„Das ist doch nur nachschlagen und kein Betrug!“ So empfinden es viele Schülerinnen und Schüler, wenn sie Lösungen für Unterrichtsfragen oder Prüfungen mit KI-Tools ermitteln. Zugleich fordern alarmierte Hüter eines tradierten Leistungsbegriffs lautstark drastische Strafen oder gar gleich Störsender, um die komplette Internet-Verbindung an Schulen lahmzulegen.
Dabei ist die Lösung aus pädagogischer Sicht klar, wie BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Gespräch mit der Bayerischen Staatszeitung erläutert. Lehrkräfte können nämlich jederzeit nachfragen, wie Kinder und Jugendliche zu ihren Erkenntnissen gekommen sind und leicht feststellen, ob wirklich ein eigenes, tieferes Verständnis erlangt wurde oder nur stumpf das nacherzählt wurde, was eine KI ausgespuckt hat. Das gelte schon lange, denn Schummelversuche sind ja nichts Neues, nur die Tools haben sich geändert, so Fleischmann. „Durch Verbote kommen wir nicht weiter“, resümiert sie.
Portfolio von Leistungsnachweisen nutzen
Die BLLV-Präsidentin empfiehlt daher, ein möglichst großes „Portfolio an Leistungsnachweisen“ zu nutzen: „Faktensheets, schriftliche Texte, Pro- und Kontra-Analysen und mündliche Formate“; der BLLV plädiert schon seit Langem für eine Abkehr vom auf Reproduktion ausgerichteten Lernen und Prüfen, weil so ohnehin keine nachhaltigen Bildungserfolge erzielt werden: Stumpf auswendig Gelerntes wird erwiesenermaßen schnell vergessen, während verständnisintensiv erworbenes Wissen und Kompetenzen tiefer verankert werden.
Wenn Bildung außerhalb der Schule ohnehin schon stark über KI stattfindet, muss auch Schule „alles nutzen, was die Technik hergibt“, so Fleischmann. Zentraler Auftrag muss dann aber die kritische Reflexion der Methoden und Ergebnisse sein, die Schüler:innen verwenden. Es geht also um die zurecht so häufig zitierte Medienkompetenz, in diesem Fall um kritisch reflektierte KI-Kompetenz.
Wenn alle KI nutzen, müssen Schulen reflektierten, transparenten Umgang vermitteln
„Wir müssen damit umgehen“, fordert die BLLV-Präsidentin. Dazu gehört für sie auch, transparent zu machen, wenn KI-Tools zur Unterstützung pädagogischen Arbeit genutzt werden – was ebenfalls längst auf breiter Front stattfindet.
Anlass des Berichts der Bayerischen Staatszeitung war auch der viel diskutierte Beitrag eines 18-jährigen Gymnasiasten auf der Diskussionsplattform reddit Mitte letzten Jahres. Er klagte über Benachteiligung, weil er nicht wie viele Mitschüler:innen versuchte, sich unfaire Vorteile durch die Nutzung von KI in Unterricht und Prüfungen zu verschaffen.
Simone Fleischmann kritisierte auch damals schon einen aus Sicht des BLLV in weiten Teilen überholten Lern- und Leistungsbegriff, denn eine rein reproduktive Feedbackkultur sei spätestens durch das Aufkommen von KI endgültig aus der Zeit gefallen: „Wir erkennen, dass sich die Lernwelt verändert hat. Wenn sich an den Abschlussprüfungen nicht auch etwas ändert, ändert sich auch das Lernen nicht. Dann lesen wir in 20 Jahren dieselben Posts frustrierter Schüler.“
» zum Bericht der Bayerischen Staatszeitung: „KI-Angriff auf das Bildungssystem“
Kritisch hinterfragen und reflektieren
Startseite Topmeldung
KI-Debatte bestätigt BLLV-Forderung nach zeitgemäßem Lernen, Lehren und Prüfen
Geschummelt wird schon immer, heute am liebsten mit KI. Überholte Vorstellungen von Lernen und Prüfen machen es Schüler:innen aber auch zu leicht, kritisiert BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Gespräch mit der Bayerischen Staatszeitung.