Mutproben des Lebens
Die neuen Buchtipps zum Jahresanfang behandeln herausfordernde Themen wie die Trennung der Eltern, die Wohnungssuche einer Großfamilie mit Migrationshintergrund und die Entführung einer Großmutter – mit viel Sensibilität und Verständnis geschrieben.
Manchmal wär ich gern ein Hai
Von Zsazsa von Ammon
- Mit Illustrationen von Hildegard Müller
- Verlag: Reihe Hanser
- ISBN: 978-3-423-64133-3
- Preis: 14,00 Euro
- Seiten: 132
- Altersempfehlung: ab 7 Jahren
Als Timo aus dem Urlaub nach Hause kommt, ist sein Vater verschwunden. Anfangs sucht Timo ihn und wartet darauf, dass er wieder zurückkommt. Auch für seine Mutter und seinen Bruder ist es schwierig. Schließlich stellt sich heraus, dass er die Familie wegen einer anderen Frau verlassen hat.
Dieses Kinderbuch behandelt ein schwieriges Thema mit viel Sensibilität und Verständnis. Trotzdem liest sich das Buch leicht und humorvoll und zeigt, dass das Leben weitergeht und noch viel Schönes bereithält.
Inhalt
Timo liebt seinen Vater über alles. Aber als er mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Tobi aus dem Italienurlaub zurückkommt, ist sein Vater aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Nicht nur für Timo bricht eine Welt zusammen. Gut, dass er seinen besten Freund Donnie hat, der ihn versteht und immer für ihn da ist. Auch Donnie hat ein Problem, bei dem ihm Timo beisteht. Er beginnt nämlich zu zittern, wenn er nur in die Nähe von Brücken kommt.
Timos großes Interesse gilt Haien, er weiß alles über sie. Als ihm sein Onkel Hanno einen Urlaub und einen Gutschein für einen Tauchkurs schenkt, freut sich der Junge über alle Maßen. Doch dann trifft er zufällig seinen Vater mit einer fremden Frau und einem Baby. Als sein Papa nicht auf seine Anwesenheit reagiert, bricht Timo daheim weinend zusammen. Aber die Familie macht einen Neuanfang, sie ziehen in eine andere Wohnung und sehen hoffnungsvoll in die Zukunft.
Bewertung
Das Kinderbuch behandelt ein schwieriges Thema: Das rücksichtslose Verhalten eines Vaters, der ohne Ankündigung seine Familie verlässt, um, wie sich später herausstellt, mit einer anderen Frau ein neues Leben zu beginnen. Die Ehefrau und die beiden Söhne versuchen ganz unterschiedlich mit dieser Situation klarzukommen. Der ältere Sohn Timo erzählt aus seiner Perspektive, wie er die Geschehnisse erlebt und empfindet.
Deutlich wird, was in dieser schwierigen Lage helfen kann: der Zusammenhalt in der Familie und ein guter Freund. Berührend, kindgemäß und ergreifend, dennoch mit viel Leichtigkeit und Humor wird erzählt, wie alle über sich hinauswachsen und lernen, mit der Situation umzugehen. Besonders die Freundschaft der beiden Jungen Timo und Donnie, die für den jeweils anderen über sich hinauswachsen und sich blind verstehen, geht dem Leser nahe.
Kleine Schwarz-Weiß-Zeichnungen illustrieren einzelne Szenen unspektakulär, aber trotzdem eindrücklich und prägnant. Ein wunderbares Buch zum Vorlesen oder Selbstlesen!
Das nennt man Glück
Von Cornelia Franz
- Mit Illustrationen von Meike Töpperwien
- Verlag: Gerstenberg
- ISBN: 978-3- 8369-6312-1
- Preis: 16,00 Euro
- Seiten: 142
- Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Die Mirzas, d.h. Janan, ihre vier Brüder und ihre Eltern, brauchen dringend eine größere Wohnung. Doch in einer Großstadt wie Hamburg ist es ziemlich schwierig, etwas Passendes zu finden, zumal, wenn man sich keine hohe Miete leisten kann.
Die Geschichte ist spannend und trotz des eigentlich ernsten Themas an vielen Stellen witzig geschrieben. Zudem bietet sie zahlreiche Gesprächsanlässe, sodass sie sich hervorragend als Klassenlektüre eignet.
Inhalt
Die neunjährige Janan und ihre Familie leben zu siebt in einer kleinen Dreizimmer-Wohnung. Weil es hier sehr eng zugeht, sind sie seit längerem auf der Suche nach einer neuen Mietwohnung. Das gestaltet sich aber schwierig, weil Wohnraum in einer Großstadt wie Hamburg Mangelware ist und die Mirzas darüber hinaus wenig Geld haben. Schließlich nehmen Janan und ihre Brüder die Sache selbst in die Hand. Doch immer wieder, wenn sie sich fast am Ziel glauben, geht etwas schief. Wie gut, dass sich da Janans Lieblingslehrerin, Frau Rosenboom, für die Mirzas einsetzt. Und zum Glück gelingt es Janan, dem Vermieter im entscheidenden Moment klarzumachen, dass sie und ihre Familie nun „dran sind“.
Bewertung
Der Mangel an Wohnraum und überteuerte Mieten sind besonders in Großstädten ein großes Problem. Dass davon besonders Familien mit einer Migrationsgeschichte betroffen sind, ist kein Geheimnis. Kindgerecht und authentisch erzählt Cornelia Franz, mit welchen Problemen Familie Mirza bei ihrer Wohnungssuche zu kämpfen hat. Traurig das Beispiel, dass völlig heruntergekommene Wohnungen angeboten werden, ebenso die Tricks und Mittel, mit denen Wohnungssuchende versuchen, die Vermieter von sich zu überzeugen.
Janan ist eine Protagonistin, die man sofort in sein Herz schließt. Sie ist gewitzt und geht die Dinge voller Elan an. Kein Wunder, dass auch ihre Lehrerin sie und ihre Familie gern unterstützt. Spannung entsteht dabei nicht nur durch die zahlreichen Hindernisse, mit denen sich Janan und ihre Familie herumschlagen müssen und die teils auch einfach dadurch entstehen, dass sie eine sehr vielköpfige Familie sind, sondern auch durch das große Geheimnis, das Frau Mirza nur mit ihrer einzigen Tochter teilt und das erst ganz am Ende aufgelöst wird. Ob sie wirklich noch ein Baby bekommt? Oder warum ist sie seit einiger Zeit immer wieder allein unterwegs, mitunter sogar abends?
Die mit den Zeichnungen von Meike Töpperwien wunderbar illustrierte Geschichte ist trotz des eigentlich ernsten Themas an vielen Stellen witzig geschrieben. Zudem bietet sie zahlreiche Gesprächsanlässe – Wohnraummangel, Fluchtgeschichte, Landminen im Irak und Fluchtursachen, kulturelle Unterschiede, Rollenbilder u.v.m. – sodass sie sich hervorragend als Klassenlektüre eignet. Sehr empfehlenswert!
Ist Oma noch zu retten?
Von Marie Hüttner
- Mit Illustrationen von Regina Kehn
- Verlag: Carlsen
- ISBN: 978-3-551-32213-5
- Preis: 7,00 Euro
- Seiten: 255
- Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Oma Lore ist verschwunden. Zusammen mit dem Nachbarsjungen Pepe, den sie zunächst unsympathisch findet, macht sich ihre Enkelin Pia auf die Suche nach ihr.
Dieses Kinderbuch ist eine wunderbare Kombination aus einem Kinderkrimi und einer Freundschaftsgeschichte.
Inhalt
Pia soll die Ferien bei ihrer Oma Lore verbringen, doch als sie dort eintrifft, ist diese nicht daheim. Zusammen mit dem Nachbarsjungen Pepe macht sie sich auf die Suche nach der verschwundenen Oma. Bald müssen sie feststellen, dass Oma Lore anscheinend entführt wurde. Anscheinend haben gestohlene teure Fahrräder etwas damit zu tun. Nach Omas Motto „Angst aus, Mut an“ machen sich die beiden auf die Suche, um sie zu retten. Dabei muss Pia ständig lügen, sie zieht falsche Schlussfolgerungen und alles scheint schiefzugehen. Doch sie gibt nicht auf. Letztendlich finden die Kinder Oma Lore, welche wirklich entführt wurde und zu dritt können sie gemeinsam die Fahrraddiebe dingfest machen.
Bewertung
Pia ist ein fantasievolles Mädchen, welches ihre Oma über alles liebt und von dieser viele lebenspraktische Tipps bekommen hat, die ihr nun bei der Suche helfen. Kurze Kapitel und eine rasante Handlung erleichtern das Lesen. Das Buch ist sowohl eine Freundschaftsgeschichte als auch ein witziger Kinderkrimi, geeignet für Jungen und Mädchen.
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