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Schulleitung – Stirbt der Beruf aus?

Bildung entscheidend gestalten, so sähe die Berufung als Schulleitung idealerweise aus. Doch die Realität sorgt für einen großen Mangel an Interessierten. Gerd Nitschke, 1. Vizepräsident des BLLV, erläutert die Ursachen – und was dagegen zu tun ist.

08.11.2022 Von: Gerd Nitschke, 1. Vizepräsident des BLLV

„Würde ich den Job als Schulleiterin empfehlen? JEIN: Ein ganz klares JA, was die Unterstützung durch mein Kollegium, die Eltern und den Sachaufwandsträger betrifft. Ein ganz klares NEIN, was den Umgang meines Dienstherrn mit seinem Personal betrifft.“

So ein klares Statement einer Schulleiterin, das sicherlich die Gedanken wiedergibt, die sich Lehrkräfte machen, die erwägen, sich auf eine Schulleitungsstelle zu bewerben.

Die Zahlen sprechen klare Worte – siehe die Schriftliche Anfrage des Landtagsabgeordneten Thomas Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) an die Staatsregierung (22.08.2022, Drucksache 18 / 24124). Die Attraktivität des Berufes als Schulleitung hat massiv gelitten.

Qualität der Schulleitungen entscheidend für Bildungsqualität

Zum einen bewerben sich immer weniger Kolleginnen und Kollegen auf eine Stelle als Rektorin oder Rektor. Wenn nur eine einzige Bewerbung vorliegt, kann man von „Bestenauswahl“ kaum noch sprechen. Zum anderen werden Kolleginnen und Kollegen von Vorgesetzten überredet oder die Regierung weicht sogar die Kriterien (Dienstliche Beurteilung bzw. Verwendungseignung) auf, damit überhaupt noch Bewerbungen eingehen.

Und nicht selten bleibt so manche Schule ohne Schulleitung. Die Stellvertretung leitet dann die Schule – die wusste wohl sehr gut, warum sie sich nicht selbst auf die Stelle beworben hat – oder eine Schulleitung der Nachbarschule führt die Dienstgeschäfte mit. Dass dies für diese Personen weitere Belastungen bedeutet und so mancher auch an diesen Herausforderungen zerbricht, wird billigend in Kauf genommen.

Was tun? Die Attraktivität muss erhöht werden. Dieses Thema muss endlich einmal abgeräumt werden. Der BLLV weiß, wie:

  • Mehr Leitungszeit – die ersten Schritte sind gemacht worden. Weitere Schritte hat Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo angekündigt.
     
  • Mehr Verwaltungsangestellte – die zur Entlastung der Schulleitungen eingesetzt werden können. Erste positive Signale gibt es aus der Regierungskoalition.
     
  • Höhere Besoldungsstufe – Ministerpräsident Dr. Markus Söder hat A13 für alle Grund- und Mittelschullehrkräfte angekündigt. Dazu gehört natürlich auch ein Beförderungsamt für diese Lehrkräfte. Somit starten die Konrektorinnen und Konrektoren in A14 und die Schulleitungen an Grund- und Mittelschulen in A14+AZ.
     
  • Vertrauen und Rückendeckung bei den Entscheidungen vor Ort – gerade bei Themen wie Lehrermangel braucht es hier klare Unterstützung durch das Kultusministerium.
     
  • Qualifizierung und Werbung von engagierten Kolleginnen und Kollegen – die Besten müssen für diese Berufung „Schulleitung“ gefunden werden. Hier sind die Vorgesetzten gefragt Fortbildungen und Qualifizierungen anzubieten und „Schätze“ zu suchen und sie zu qualifizieren.


Für die Umsetzung dieser Maßnahmen bedarf es einer Kraftanstrengung der Entscheidungsträger. Gute Schule kann nur mit guten Schulleitungen funktionieren.
 



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