Ministerpräsident Markus Söder bei "jetzt red i" im BR Startseite Topmeldung
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Weniger Teilzeit? Mehr Deutschunterricht? Max Lachner vom BLLV fragt nach!

Viele Themen standen auf der Agenda von "jetzt red i" am 17. Januar. Max Lachner vom BLLV interessierten aber vor allem die aktuellen Schulthemen: weniger Teilzeit für Lehrkräfte und mehr Deutschunterricht an den Grundschulen.

Bauernproteste, Mittelstands- und Technologieförderung, Migrationspolitik - wenn der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im BR bei "jetzt red i" ist, dann wird die aktuelle Politik einmal komplett aufgemacht. Max Lachner, Rektor an der Grund- und Mittelschule Ebersdorf und Vorsitzender des BLLV Kreisverbands Coburg-Land, wollte aber vor allem wissen, wie es um die aktuellen schulpolitischen Pläne des Ministerpräsidenten steht. Schließlich hat dieser gerade angekündigt, die Teilzeitquote von Lehrkräften senken zu wollen und den Deutschunterricht an den Grundschulen auszubauen!

Teilzeit ist kein Luxus! Und ihre Einschränkung keine Lösung

Max Lachner stellte gleich zu Beginn klar, dass auch seine Familie auf Teilzeitregelungen angewiesen ist: "Meine Frau ist Gymnasiallehrerin. Seit der Geburt unseres ersten Kindes vor 13 Jahren arbeitet sie durchweg in der familienpolitischen Teilzeit. Nur so ist es möglich, dass wir Familie und Beruf miteinander vereinbaren können. Deswegen finde ich es ganz, ganz wichtig und etwas, was man nicht antasten sollte." Zusätzlich betonte er, dass man dringend etwas gegen den Lehrkräftemangel unternehmen muss - auch wenn die Einschränkung der Teilzeit nicht die Lösung ist: "Das Zusatzangebot, das Schulen prägt, also profilbildende Angebote, fängt beim Flötenkurs an und hört bei der Schulband noch lange nicht auf. Das geht aber immer weiter zurück, wegen dem Lehrermangel. Und auch, dass Unterrichtsausfälle nicht mehr so aufgefangen werden können wie früher ist offensichtlich. Deswegen meine konkrete Frage an Sie, Herr Ministerpräsident, wie sehen Sie kurzfristig und langfristig Möglichkeiten, dem Lehrermangel entgegenzutreten?"

Dazu Markus Söder: "Wir hatten noch nie so viele Lehrer im Freistaat wie jetzt. Es ist tatsächlich so. Wir haben noch nie so viele Lehrer gehabt wie jetzt und gleichzeitig haben wir die Herausforderung." Er betonte, dass es die Teilzeitmöglichkeiten natürlich weiter geben müsse, dass es aber nicht sein könne, dass die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer unter 50% einer Vollzeitstelle arbeiten. Seiner Meinung nach sei da "etwas durcheinandergekommen" was behoben werden muss. Das Ganze sei im Kampf gegen den Lehrkräftemangel aber nur eine "ergänzende Maßnahme", denn "das zweite sind tatsächlich neue Stellen, besser bezahlt. Sie wissen, gerade im Bereich der Mittel- und der Grundschulen, führen wir jetzt A13 ein, also eine deutlich bessere Bezahlung. Wir bewerben das auch national, weil wir auch der Meinung sind, wenn die anderen schon Länderfinanzausgleich kriegen, dürfen wir auch überall um Lehrerinnen und Lehrer werben. Wir sind auch der festen Überzeugung, bei den Stellen, die wir mehr ausweisen, dass wir auch Entlastung schaffen, auch da wieder durch Verwaltungskräfte, durch weniger Bürokratie, auch beispielsweise durch Schulpsychologen, Sozialpädagogen, die mithelfen können, das eine oder andere zu verbessern, um da voranzukommen." Er betonte, dass bessere Bezahlung und mehr Stellen in Verbindung mit weniger Teilzeit, die Lösung seien.

Sprache als Kompetenz - Sprachkompetenz für Integration

Der Ministerpräsindent selbst brachte dann das Thema des intensivierten Deutschunterrichts an den Grundschulen zur Sprache. Denn es sei richtig, dass viele profilbildende Angebote, Arbeitsgemeischaften und Zusatzangebote an den Schulen derzeit ausfallen und dass das bedauerlich sei, aber man müsse sich auch mit den Kernfragen und den Kernthemen wie dem Deutschunterricht beschäftigen. Das hätte auch die letzte PISA Studie gezeigt. Damit müsse man sich auseinandersetzen: "Wie können wir das lösen? Da bin ich für alle Vorschläge dankbar. Aber ich sage Ihnen auch mal ein Beispiel: in der Grundschule müssen wir halt einfach die Sprache und Deutsch stärker fördern. [...] Wir werden verpflichtende Sprachtests vor der Einschulung machen, um allen Kindern die Chance zu geben, mit dem gleichen Sprachniveau zu starten. Und das wird unser Ziel sein: sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. [...] Ich finde: Erst einmal die Kernkompetenz und dann das andere."

Auch Max Lachner ist das Thema Sprachkompetenz wichtig: "Deutsche Sprache ist auch ein Mittel zur Integration von ausländischen Schülerinnen und Schülern, die zu uns kommen. Wir haben in Ebersdorf bei Coburg viele Asylbewerber, Kinder mit Sprachstand null. Früher gab es Deutschklassen, es gab breite Förderung, Deutsch plus, DaZ-Unterricht. Auch das ist in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen. Wie sehen da die Maßnahmen kurz- und langfristig aus?"

Deutsch als erste Priorität!

Der Ministerpräsident betont, dass nach seinem Wissensstand die Deutschklassen massiv ausgeweitet wurden, dass er sich dazu aber auf den aktuellen Stabnd bringen wird und dass ihm das Thema sehr wichtig ist: "Da gibt es ganze Klassen, die überhaupt kein Wort Deutsch können. Da ist ja für alle Beteiligten keine Hoffnung. Also muss die erste Priorität sein: Deutsch. Und wenn du Deutschklassen hast, dann reicht manchmal ein Jahr nicht aus, manchmal muss man auch mal zwei Jahre Deutsch machen. Ohne die deutsche Sprache passieren zwei Dinge nicht: Es gibt kein berufliches Fortkommen, und was mir übrigens auch wichtig ist, es kann auch keine Wertevermittlung erfolgen. Denn am Ende wollen wir ja für alle, die bei uns sind, auch eine Integrationsleistung bringen. Und darum muss Deutsch, und auch Werteerziehung verstärkt werden."

Aus Sicht des BLLV bleibt bzuwarten, wie hier die genaue Umsetzung sein wird, denn wie BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann betonte: "Wie so oft erzeugen solche stichpunktartigen Ankündigungen meist nur Fragezeichen und Unsicherheit. Jetzt ist eine professionelle, wissenschaftlich fundierte und nachhaltige Umsetzung gefragt."

"jetzt red i" vom 17. Januar 2024

Hietr geht's zur ganzen Sendung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Unser Diskussionsbeitrag mit Max Lachner ab Minute 30:00 ...
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