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Söder äußert sich zum Lehrermangel und fordert von Teilzeitlehrkräften "mal freiwillig eine Stunde länger zu arbeiten"

Erst im Winter und den damit verbundenen Krankheitsausfällen rechnet Ministerpräsident Söder damit, dass es zu Engpässen an den Schulen kommen könnte. Lösen sollen das dann Teilzeitkräfte.

16.09.2022 Von: Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV

Auf den besonders an Grund-, Mittel- und Förderschulen in akuter Weise herrschenden Lehrermangel und seine Folgen weist der BLLV seit vielen Jahren hin. Zum Schulstart nach den Sommerferien wird dem Thema verstärkt von breiterer gesellschaftlicher und politischer Seite mehr Aufmerksamkeit geschenkt. So berechnete der BLLV kürzlich ein Loch von 4.000 Lehrkräften, die fehlen, um guten Unterricht zu machen. Er kritisierte, dass Schulen vom KM angehalten wurden, größere Klassen zu bilden, Kürzungen bei Fächern wie Musik, Kunst oder Sport, bei Förder- und Differenzierungsangeboten und bei Arbeitsgemeinschaften vorzunehmen. Gleichzeitig appellierte der BLLV an den Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), Bildung endlich zur Chefsache zu machen.

Der äußerte sich im Interview von SAT1 zum Lehrermangel betont entspannt. Er gehe nicht davon aus, dass im Moment Unterrichtsausfall drohe. Eher im Winter wenn Lehrkräfte krankheitsbedingt ausfallen. Da müsste man sie sich dann noch Gedanken machen, wie man das lösen könne. „Vielleicht könnte dann auch die ein oder andere Lehrkraft, die jetzt in Teilzeit arbeitet, mal freiwillig eine Stunde länger arbeiten.“

Diese Aussage trifft bei BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im TV-Beitrag auf wenig Verständnis: „Ich bin es ziemlich leid, dass jetzt die Kolleginnen und Kolleginnen, die in Teilzeit arbeiten, daran Schuld sein sollen. Sie arbeiten ja ohnehin schon mehr. Uns fehlt vom Grundstein her die große Masse an Grund-, Mittel- und Förderschulen.“

Statement Simone Fleischmann: So nicht Herr Ministerpräsident!

"Seit langem kämpft der BLLV für wirksame politische Weichenstellungen gegen der Lehrermangel in Bayern, der jetzt ein noch nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat. Aus diesem Grund haben wir im August erneut gefordert, das Thema in Bayern zur Chefsache machen, nämlich zu Ihrer Sache Herr Ministerpräsident Söder. Und das haben Sie ja jetzt auch getan, indem Sie sich klar dazu geäußert haben: Es ginge um die Lehrerinnen und Lehrer in Teilzeit, die vielleicht ‚mal freiwillig eine Stunde länger arbeiten‘ sollen. Nein das ist nicht die Lösung die wir uns von Ihnen erwartet haben! Und das fängt auch nicht die große Masse an professionellen Lehrkräften auf, die uns heute fehlt!

Die Lösungen liegen lange auf dem Tisch: Attraktive Arbeitsbedingungen, Besoldungsgerechtigkeit für Lehrkräfte an Grund- und Mittelschule und die flexible Lehrerbildung. Wie Sie wissen, wurden die Teilzeitmöglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer an der Grundschule wegen des Lehrermangels bereits eingeschränkt. Die zusätzliche Arbeit, die alle an den Schulen schon seit langem leisten – egal ob freiwillig oder über die dienstrechtliche Einschränkung von Teilzeitmöglichkeiten – ist keine Lösung für die Zukunft. Es kann wirklich nicht sein, dass Menschen und insbesondere Frauen jetzt den politisch verursachten Lehrermangel auffangen sollen. Denn gerade die Frauen sind oft am stärksten betroffen. Und zwar die, die Arbeit und Kindererziehung irgendwie zusammenbringen müssen. Mehrarbeit trifft zuerst die, die Angehörige betreuen oder pflegen müssen und es wird auf Kosten der Familien und der Kinder gehen. Nein Herr Ministerpräsident, eine weitere ‚freiwillige Stunde mehr‘ von denjenigen, die schon seit Jahren am absoluten Limit arbeiten auf Kosten der eigenen Gesundheit, ist nicht die Lösung. So nicht Herr Ministerpräsident! Wir sind es leid!"

BLLV: Schwangere zurück in die Schule - nur mit Bedacht!

Das KM kündigt an, dass Schwangere bald freiwillig in den Präsenzunterricht zurückkommen dürfen. Dies sollte allerdings nicht im Hauruckverfahren passieren, sondern wohlüberlegt, mahnt Hans Rottbauer, Leiter der Abteilung Dienstrecht und Besoldung im BLLV. -> zum Kommentar

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