Wenn Maßnahmen nicht zum Problem passen Startseite A13

Leider gar nicht lustig

Die Satire-Sendung „quer“ analysiert auf Instagram die Reaktion der Staatsregierung auf den anhaltenden Lehrermangel und stellt klar heraus, wie verfehlt die Maßnahmen tatsächlich sind – weil sie Versuche sind, einem systemischen Problem mit Notlösungen beizukommen.

03.08.2022 Von: Boris Sunjic, Leitung Online-Redaktion des BLLV

Die Situation an bayerischen Schulen ist so dramatisch, dass das Kultusministerium fürs neue Schuljahr ein Minimalprogramm angeordnet hat, das alle Beteiligten schockiert und vom BLLV hart kritisiert wird. Statt Bildungsqualität geht es nur noch darum, dass vor jeder Klasse ein Mensch steht. Im Zweifel ist Qualifikation dabei Nebensache – von Bildungsqualität, wie sie durch einen ganzheitlichen Ansatz, Differenzierung, individuelle Förderung und Multiprofessionalität gewährleistet wäre, ist nichts mehr zu spüren.

Die Staatsregierung versucht also hektisch, die Lücken zu stopfen, die sie über Jahre selbst gerissen hat, wie Simone Fleischmann im Gespräch mit der Satiresendung „quer“ des Bayerischen Rundfunks klargestellt hat. Denn der Lehrermangel ist durch Corona und die aus der Ukraine geflüchteten Kinder und Jugendlichen zwar noch deutlicher zutage getreten – vor Probleme stellt er die Schulen in Bayern aber bereits seit über einem Jahrzehnt. „quer“ hat nun in einem Instagram-Beitrag die akuten Notmaßnahmen der eigentlichen Problemstellung gegenübergestellt – und so die offensichtliche Flickschusterei entlarvt:

Grund für die himmelschreiende Themaverfehlung ist dabei vor allem der fehlende Weitblick, der daraus deutlich wird. Der BLLV hat immer wieder langfristige Lösungen für den Lehrkräftemangel in die Diskussion eingebracht, sei es die faire Besoldung aller Lehrämter mit A13, eine flexible Lehrerbildung und generell der Einsatz für attraktivere Arbeitsbedingungen. In der Wahrnehmung der Staatsregierung war das Problem offensichtlich aber lange nicht drängend genug, um frühzeitig die nötigen Richtungsentscheidungen zu treffen. Erst als der akute Lehrermangel nicht mehr zu leugnen war, verfiel man in hektischen Aktionismus, den Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Eltern nun teuer bezahlen müssen.

Genug gewartet

Das Perfide daran: Der Hinweis, die vorgeschlagenen Maßnahmen würden jetzt in der akuten Problematik ja gar nicht helfen, ist sogar richtig. An diesen Punkt zu gelangen, heißt aber eben, dass zuvor jahrelang die nötigen präventiven Schritte verschlafen wurden, die von zahlreichen Experten als notwendig benannt worden waren. Der BLLV hat beispielsweise mit seiner Expertise „gerecht.investieren“ in allen Handlungsfeldern die nötigen Schritte benannt, um zukunftsfähige Bildung zu gewährleisten. Passiert ist davon erschreckend wenig.

Die Frage muss daher erlaubt sein, wie dramatisch sich der Lehrermangel eigentlich noch zuspitzen muss, damit das panische Feuerlöschen endlich in eine nachhaltige, verantwortliche Planung übergeht, die Lehrkräften die nötigen Rahmenbedingungen verschafft, um gemäß ihres professionellen Selbstverständnisses ihren pädagogischen Auftrag wahrzunehmen, damit Kinder und Jugendliche die Bildung erhalten, die ihnen verfassungsgemäß zusteht.



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