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„Eltern, Kinder und Lehrer leiden“

Karin Leibl, Vorsitzende des BLLV-Kreisverbands Ingolstadt, schildert, was die radikalen Kürzungsmaßnahmen des Kultusministeriums vor Ort anrichten. Aus Sicht des BLLV ist klar: Irgendwie Lücken schließen heißt, Kinder systematisch zu benachteiligen.

04.08.2022 Von: Boris Sunjic, Leitung Online-Redaktion des BLLV

Lehramtsanwärter abtelefonieren, ob sie auch wirklich wie geplant den Dienst antreten, Nachrücker suchen, Pensionisten zur Rückkehr und Studierende zum Schuleinsatz überreden, dazu irgendwie noch Willkommenskräfte anwerben: So schildert die BLLV-Kreisvorsitzende Karin Leibl im Gespräch mit dem Donaukurier die vom Kultusministerium nahegelegten Maßnahmen, um irgendwie dem akuten Lehrermangel beizukommen. Denn der ist auch hier dramatisch – mit weitreichenden Folgen:

„Die Förderung fällt aus, das ist in der Regel der erste Schritt bei Lehrermangel“, berichtet Karin Leibl. „Gerade Ingolstadt hat an den Grund- und Mittelschulen natürlich besonders viele Kinder mit Förderbedarf und Migrationshintergrund. Das bedeutet: Gerade diese Kinder, die in unsere Gesellschaft integriert werden müssten, fallen hinten runter. Das hat man bereits während der Corona-Pandemie bemerkt. Mit dem Lehrermangel potenziert sich das. Da dazu wohl noch Klassen zusammengelegt werden müssen, haben die Lehrer nicht mehr die Ressourcen, sich um die Kinder einzeln zu kümmern.“

Das ist dann nicht nur pädagogisch hochproblematisch, sondern auch eine enorme psychische Belastung für die betroffenen Lehrkräfte, für die genau das zum professionellen Selbstverständnis gehört und eine Herzensangelegenheit ist.

Raus aus der Dauerschleife!

Leibl räumt ein, dass kurzfristig keine Abhilfe zu schaffen ist: „Aktuell kann man nicht viel mehr machen, weil keine Lehrer da sind.“ Sie weist aber darauf hin, dass der BLLV schon seit Jahren nachhaltige Maßnahmen fordert, um genügend Lehrkräfte für gelingende Bildung beschäftigen zu können: „Gleiche Besoldung für alle Schularten, plus bessere Arbeitsbedingungen!“ Aus Sicht des BLLV muss außerdem die Lehrerbildung deutlich flexibler gestaltet werden.

Das alles hilft zwar nicht, den akuten Notstand zu beheben. Allerdings befindet sich die Staatsregierung schon seit Jahren in einer rhetorisch-taktischen Dauerschleife: Wenn der Lehrermangel akut wird, wird mit schmerzhaften Notmaßnahmen reagiert. Dabei bleibt es dann aber leider auch, anstatt zugleich die genannten notwendigen systemischen Langfristmaßnahmen ins Feld zu setzen, die eine Wiederholung dieser Notlage verhindern würden.

Bitte mehr Einsatz fürs „höchste Gut“!

Dafür hat auch der Schulamtsdirektor des Staatlichen Schulamts der Stadt Ingolstadt, Franz Wagner, kein Verständnis: „Bildung, so heißt es immer so schön, ist unser höchstes Gut“, sagt der Beisitzer des BLLV Kreisverbands Ingolstadt dem Donaukurier und stellt klar: „Dafür muss man aber auch etwas tun. Bildung hat also auch seinen entsprechenden Preis.“

Wagner warnt vor Problemen beim Lehrkräfte-Nachwuchs, Konkurrenz ums Personal zwischen den Schularten und dem Verlust von Bildungsqualität, weil immer öfter Menschen ohne pädagogische Qualifikation vor den Klassen stehen. „Mir graut vor den nächsten Jahren“, sagt der Schulamtsdirektor.

Aus Sicht von Karin Leibl ist die Konsequenz klar, wenn nicht endlich langfristig wirksame Maßnahmen ergriffen werden: „Der Mangel ist da und die Eltern, Kinder und Lehrer müssen nun darunter leiden.“



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