Mit der Einführung des Rechtsanspruches auf Ganztagsbetreuung wird allen Grundschulkindern, die im Schuljahr 2026/27 eingeschult werden, ein Platz zustehen. Die Süddeutsche Zeitung (kostenpflichtig) berichtet über die Herausforderungen in Kommunen und Schulen. Denn zuständig für die Umsetzung und Erfüllung des Ganztagsanspruches sind schlussendlich die Kommunen und Verantwortlichen an den Schulen. Vor allem fehle es an Geld und Personal.
Ganztagsanspruch: Probleme sind Raumknappheit und Personalmangel
Ab August 2026 gilt an Bayerns Grundschulen ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann bezweifelt, dass dieser Anspruch in den Kommunen rechtzeitig erfüllt und umgesetzt werden kann.
Als Beispiel wird die Grundschule Schöllkrippen des Schulverbandes im Landkreis Aschaffenburg herangezogen. Laut der Rektorin Julia Schuck, erste stellvetretende Bezirksvorsitzende im BLLV Unterfranken, sind hier ein Drittel der Kinder in der verlängerten Mittagsbetreuung untergebracht und bereits jetzt ist die Schule am Limit. Sobald der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kraft tritt, wird die Situation noch angespannter: Zunächst müssen alle Erstklässler einen Platz bekommen, bis 2029 soll der Anspruch für alle Grundschulkinder gelten. „Ich denke, das wird schwierig“, betont Julia Schuck.
Problematisch seien insbesondere die Räumlichkeiten und der fehlende Platz für die zunehmende Anzahl an Schülerinnen und Schülern, die betreut werden müssen, erklärt die Schulleiterin. Ein Neubau würde aber hohe Kosten und viel Bürokratie bedeuten, was für die Kommune Schöllkrippen eine große Herausforderung darstellt.
Flächendeckende Erfüllung der wahren Ansprüche der Eltern wird schwierig
Schöllkrippen ist nur eine von zahlreichen Kommunen in Bayern, in denen die finanziellen Mittel knapp sind, unter anderem aufgrund der konjunkturellen Lage. Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV, sind viele Kommunen bekannt, denen es ähnlich geht. Sie berichtet gegenüber der Süddeutschen Zeitung ebenfalls von absoluter Raumknappheit und akutem Personalmangel in vielen Orten. Der BLLV ist skeptisch, ob der Ganztagsanspruch rechtzeitig und umfassend umgesetzt werden kann. Fleischmann sagt, sie habe zwar keine Glaskugel, „aber wir glauben nicht, dass die wahren Ansprüche der Eltern flächendeckend in Bayern gedeckt werden können“.
BLLV fordert klare Rahmenbedingungen und finanzielle Mittel vor Ort
Die aktuelle Vielzahl an unterschiedlichen Betreuungsmaßnahmen beschreibt die BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann als ein „Dickicht an Angeboten“: Darunter Mittagsbetreuungen, Horte, Angebote von Vereinen und der gebundene Ganztag. Letzteres sieht Fleischmann als „exzellentes pädagogisches Modell“ und macht sich dafür stark. Zu den Vorteilen gehören mehr Zeit für Förderung sowie mehr Zeit für Inhalte und Persönlichkeitsbildung im Schulalltag. Dennoch gibt es immer weniger gebundene Ganztagsschulen in Bayern. Ein Grund dafür ist die schrittweise Einführung der Ganztagsgarantie an Grundschulen und der ohnehin schon bestehende Lehrkräftemangel.
Für die Umsetzung des Ganztagsausbaus sind laut Fleischmann vor allem klare Rahmenbedingungen erforderlich, an denen sich die Verantwortlichen vor Ort orientieren können, sowie finanzielle Mittel.