLLV-Akademie werfen Ernährungsberaterin Claudia Rieß und die Heilpraktikerin für ganzheitliche Frauenheilkunde, Saskia Straße von Ridder, einen ganzheitlichen Blick auf die Phase der Wechseljahre. Zusammen wollen sie das Thema aus der Tabuecke holen.

BLLV-Akademie: Was hat Euch beide persönlich überrascht, als Ihr Euch intensiver mit den Wechseljahren beschäftigt habt?

Claudia Rieß: Dass so wenig Wissen unter Frauen verbreitet ist, einerseits. Noch mehr überrascht hat mich jedoch, wie selten offen darüber gesprochen wird. Selbst unter Freundinnen, Kolleginnen oder in der eigenen Familie bleibt das Thema oft tabu. Viele Frauen erleben diese Lebensphase still du häufig mit dem Gefühl, „sich nicht so anstellen zu dürfen“. Dabei zeigen aktuelle Studien klar: Der Bedarf an Austausch ist groß – aber die Gesprächsräume fehlen und oft auch eine offene Gesprächskultur.

Saskia Straße von Ridder: Aus meiner Praxis weiß ich natürlich, wie groß das Thema Wechseljahre wirklich ist. Hier kommen Frauen, um sich zu informieren und um endlich einen Raum und eine Möglichkeit zu haben, sich anzuvertrauen. Überraschend ist aber auch hier, dass nicht viel Wissen rund um die Wechseljahre da ist und die unterschiedlichen mentalen und körperlichen Beschwerden oft gar nicht mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht werden.

Zur Person: Claudia Rieß

Ernährung ganzheitlich gedacht: Claudia Rieß ist zertifizierte Ernährungsberaterin und seit 20 Jahren Journalistin, Kolumnistin und Autorin mit Schwerpunkt Gesundheit, unter anderem für die Apotheken Umschau, Focus Gesundheit und die Stiftung Warentest. Zusammen mit Saskia Straße von Ridder ist sie Autorin des Ratgebers „Guide durch die Wechseljahre“ – das Buch ist im Münchner Riva Verlag erschienen und bietet ganzheitliche Lösungen für die vielfältigen Beschwerden der Wechseljahre an: www.guide-durch-die-wechseljahre.de

Zur Person: Saskia Straße von Ridder

Begleitet Frauen durch alle hormonellen Phasen des Lebens: Saskia Straße von Ridder ist Heilpraktikerin für ganzheitliche Frauenheilkunde. In ihrer Münchner Praxis behandelt und berät sie Frauen schwerpunktmäßig bei zyklischen und hormonellen Themen. 

Welche Mythen über Hormone und Wechseljahre begegnen Euch immer wieder – und was stimmt wirklich?

Saskia Straße von Ridder: Ganz klar: Wechseljahre sind ja „nur“ Hitzewallungen und „das sei ja alles psychisch“. Dabei können hormonelle Veränderungen viele körperliche und mentale Prozesse beeinflussen: das Herz-Kreislaufsystem - Herzstolpern kommt häufiger vor -, Muskel- und Gelenkschmerzen, Veränderungen des Stoffwechsels, Migräne, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, trockene Schleimhäute.

Claudia Rieß: Ein weiterer Mythos: „Da muss man einfach durch.“ Nein – viele Symptome sind behandelbar, und Lebensqualität lässt sich selbst aktiv verbessern. Das nötige Wissen und viel Selbstfürsorge können schon eine Menge bewirken. Vor allem mit Ernährung, aber auch Bewegung und Stressreduktion lassen sich viele Stellschrauben drehen, ohne dass man seinen Alltag groß verändern muss.

Warum wird die Lebensphase Wechseljahre im Berufsalltag von Lehrerinnen noch so selten thematisiert – obwohl so viele betroffen sind?

Saskia Straße von Ridder: Weil Menopause noch immer mit Scham, Alter und vermeintlicher Schwäche verknüpft wird. In einem Beruf, der Belastbarkeit und Präsenz verlangt, fällt es vielen schwer, offen über Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme zu sprechen. Eine offene und wertschätzende Kultur, die diese Themen und die vielen Frauen in diesem so wichtigen Beruf ernst nimmt, ohne zu stigmatisieren, wäre äußerst hilfreich.

Viele Lehrerinnen berichten von mentaler Erschöpfung. Was sind aus Eurer Sicht realistische und alltagstaugliche Unterstützungsansätze? Ganz konkret bitte!

Claudia Rieß: Ganz praktisch und umsetzbar wären zum Beispiel: Flexible Stundenplanung, wo möglich – etwa Entlastung in besonders belastenden Phasen. Ruheräume oder Rückzugsmöglichkeiten im Schulalltag. Austauschformate und Workshops für betroffene Kolleginnen. Zugang zu betrieblicher Gesundheitsberatung, zum Beispiel zur Verbesserung der Schlafqualität, dem Umgang mit Stress oder Informationen zum eigenen Hormonhaushalt.
Kleine Alltagshebel – was jede Lehrerin selbst tun kann: Für eine in Stresssituationen ausgleichende Ernährung sorgen; kurze Pause für Mini-Entspannung nutzen, zum Beispiel Atemübungen; Gleichgesinnte suchen und Netzwerke zur gegenseitigen Unterstützung bilden, wo möglich. Wechselkleidung bereithalten bei Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Und ganz wichtig: weniger Perfektionsdruck.

Zum Thema Gesprächskultur im Kollegium: Wie offen sollte – oder darf – über Wechseljahre im schulischen Umfeld gesprochen werden? Wo seht Ihr Chancen, wo Grenzen?

Saskia Straße von Ridder: Offenheit sollte freiwillig sein – nicht verpflichtend. Jede Frau entscheidet selbst, wie viel sie teilen möchte. Chancen liegen darin, Verständnis zu fördern, Solidarität zu stärken und gesundheitliche Themen aus der Tabuzone zu holen. Ziel ist es ja nicht, alles öffentlich zu machen, sondern einen Rahmen zu schaffen, in dem Offenheit möglich ist, ohne dass es für die Frauen zum Nachteil wird.


Online-Seminar Claudia Rieß & Saskia Straße von Ridder

Wechseljahre im Lehrerinnenalltag - Dienstag, 19.5.2026 (2026D/19)

Fit und gelassen durch die Wechseljahre! In diesem Seminar zum Thema Wechseljahre bekommen Sie das nötige Wissen und wertvolle Unterstützung, um auch im Schulalltag gut durch die Menopause zu kommen. ... weiterlesen

Blick nach vorn: Wenn Ihr Euch für Lehrerinnen in den Wechseljahren eine Veränderung wünschen dürftet – im Gesundheitswesen, im Schulalltag oder in der öffentlichen Wahrnehmung – welche wäre das?

Claudia Rieß: Ich wünsche mir vor allem eines: Anerkennung. Dass die Menopause als normale, aber ernstzunehmende Lebensphase gesehen wird – medizinisch, gesellschaftlich und beruflich. Und dass die Frauen in dieser Phase nicht belächelt werden, sondern respektiert. Denn Lehrerinnen in den Wechseljahren sind vor allem eins: erfahren, kompetent, belastbar. Sie verdienen Unterstützung, nicht Schweigen.

Saskia Straße von Ridder: Aus meiner Erfahrung mit Patientinnen, die Lehrerinnen sind, weiß ich auch, mit wie viel Engagement sie ihren Beruf ausüben. Immer für andere da, immer der Fokus auf den Schüler*innen. Den Lehrerinnen und ihren Bedürfnissen mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung entgegenzubringen wäre wunderbar. Mit Hilfestellungen im Schulalltag und gezielten Angeboten könnten viele Lehrerinnen ihren Job ab 40+ noch viele Jahre gestärkter und zufriedener ausüben.