BR24Sport Podcast "Pizza & Pommes" vom 31.01.2024 Startseite
Eigenverantwortung Eltern Individuelle Förderung Psyche

"Es geht um die Zukunft unserer Kinder" - Lebensschule Sport

Angesichts der schlechten PISA-Ergebnisse diskutieren Felix Neureuther und Manuel Baum in der aktuellen Folge des BR24 Sport Podcasts "Pizza & Pommes", auch mit der BLLV-Präsidentin darüber, wie mehr Sport in der Schule helfen könnte.

“Deutsche Schülerinnen und Schüler so schlecht wie nie" - so lauteten die Schlagzeilen im Dezember 2023. Bei der internationale Schulleistungsstudie der OECD, kurz PISA, hat Deutschland im Jahr 2022 sein bislang schlechtestes Ergebnis erzielt. Daraufhin kam die PISA-Offensive mit mehr Deutsch- und Mathematik-Unterricht an Grundschulen. Im Podcast wird nochmal nachgefragt: Was ist eigentlich mit der Sportförderung? Und die könnte nach Meinung von Felix Neureuther, Manuel Baum und auch von Simone Fleischmann, ein Hebel sein.

Felix Neureuther: Die Politik tut zu wenig

"Ich denke, dass das Thema Sport und Bewegung insgesamt in unserer Gesellschaft einen viel zu geringen Stellenwert hat", sagt Felix Neureuther in der aktuellen Folge des BR24Sport-Podcasts "Pizza & Pommes". Gerade die kreativen Fächer, also Kunst, Musik und Sport, kämen viel zu kurz: "Ich glaube, dass es in der heutigen Zeit extrem wichtig wäre, dass man genau diese Fächer versucht zu fördern. (...) Wenn du dich bewegst, und das ist ja auch wissenschaftlich bewiesen, entwickelt sich auch in deinem Gehirn etwas. Es werden neue Synapsen gebildet und so weiter. Du bist aufnahmefähiger und ich glaube, dass wir da in diesem kreativen Bereich schon definitiv ansetzen müssen."

In Kanada hätten die Kinder zwei Stunden Sport pro Tag, in Deutschland sind es in der Grundschulen zwei Stunden pro Woche: "Warum nicht mehr?" Manuel Baum, Ex-Lehrer, Ex-Bundesligatrainer und seit 2023 Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von RasenBallsport Leipzig, hat das Gefühl, "dass Schulsport nur ein Appendix ist, der bei uns im Schulsystem da ist". Und da die Noten nicht relevant seien, interessiere das Thema Schulsport auch niemanden. Diese Wertigkeit müsse verändert werden, so Baum.

BLLV-Präsidentin sieht auch Stiftungen und Sponsoren in der Pflicht

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann stimmt den Sport-Profis zu, geht aber noch einen Schritt weiter: "Ich glaube, dass unbedingt die Schulen selbst Angebote machen müssen. Es wäre fatal, wenn wir sozusagen nur mehr Deutsch und Mathe machen, weil das jetzt in PISA schlecht war." Denn auch bei den Studien wie PISA fehle es an einem ganzheitlichen Ansatz: "Wer misst denn die Bewegungskompetenz in PISA? Fehlanzeige. Wer misst denn das Glück? Als Lehrerin darfst du das gar nicht sagen. Aber eigentlich ist das Lebensglück das Wichtigste." so die BLLV-Präsidentin.

Um Verbesserungen zu erreichen, sieht Fleischmann auch andere in der Pflicht: "Wir brauchen da vor allem auch Unterstützung von Stiftungen, von externen Vereinen und auch von Menschen, die oft Sponsoring machen für Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen. (...) Die Bewegungserziehung ist Aufgabe von Schule, Vereinen, Eltern und von uns in der gesamten Gesellschaft."

Schulen ganzheitlich denken, dann könnten wir "Herzensthemen" besser fördern

Simone Fleischmann setzt dagegen mehr auf die Eigenverantwortung der Schulen und denkt dabei auch an die anderen kreativen Fächer: "Der eine macht also eine Sportwoche und der andere macht eine Nachhaltigkeitswoche. Das wird die Schule der Zukunft sein, dass wir nicht wie mit dem Rasenmäher überall gleich drüberscheren oder alle das Gleiche machen. Die Herzensthemen werden in den Mittelpunkt gestellt." Erst dann, sei eine Schule wirklich ganzheitlich aufgestellt. Die Profis vor Ort in den Schulen - die Lehrerinnen und Lehrer wüssten schon lange, dass andere Kompetenzen, wie Sport auf allen Ebenen bei den Kindern einzahlen. Dies könne aber nicht nur die Schule tragen: "Die Bewegungserziehung ist Aufgabe von Schule, Vereinen, Eltern und von uns in der gesamten Gesellschaft."

Die Eigenverantwortung der Schulen ist entscheidend

"Es gibt nur eine Lösung, und die heißt: Eigenverantwortung und die Schule vor Ort entscheidet," erklärt Fleischmann. Denn die Anforderungen seien von Schule zu Schule sehr unterschiedlich. Und genau hier liege die Krux an der Sache, denn viele Menschen von außen, verstehen nicht auf Anhieb, dass jede Schule anders sei: "Und das ist jetzt eine gefährliche Antwort, aber sie ist die Realität: du kannst die eine Schule mit der anderen nicht mehr so sehr vergleichen. Das müssen wir aber auch verstehen, in der einen Schule sind viele Kinder mit Migrationshintergrund und Sprachschwierigkeiten, dann werde ich da den Schwerpunkt setzen. In einer anderen Schule haben wir einen Ausländer und das ist ein Österreicher, dann werde ich jetzt nicht unbedingt den Sprachschwerpunkt da setzen müssen, dann kann ich da vielleicht einen anderen Schwerpunkt setzen. Und diese Flexibilität müssen wir verstehen, müssen wir auch politisch gehalten kriegen und das zahlt dann auch ein auf den Sport, weil dann kann man nicht einfach sagen wir streichen jetzt mal eine zweite Sportstunde."