Bild: Alltags-Masken sind den Klarsichtmasken überlegen in der Abwehr von Corona-Viren. Ab sofort sind Klarsichtmasken deshalb nicht mehr zulässig.
Fleischmann zum Verbot der Klarsichtmasken 17.12.2020 StartseiteKrisenkommunikationHygieneregelnMaskenpflicht

„Rahmenhygienepläne müssen auf neuesten medizinischen Erkenntnisse basieren“

Warum das bayerische Gesundheitsministerium die Klarsichtmasken zu einem Zeitpunkt, als die Gefährlichkeit von Aerosolen schon bekannt war, als zulässigen Mund-Nasenschutz gelten ließ, ist nicht schlüssig. Der BLLV erhebt deshalb Vorwürfe.

Nachdem sie einst gegenüber dem Gaststättenverband Dehoga explizit Klarsichtmasken als Mund-Nasen-Bedeckung deklarierten, rudern das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das bayerische Gesundheitsministerium jetzt zurück: Seit vergangener Woche sind die Klarsichtmasken nicht mehr zulässig. Grund: Durch den Spalt zwischen Haut und Masken dringt zu viel Luft.  

Besonders Grundschullehrer haben Klarsichtmasken gern getragen

Weil die Mimik besser sichtbar ist - und das besonders für kleinere Kinder wichtig ist - hatten gerade Lehrerinnen und Lehrer in der Grundschule Klarsichtmasken gerne getragen. Schließlich hatten das Gesundheitsministerium in den FAQ und der Rahmenhygieneplan für Schulen grünes Licht dafür gegeben. Immer gab es aber auch skeptische Kollegen, erklärt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann dem BR-Magazin „#Faktenfuchs“. „Es gab einige, die solchen Masken nicht trauten, weil ja zu spüren war, dass da mehr Luft durchging.“ Mehr Luft, also mehr Aerosole. Die gerieten als Überträger der Corona-Viren schon seit dem Monat April in Verdacht.  Im Laufe der folgenden Wochen, spätestens aber im Juli, wurden sie durch eine entsprechende Studie der LMU klar identifiziert. 

„Wir erwarten durchaus, dass die Verantwortungsträger die aktuellsten medizinischen Erkenntnisse in die Rahmenhygienepläne einfließen lassen. Wenn sie allerdings Vorgaben machen, die wider das aktuelle medizinische Wissen gehen, dann erheben wir Vorwürfe“, so Fleischmann gegenüber dem BR.

Zum Hintergrund: Im Juni hatte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) dem Hersteller von Klarsichtmasken Ende Juni eine Zulässigkeit bescheinigt (dem BR liegen entsprechende Schreiben vor), nachdem dieser ihm Videos und weitere Informationen zukommen ließ. Selber geprüft hatte es das LGL aber nicht. Stattdessen gab es die Freigabe von Klarsichtmasken an den Gaststättenverband Dehoga weiter. Diese Vorgänge bestreiten aber LGL und Gesundheitsministerium. Sie hätten die Klarsichtmaske lediglich als für bestimmte Zwecke möglicherweise "dienlich" und als "Alternative zur Community Maske" bezeichnet. Eine tatsächliche Prüfung sei nie behauptet worden. 

"Der BLLV muss sich verlassen auf die Ansagen, die von den Verantwortlichen kommen"

Wie es zu diesem Wirrwarr und Widersprüchen kommen konnte, ist für Simone Fleischmann nicht nachvollziehbar: "Der BLLV muss sich verlassen auf die Ansagen, die von den Verantwortlichen kommen.“


>> Der Faktenfuchs-Artikel zum Nachlesen "Klarsichtmasken: Ministerium kann Widersprüche nicht aufklären"


Schule in Zeiten der Corona-Pandemie
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