Kommentar zur bayerischen Teststrategie an Schulen 03.03.2021 Startseite TopmeldungHygieneregelnImpfungLüftenLeistung

Schulen können die Organisation der Reihentestungen nicht auch noch leisten

Tomi Neckov, BLLV-Vizepräsident, begrüßt, dass Lehrkräfte nicht zur Durchführung von Schnelltests in Schulen eingesetzt werden und die Tests freiwillig sind. Bei den anstehenden Reihentestungen müssen Schulen aber entlastet werden.

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Im Zuge der bayerischen Teststrategie kommen jetzt die ersten Schnelltestkits an die Schulen. Wir Lehrkräfte können uns damit zweimal pro Woche freiwillig selbst auf Corona testen, Jugendliche ab 15 Jahren freiwillig zuhause einmal pro Woche. Ein Erklärfilm auf der Homepage des Gesundheitsministeriums soll bei der Anwendung helfen. Positive Ergebnisse müssen anschließend in einem PCR-Test bestätigt werden. Das ist ein weiterer sinnvoller Schritt im Sinne des vom BLLV geforderten Test-, Impf- und Hygienekonzepts zur Erhaltung der Gesundheit der bayerischen Lehrkräfte und Schüler im Rahmen der Öffnungsstrategie.  

Wichtig, dass nicht Lehrkräfte die Tests bei Schülern durchführen müssen

Wir begrüßen vor allem die Entscheidung, dass Lehrkräfte nicht zur Durchführung von Schnelltests an den Schulen eingesetzt werden und die Tests freiwillig sind. Wir Lehrkräfte sind mit Distanz- und Wechselunterricht parallel zur Notbetreuung mehr als genug ausgelastet und haben schließlich auch keine medizinische Ausbildung.

Die Konsequenzen und den Ärger mit Eltern, würden Lehrkräfte bei Testung der Kinder Verletzungen hervorrufen, können und wollen wir uns weder ausmalen noch tragen.

Die Organisation der freiwilligen Reihentestungen ist für die Schule ein hoher Aufwand

Für die Schülerinnen und Schüler, die im Rahmen der weiteren Öffnungsstrategie wieder an die Schule zurückkehren, sind weitere freiwillige Reihentestungen an den lokalen Testzentren vorgesehen. Hier liegt die Organisation der Reihentests vor allem bei den Schulleitungen. Die Schulen müssen Teilnehmerlisten mit den Daten der zu Testenden erstellen und Einverständniserklärungen für minderjährige Schülerinnen und Schüler einholen. Das ist erneut jede Menge Verwaltungsaufwand, der zusätzlich zu bewältigen ist.

Zudem haben die Erfahrungen bei der Schulöffnung für die Abschlussklassen gezeigt, dass die Reihentestungen von vielen Schülerinnen und Schülern nicht angenommen wurden, da dieser Weg zu umständlich erschien. Wenn sich nur wenige testen lassen, geht die erhoffte Sicherheit durch das Testkonzept verloren.

Akzeptanz der Testungen erhöhen, die Testungen möglichst einfach und unbürokratisch durchführen

Ziel muss es sein, die Akzeptanz der Testungen zu erhöhen und die Testungen möglichst einfach und unbürokratisch durchzuführen. Warum werden die Zeitslots nicht einfach von den Testzentren an die Schulen übermittelt, die diese an die Eltern bzw. Schüler unbürokratisch weitergeben können? Die Anmeldung würde online durch die Eltern oder Schüler selbst erfolgen. Dies reduziert den Aufwand an den Schulen, die durch die Schulöffnungen schon besonders belastet sind. Auch die Testbereitschaft würde sich sicherlich erhöhen. Daher fordern wir das geplante Anmeldeprozedere dringend zu überdenken.

>> Autor: Tomi Neckov, 2. Vizepräsident des BLLV


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