Nach dem kontroversen Format „StreitBAR“ folgte nun das Dialogforum „MachBAR“: BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann und Prof. Miriam Vock trafen sich erneut zur Online-Debatte der Allianz für Lehrkräfte vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, um lösungsorientiert über die Lehrkräfteausbildung zu diskutieren. Die Leitfrage der Veranstaltung: Wie kann die Lehrkräftebildung unabhängig von einer Zwei-Fächer-Vorgabe weiterentwickelt werden?
Nach dem Diskussionsformat der Oxford-Style-Debatte wurden zunächst pointierte Thesen herausgearbeitet und anschließend diskutiert – mit dem übergeordneten Ziel, dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken.
Profilbildung statt Fach-Fixierung
Während Prof. Vock betont, dass es keine Belege für qualitative Nachteile von Ein-Fach-Lehrkräften gebe, fordert Simone Fleischmann eine stärkere Profilbildung. Statt rein fachlicher Quantität müssten pädagogische Beziehungsqualität und Querschnittsthemen wie Inklusion durch modulare Studiengänge gefördert werden, weg vom starren Zwei-Fach-System. Ein zentrales Thema war dabei auch die Senkung der Abbruchquoten sowie die leichtere Integration ausländischer Fachkräfte, die oft an der Anerkennung eines zweiten Fachs scheitern.
Wie die BLLV-Präsidentin erläutert, soll ein Fundament aus „Core Practices“ den Praxisbezug erhöhen und Berufsanfänger:innen Handlungssicherheit geben. Mithilfe von Praxisbeispielen wird ein direkter Zusammenhang hergestellt zwischen dem "Wissen, dass" (Theorie) und dem "Wissen, wie" (Können). So soll verhindert werden, dass junge Lehrkräfte im Unterricht "schwimmen", weil sie für Standardsituationen bereits gefestigte Handlungsabläufe verinnerlicht haben, erläutert die BLLV-Präsidentin.
Das Fazit der Runde war klar: In der aktuellen Krise muss das Kollegium als multiprofessionelles Team gedacht werden, in dem unterschiedliche Profile die Qualität gemeinsam sichern.
Forderungen nach verändertem Studienmodell
Der BLLV mit Präsidentin Simone Fleischmann plädiert außerdem für ein gemeinsames Grundstudium für alle Lehramtsstudierenden, bei dem pädagogische, psychologische und fachdidaktische Grundlagen im Fokus stehen. Dies würde bedeuten, dass die Studierenden sich erst nach mehreren Semestern und ersten Praxiserfahrungen für eine spezifische Schulart entscheiden.
In vielen Bundesländern wurde das Lehramtsstudium bereits auf das Bachelor-Master-System umgestellt. Für eine flächendeckende Umstellung spricht sich BLLV-Präsidentin Fleischmann auch in Bayern aus. Der Master of Education nach 10 Semestern wäre somit der Regelabschluss für alle Lehramtsanwärter:innen.
Das gemeinsame Fazit: Mut zur Strukturreform
Fleischmann und Vock sind sich einig – die Bildungskrise erfordert ein klares politisches Commitment zu strukturellen Veränderungen. Um Innovationen zu ermöglichen, brauche es Experimentierklauseln für Universitäten. Der Schlüssel liegt in der Kohärenz: Studium, Referendariat und Fortbildung müssen zu einem verzahnten Bildungs-Kontinuum mit engem Theorie-Praxis-Bezug verschmelzen.
Ziel ist es, Schule nicht mehr als Ort für Einzelkämpfer:innen, sondern für multiprofessionelle Teams zu gestalten, in denen auch ausländische Fachkräfte ihren Platz finden. In Zeiten des zunehmenden Lehrkräftemangels ist es umso wichtiger denn je, die Qualität und Unterrichtsversorgung nachhaltig zu sichern.