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Yes, we care!

Das Lehrerdasein hat viel zu tun mit dem Gefühl: Es reicht nie. Man könnte immer noch mehr machen, um den eigenen hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber das macht krank. Genauso wie die Arbeitsbedingungen, unter denen die zu wenigen Lehrkräfte arbeiten müssen. Wer aber sorgt für die Gesunderhaltung? Der Dienstherr? Jeder für sich selbst? Der BLLV kümmert sich um beides: um den Druck auf die Verantwortlichen – und um das Wohlergehen der eigenen Klientel.

Als Lehrerin habe ich mich immer gefragt: Warum bin ich eigentlich nie fertig? Kann ich nicht noch was Neues vorbereiten? Noch besser korrigieren, noch mehr individualisieren, noch mehr an ganzheitlichen Lernmaterialien für die Kinder konzipieren …

Als Schulleiterin hatte ich dann auch ständig das Gefühl, dass es nie aufhört. Wann habe ich denn Feierabend? Gott sei Dank kommt das Wochenende und ich habe endlich mal Zeit, die Mitarbeitergespräche auszuwerten, die Statistiken zu pflegen, die Schulversammlung vorzubereiten …

Und als BLLV-Präsidentin frage ich mich dauernd, mit wem soll ich noch reden, welche Journalisten sollte ich noch mal ansprechen, in welchem Kreisverband war ich schon lange nicht mehr, welche bildungspolitische Position müssen wir noch dringend erarbeiten, wann komme ich eigentlich wieder mit den eigenen Kolleginnen und Kollegen zusammen, wie kommen wir bei der Schulstruktur weiter …

Ja, Lehrerin war mein Traumberuf, Schulleiterin wollte ich immer werden und richtig zufrieden bin ich in der Rolle der BLLV-Präsidentin. Und so fordernd all das war und ist – eines habe ich immer gemacht: Ich habe auch auf mich geschaut. Immer war ich in der kollegialen Fallberatung, in der kollegialen Hospitation, in der Supervision. Weil mir klar war: Nur eine starke Lehrerin ist eine gute Lehrerin; nur eine ausgeglichene Schulleiterin kann gute Schule machen; und nur eine vitale Präsidentin kann unsere Kolleginnen und Kollegen mit voller Kraft vertreten.

Das alles gilt heute erst recht. Wenn alle von Work-Life-Balance, von Resilienz und Lehrkräftegesundheit reden, dann müssen wir bei uns selbst anfangen. Wir können, wir müssen selbst auf uns schauen. Unser Schulleiter tut das vielleicht nicht. Die Schulrätin wohl auch nicht. Die Kultusministerin? Der Ministerpräsident? Wer schaut denn wirklich auf uns? Nur wir selbst. Und: der BLLV.

Als Verband schauen wir auf zwei Ebenen. Zum einen auf der systemischen: Wenn wir schon zu wenige Lehrkräfte sind, dann müssen wir für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen und für mehr Flexibilität. Das ist bitter nötig angesichts dramatisch wachsender Zahlen bei Frühpensionierungen, Burnout- Quoten, Frühausstiegen junger Kolleginnen und Kollegen, Teilzeitquoten, begrenzter Dienstfähigkeit. Und was tut die große Politik? Sie beantwortet unsere Hilferufe mit Einschränkung der Teilzeit, stellt das Beamtentum infrage, fällt ein in das wohlfeile Lehrerbashing und das Gerede, diese Lehrkräfte sollten einfach mal mehr arbeiten.

Die andere Ebene ist die individuelle: Der BLLV sieht sich in der Verantwortung einer Solidargemeinschaft. Wir treffen uns mit unseren Kolleginnen und Kollegen und spüren, dass es vielen ähnlich geht. Wir stützen uns gegenseitig. Wir bieten Fortbildungen an. Wir bieten Veranstaltungen an, bei denen wir uns gegenseitig stärken, psychisch wie intellektuell. Solidarität im BLLV heißt: klare Forderungen formulieren, damit sich die Arbeitsbedingungen für uns Kolleginnen und Kollegen verbessern und nicht verschlechtern. Und Solidarität heißt, dass wir zusammenstehen und uns gegenseitig stärken.

Wir kämpfen miteinander und füreinander. Wir haben eine starke Vertretung in den unterschiedlichen Personalräten, wir sind laut und professionell in den Medien, wir vertreten unsere Kolleginnen und Kollegen auf allen Ebenen mit hoher rechtlicher Expertise, wir lassen keinen Politiker aus und adressieren stets die Bedingungen an den Schulen vor Ort, wir nennen unsere berechtigten Forderungen für bessere Arbeitsbedingungen und wir vermitteln unser Verständnis von moderner, leistungsorientierter und ganzheitlicher Bildung.

So manche Politiker werfen uns vor, wir würden nur jammern, den Beruf schlechtreden und einfach nicht wahrhaben wollen, dass Bayern insgesamt und vor allem bei der Bildungspolitik doch wunderbar dasteht. Aber da spielen wir nicht mit. Wir stimmen nicht in die Lobgesänge ein, bei denen am Ende immer rauskommt, dass nichts verändert werden muss. Wir schauen auf die realen Bedingungen vor Ort an den Schulen und lassen es uns nicht nehmen, diese überall kritisch zu adressieren.

Denn wir sind diejenigen, die die Gesundheit der Lehrkräfte wirklich im Blick haben. Wir machen – durch unsere Politik und durch unsere Service-Angebote – ernst mit unserem Slogan: Nur starke Lehrerinnen und Lehrer machen starke Schule. Und für uns selbst gilt genauso: Nur ein starker BLVV auf allen Ebenen – vom Kreisverband, über den Bezirksverband bis zum Landesverband, von den Fachgruppen, über die Referate bis zu den Abteilungen – schaut auf seine Mitglieder. Wir kümmern uns. Oder, frei nach dem Spruch eines amerikanischen Präsidenten: Yes, we care!

>> zur bayerischen schule #1: Lehrkräftegesundheit