Pädagogisch eine klare Fehlentscheidung 08.01.2021 Startseite TopmeldungDistanzunterrichtArbeitsbedingungenBildungsqualitätFerienNotbetreuungSchülerzentriert

„Ferien streichen ist ein No-Go!“

Gelingendes Lernen braucht den Wechsel von Anspannung und Regeneration, stellt BLLV-Präsidentin Fleischmann klar. Die Entscheidung der Staatsregierung, die Faschingsferien zu streichen, geht an den Erfordernissen aller an Schule Beteiligten vorbei!

Wenn am Montag die Schule wieder beginnt, stehen Lehrerinnen und Lehrer vor großen Herausforderungen: Die Infektionszahlen lassen die bestmögliche Art des Unterrichts in Präsenz nicht mehr zu, daher hat die Staatsregierung konsequenterweise flächendeckenden Distanzunterricht beschlossen. „Distanzunterricht ist pädagogisch und didaktisch enorm aufwändiger Unterricht“, stellt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann dazu klar. „Er ist eine Herausforderung für alle: Kinder, Eltern und Lehrer. Und: Er ist keine Normalität!“

Mit Blick auf Lernerfolge von Schülerinnen und Schüler betont Fleischmann im Interview mit München TV: „Wir Lehrerinnen und Lehrer spüren, dass es wichtig ist, dass man den Rhythmus des Lernens aufrechterhält, vor allem für die Kinder. Kinder brauchen eine Entspannung, eine Regeneration und dann wieder eine Phase der Anspannung. Gerade in der stressigen Situation jetzt wollen sie auch wieder zur Ruhe kommen.“ Daher sei es aus pädagogischer und didaktischer Sicht völlig kontraproduktiv, die Faschingsferien abzusagen, wie das die Staatsregierung nun getan hat. BLLV-Präsidentin Fleischmann stellt daher klar: „Ferien streichen ist ein Nogo!“

Eine Woche Unterricht kann keine jahrelang verschlafene Digitalisierung ausgleichen

Prinzipiell sei zwar zu verstehen, dass man wegen Corona ausgefallenen Unterricht aufholen wolle, dies müsse aber in einer Weise geschehen, die pädagogisch Sinn macht und Kindern und Jugendlichen, die durch den Distanzunterricht ohnehin zusätzlich gefordert sind, auch wirklich etwas bringt, so Fleischmann.

Hier wäre es beispielsweise hilfreich, wenn die durch die Notbetreuung zusätzlich belasteten Lehrkräfte nicht auch noch gegen die Folgen der jahrelang verschlafenen Versorgung der Schulen mit technischer Infrastruktur für digitale Unterrichtsmethoden ankämpfen müssten: „Durch die Art des jetzigen Unterrichts bekommen die Schülerinnen und Schüler nicht die Form von Bildung, die sie verdient hätten, und das liegt daran, dass die Digitalisierung in Schulen viele Jahre lang verpennt wurde“, kritisiert Simone Fleischmann. „Und da soll es jetzt eine gestrichene Woche Faschingsferien rausreißen? Das Kultusministerium will mit der Streichung der Faschingsferien wohl retten, was noch zu retten ist."

Bildungserfolg statt Aktionismus!

Die BLLV-Präsidentin betont: „Wir Lehrerinnen und Lehrer wollen unseren Beitrag leisten und werden uns alle Haxen ausreißen, um Corona bestmöglich zu überstehen und den Kindern und Jugendlichen die bestmögliche Bildung anzubieten. Dieser Einsatz muss aber zum einen wertgeschätzt werden und zum anderen auch in einer Weise rhythmisiert werden, die für Bildungserfolge tatsächlich sinnvoll ist, und die es den Kolleginnen und Kollegen auch ermöglicht, die dafür nötige Energie aufzutanken. Für beides ist die Streichung der Ferien absolut kontraproduktiv.“

Medienberichte

BR24: Schule light? Streit um Unterricht in Faschingswoche

Gegenüber BR24 (15.2.2021) sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann: "Die Kinder sind im Stress. Wir spüren Ängste. Wir haben womöglich Familiensituationen, die verdammt hart sind. Die Kinder lernen jetzt elf Wochen an der Strecke, und zwar nicht im Präsenzunterricht, sondern im Wechsel- und Distanzunterricht." Deshalb sei es richtig von den Schulen, in der Faschingswoche Tempo rauszunehmen.

-> zum Bericht auf BR24.de


Weitere Aussagen von Simone Fleischmann im kompletten Interview:

  • „Am schönsten wäre, wenn wir alle wieder in den Klassenzimmern zusammenkommen würden. Denn das ist der beste Unterricht: Ich sehe das Kind, das Kind sieht mich und wir können miteinander arbeiten. Aber Wunschkonzert ist halt in Corona-Zeiten nicht.“
     
  • „Wir Lehrerinnen und Lehrer müssen uns danach strecken, was die politische Ansage ist. Distanzunterricht ist eine echte Herausforderung, die wollen wir angehen. Wir haben uns einiges an Kompetenzen draufgeschafft, auch die Kinder sind schon firmer. Wir müssen jetzt mutig in diese Zeit gehen.“
     
  • „Wir brauchen beim Lernen für die Kinder Anspannungsphasen und Entspannungsphasen. Und selbstverständlich ist Distanzunterricht und Notbetreuung eine Doppelbelastung für Lehrerinnen und Lehrer. Das kostet richtig Kraft. Ich glaube, man sollte die Arbeitszeiten der Lehrer nicht überstrapazieren, eher wertschätzend mit ihnen umgehen. Die Faschingsferien einfach streichen ist ungut.“
     
  • „Ich erwarte von den Politikern, dass sie uns als Lehrerinnen und Lehrern den Rücken stärken. Wir brauchen Wertschätzung der Doppelbelastung und wir wünschen uns, dass wir alle bitte zusammenhalten.“
     




Schule in Zeiten der Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie zeigt den hohen gesellschaftlichen Wert von Schule. Damit sie trotz akutem Lehrermangel funktionieren kann, fordert der BLLV in einer politischen Erklärung, die Fürsorgepflicht des Dienstherrn in maximalen Gesundheitsschutz für Lehrkräfte umzusetzen, insbesondere im wichtigen Präsenzunterricht. Entscheidungen und deren Kommunikation müssen regional, klar, verlässlich, frühzeitig und transparent sein und schulische Eigenverantwortung stärken. Fairness muss vor Leistungsdruck gehen, digitale Ausstattung schnell verbessert werden. Jetzt ist nicht die Zeit für einfache Lösungen und Polemik. Aber jetzt ist die Zeit für langfristig tragende Konzepte für Arbeitsbedingungen, Multiprofessionalität und Attraktivität, um so Bildungsqualität auch über Corona hinaus zu sichern. Dazu braucht es einen konstruktiven Diskurs aller an Schule Beteiligten, für den der BLLV bereit steht. » Die politische Erklärung im Wortlaut