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Social-Media-Verbot: Hass und Hetze verhindern, Medienkompetenz schulen

Auch der Bundeskanzler erwägt Altersbeschränkungen bei Social Media. BLLV-Präsidentin Fleischmann betont, wie wichtig Kinder- und Jugendschutz sind. Zugleich müssen Schulen Zeit bekommen, an reflektierte, verantwortungsvolle Mediennutzung heranzuführen.

Seit Australien als Vorreiter eine Altersbeschränkung für Social Media umgesetzt hat, wird international über ähnliche Schritte diskutiert. In Deutschland hat die Bundes-SPD ein Impulspapier vorgelegt, das ein vollständiges Verbot unter 14 Jahren vorsieht.

Dazu hat sich heute auch Bundeskanzler Merz geäußert und vor den Folgen von „fünf Stunden und mehr Bildschirmzeit“ gewarnt: „Wenn die gesamte Sozialisation nur noch über dieses Medium stattfindet, dann brauchen wir uns über Persönlichkeitsdefizite und Probleme im Sozialverhalten von jungen Menschen nicht zu wundern. Im Vordergrund muss stehen, wie schütze ich die Kinder in einem Alter, in dem sie auch Zeit haben müssen zu spielen, zu lernen, sich in der Schule zu konzentrieren."

Rote Linien ziehen, aber dialogbereit bleiben

Dass die Frage dringlich ist, bestätigt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Gespräch mit Radio Oberland: „Wir merken natürlich, was da alles abgeht in den Social-Media-Kanälen der Jugendlichen. Wenn in Social-Media irgendein Schmarrn durchs Netz geht – Challenges mit ‘Wer stopft am meisten Klopapier ins Schulklo, wer produziert die größte Überschwemmung?‘ – dann merken wir natürlich, dass das nachgemacht wird. Solche Trends verbreiten sich übers Netz, dadurch natürlich auch Grenzüberschreitungen, auch Hass und Hetze. Jugendliche sind nicht nur im Netz unterwegs, sondern auch live und zeigen dann sehr häufig dieses Verhalten aus dem Netz live. Da gilt es dann, als Eltern dagegenzuhalten – aber eben auch in der Schule, sowohl interventiv als auch präventiv, sich aufzustellen.“

Begrenzungen und Verbote sieht Fleischmann auf europäischer Ebene, wichtig dabei seien dann technisch zuverlässige und einfache Lösungen, die es Eltern auch niederschwellig ermöglichen, den Social-Media-Konsum ihrer Kinder zu kontrollieren. Dabei dürfe es aber nicht bleiben:

„Der Dialog auf Augenhöhe mit den Jugendlichen ist verdammt notwendig. Wir müssen ihnen lehren, was sie da konsumieren. Wir müssen mit ihnen besprechen, was sie da erleben. Medienkompetenz heißt, wie gehe ich mit den Medien um, die es aktuell gibt? Wie nutze ich die sinnvoll? Wie gehe ich professionell damit um? Was mache ich, wenn ich irgendwie ein Content konsumiere, der mich verstört? Mit wem rede ich drüber? Wir müssen in der Schule ein Vertrauensverhältnis schaffen.“

Digitalkompetenz bleibt zentrales Bildungsziel

Lehrerinnen und Lehrer sind selbst stark am Thema interessiert. Simone Fleischmann verweist auf stets schnell ausgebuchte Fortbildungsveranstaltungen des BLLV zum Thema: „Uns bleibt gar nichts anderes übrig: Die Welt von morgen ist digital. Das Zeug geht nicht mehr weg. Wir werden uns mit dieser Welt beschäftigen müssen. Kinder und Jugendliche werden in 10-15 Jahren Berufe haben, die wir heute noch gar nicht kennen, die aber alle in der Welt der Digitalität unterwegs sind.“

Trotz einer möglichen Altersbeschränkung muss Medienkompetenz aus Sicht der BLLV-Präsidentin schon im Grundschulalter vermittelt werden: „Wir brauchen Medienerziehung unserer Meinung nach ab der ersten Klasse. Wir müssen die Kids altersgemäß mitnehmen. Wir brauchen vor allem auch die absolute Bekenntnis, dass das ein wichtiges Thema ist, mit den digitalen Medien umzugehen. Dann muss halt das ein oder andere Wissensthema vielleicht auch mal runterfallen. Kernkompetenzen wie Lesen, Rechnen, Schreiben brauchen  wir – aber Medienkompetenz scheint ja wohl DIE Future-Skill-Kompetenz zu sein, die wir brauchen.“

„Jugendliche nicht alleine lassen“

Solange es keine Einschränkungen gibt, ist indes vor allem der Dialog mit Jugendlichen wichtig, die sich in digitalen Welten zu verlieren drohen, betont BLLV-Präsidentin Fleischmann auch mit Blick auf Eltern: „Wenn ich einen Jugendlichen erlebe, der absäuft in diesem Social-Media Strudel, dann muss ich mit ihm reden. Ich muss irgendwie klarkriegen: ‘Was macht der da? Warum ist der so verstört? Warum kann der mit uns am Frühstück keinen normalen, geraden Satz reden?‘ Es braucht einerseits Beschränkungen, andererseits Dialoge. Wir können die Kinder da nicht alleine lassen – weder die Eltern noch die Lehrer.“

» zum Interview bei Radio Oberland: „Social-Media Verbote für Jugendliche? Das sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann“