Die Initiative “Journalismus macht Schule” (JmS) bezeichnet Desinformation als “eine der größten Bedrohungen für demokratische Gesellschaften weltweit”. Die rasche Verbreitung von Künstlicher Intelligenz sowie schwer greifbare Algorithmen in Netzwerken wie TikTok beschleunigen die Dynamik von Falschinformationen. Um dem entgegen zu wirken, ist es wichtig, dass junge Menschen früh lernen, Informationen und Quellen kritisch zu prüfen und journalistische Qualitätsstandards zu verstehen. Vor diesem Hintergrund hat die Vermittlung von Nachrichten- und Informationskompetenz in den Schulen eine große Bedeutung.
Handlungsempfehlungen für den Kampf gegen Desinformation
Das kürzlich von JmS veröffentlichte Impulspapier geht der der Frage nach, was Schulen tun können, um die Verbreitung von Falschinformationen zu verhindern. Dabei kommen die Autor:innen zu dem Schluss: “Aktuell wird das deutsche Schulsystem dieser Aufgabe nicht gerecht.” Sie befassen sich in ihrer Analyse damit, wie die Vermittlung von Nachrichten- und Informationskompetenz in Schulen anderer Länder umgesetzt wird. Das Team schaute sich im Detail an, wie junge Menschen in Finnland, Österreich, England, Frankreich, den Niederlanden, Australien und Kanada an das Thema Medien herangeführt und bei ihrer Mediennutzung begleitet werden.
Auffällig ist, dass diese Länder den Fokus häufiger aus Aspekte wie Faktenchecks oder die Rolle von Medien für die Demokratie setzen, während Lehrpläne in Deutschland oft technische Aspekte in den Vordergrund stellen. Auch die fächerübergreifende Herangehensweise ist in vielen Ländern Alltag, ebenso wie die Einbeziehung externer Partner, wie NGOs, Journalist:innen oder Medienhäuser.
Aus dieser Analyse leitet das Team elf konkrete Handlungsempfehlungen für Deutschland ab:
- Nachrichten- und Informationskompetenz sollte von Anfang an verbindlich und fächerübergreifend unterrichtet werden.
- Inhalte und Ziele müssen klar definiert und konkret im Lehrplan festgelegt sein.
- Medienkompetenz muss auch KI, Algorithmen und informatische Grundlagen einschließen.
- Das Thema gehört in viele Fächer, nicht nur in den Informatikunterricht.
- Lehrkräfte brauchen verpflichtende Fortbildungen und bessere Ausbildung dazu.
- Zentrale Plattformen sollen Materialien und Fortbildungen bündeln.
- Journalist:innen sollten ihr Praxiswissen in Schulen einbringen.
- Es braucht eine bundesweit abgestimmte politische Strategie.
- Eine zentrale Ansprechperson auf Bundesebene sollte das Thema koordinieren.
- Aktionstage, Wettbewerbe und Preise stärken die öffentliche Wirkung.
- Die Wirksamkeit der Maßnahmen muss besser erforscht werden.
Schüler von heute auf die Welt von morgen vorbereiten
Auch der BLLV befasst sich seit längerem mit der Frage, wie Schulen KI und Mediennutzung sinnvoll in den Schulalltag einbeziehen können. Für BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann ist klar: “Es muss darum gehen, Schülerinnen und Schüler von heute auf die Welt von morgen vorzubereiten. Ziel muss sein, Kindern und Jugendlichen einen kritisch-reflektierten und professionellen Umgang mit Medien beizubringen.”
Über die Initiative “Journalismus macht Schule”
Die bundesweite Initiative “Journalismus macht Schule” macht sich stark für Medienbildung und die Vermittlung von Nachrichten- und Informationskompetenz an Schülerinnen und Schüler. Kinder und Jugendliche sollen dazu befähigt werden, sich möglichst umfassend, ausgewogen und faktenbasiert über das Zeitgeschehen zu informieren. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann unterstützt die bundesweite Initiative als Mitglied des Kuratoriums.