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Noch ein Tag Schule: Und alles ist viel schlimmer als gedacht!

"STAATSVERSAGEN" – UPDATE MIT MEDIENBERICHTEN – Im aktuellen Statement prangert Simone Fleischmann an, dass Schulen vom KM aufgefordert werden, auf Minimal-Niveau für das kommende Schuljahr zu planen. Den Unmut werden wieder Lehrkräfte ausbaden müssen.

28.07.2022 Von: Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV

"Schon vor zwei Wochen warnte der BLLV davor: Das Konzept des „Fahrens auf Sicht“ geht nicht auf. Wir forderten deswegen den Ministerpräsidenten höchstpersönlich auf, Bildung jetzt endlich zur Chefsache zu machen! Der Lehrermangel, die Integration der ukrainischen Flüchtlinge, die Corona-Maßnahmen und jetzt auch noch die Energiekrise schlagen an den Schulen nun noch extremer zu, als wir uns dies alle zusammen je vorstellen konnten!

Das Kultusministerium fordert jetzt alle Schulen auf, minimal zu planen, also nur noch das anzubieten, was scheinbar unbedingt notwendig ist. Die vor Ort Verantwortlichen für die Grund-, Mittel- und Förderschulen sollen es nun richten: „Regional spezifisches Ausbalancieren von angespannten Personallagen“ nennt man das dann im Kultusministerium.

Wir sagen dazu: Es kann doch nicht sein, dass die Karre wieder mal vor Ort aus dem Dreck gezogen werden muss!

Bei dieser Milchmädchenrechnung spielt der BLLV nicht mit

Wenn man das schulische Angebot für nächstes Schuljahr auf ein Minimum reduziert, dann setzt man sich minimale Ziele, die man dann natürlich auch maximal erreichen kann. Bei dieser Milchmädchenrechnung spielt der BLLV nicht mit. Wir ahnen es jetzt schon, dass der Kultusminister dann zum Start des neuen Schuljahres sagt: Wir starten mit einer soliden Grundversorgung und haben die Lage im Griff.

Was der Minister aber nicht tun muss, müssen die Verantwortlichen vor Ort tun: Sie erläutern den Kindern und Jugendlichen, den Eltern, den Lehrerinnen und Lehrern und allen an Schule interessierten Bürgerinnen und Bürgern, was eigentlich gerade los ist. Warum werden so große Klassen gebildet? Warum gibt es keine Arbeitsgemeinschaften mehr? Wo sind die Förderangebote? Warum gibt es keine Förderung in differenzierten Lerngruppen, wie z.B. in Englisch? Warum sind die ukrainischen Kinder jetzt doch nicht in einer eigenen Klasse? Warum unterrichten hier Menschen meine Kinder, die gar keine Lehrkräfte sind? Bis jetzt gab es kleinere Klassen für Kinder mit Migrationshintergrund: Warum gibt es das nicht auch in Zukunft? Warum sind Kunst, Musik und Sport nicht so wichtig wie Deutsch und Mathematik? Wie sollen Kinder praktische Lernerfahrungen machen, wenn 29 von ihnen in ein Klassenzimmer gepfercht und keine Lerngruppen gebildet werden?

Wir fahren an die Wand

All diese Fragen zeigen, dass sich die politisch Verantwortlichen keinerlei Gedanken darüber machen, was Schule eigentlich leisten soll. Was bräuchten Kinder und Jugendliche in diesen Zeiten denn eigentlich?

Klar, man kann dieses Delegieren von Problemen an die Schulen ganz chic auch als das Gewähren von dezentraler Entscheidungskompetenz bezeichnen. Ehrlich wäre es aber, wenn man endlich mal offen sagt: Das Konzept des ständig propagierten Fahrens auf Sicht geht nicht auf. Wir fahren nämlich ohne Ziel nirgendwo hin – sondern schlichtweg an die Wand!

Die politisch Verantwortlichen müssen dies nun offen benennen – deren salbungsvolle Worte gepaart mit der Hoffnung, dass die Kolleginnen und Kollegen ohne Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit das vor Ort schon irgendwie hinbekommen, weil sie es schon immer für die Schülerinnen und Schüler getan haben, ist keine Lösung, sondern ein weiterer Beleg für das Durchwurschteln in der bayerischen Bildungspolitik!"
 

Medienberichte

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Wortlaut:

  • "Wir als Lehrerinnen und Lehrer sind in die Ferien gestartet. Wir starten normalerweise immer auch mit einem guten Gefühl. Nichts von dem ist da: Wir wissen nicht, wie die Klassen nächstes Jahr sein werden. Werden sie zusammengelegt? Werden sie groß sein? werden wir Stunden nicht mehr halten können von der regulären Stundentafel? Was machen wir mit den Kindern aus der Ukraine, die ankommen? Wir machen uns große Sorgen. Die Schulleiterinnen und Schulleiter, die Schulämter und die Regierungen sind alles andere als in Ferien. Die sollen es nämlich jetzt richten."

  • "Jetzt haben wir scheinbar genug Geld. Aber Geld gibt nun mal keinen Förderunterricht und Geld ist kein Mensch. Wir finden die Menschen nicht, und das kann man nicht mehr kaschieren."

  • "Ich habe ein bisschen Not, weil wir eigentlich von der Staatsregierung Ehrlichkeit gefordert haben. Und jetzt sollte so ein bisschen das Deckmäntelchen der Verschwiegenheit draufgelegt werden. Das geht doch nicht. Wenn die Eltern dann merken: 'Ja, Moment mal, da gibt's keinen Förderunterricht?! Ja, wie, da wird Musik gestrichen?! Was, mein Kind hockt jetzt in einer Klasse mit 33?! Ja, wo ist denn die Lehrerin?!?' Antwort: 'Nein, wir haben keine, wir nehmen irgendjemanden.' Das kann nicht sein!"


BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Wortlaut: 

  • "Wir sollen es vor Ort ausbalancieren. Das ist die neue politische Gangart. Und ich sage Ihnen ganz ehrlich: Wir wollten immer die eigenverantwortliche Schule, aber die haben wir jetzt nicht, sondern jetzt müssen wir die Karre aus dem Dreck ziehen vor Ort. Und das ist eigentlich ein Staatsversagen, wenn ich das mal so formulieren darf."

Michael Hoderlein-Rein, Rektor der Grundschule Berg-am-Laim und 3. Vorsitzender des Münchner Lehrer- und Lehrerinnen Verbands MLLV:

  • "Es tut weh im Nachgang der Pandemie, dass wir nicht in der Lage sind, den Kindern das anzubieten, was sie dringend bräuchten: Grundlegende Bildung! Das heißt: die Absicherung des pflichtgemäßen Unterrichts und darüber hinaus ein Bildungsangebot machen zu können, das Arbeitsgemeinschaften umfasst, das Förderunterricht Deutsch umfasst, das Vorkurse Deutsch umfasst.“


BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Wortlaut:

  • "Jedes Konzept ist nur so gut, wie wir es vor Ort an den Schulen umsetzen können. Und da muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen da wird uns angst und bang. Wir haben nicht genügend Lehrer, wir haben kein zusätzliches Personal. Wir wissen nicht, wie wir die Klassen bilden sollen."
     

Aus dem Brief der Klasse 2a der Grunschule St. Lambert an Kultusminister Piazolo:

  • "Lieber Herr Piazolo, wir sind alle sehr traurig. Können Sie uns bitte eine Lehrerin geben? Sonst wird unsere Klasse aufgeteilt und wir sind alle so dicke Freunde."

Kertin Rehm, Vorsitzende des BLLV-Kreisverbands Freising im Wortlaut:

  • "Wir können die Stundentafel der Kinder nicht mehr halten. Wenn wir keine Lehrkräfte haben und nie für Nachwuchs gesorgt wurde, dann ist das nicht zu leisten"
     
  • "Wir stopfen ein Loch und reißen woanders eins auf. Wir haben keinen Lehrermangel mehr, wir haben Lehrernotstand."
     
  • "Wir brauchen einen Paradigmenwechsel. Der Blickwinkel muss wieder auf das Wesentliche gelenkt werden."

BLLV Vizepräsident Tomi Neckov im Wortlaut:

  • "An Bayerns Grund- und Mittelschulen brennt es lichterloh und keiner weiß mehr, wie es im nächsten Schuljahr weitergehen soll"
     
  • "Bildung muss endlich Chefsache werden"



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