Wer mit Elke Stein, Lehrerin und Referentin, redet, der merkt: Sie brennt für das, was sie tut. Auch, weil sie will, dass nicht noch mehr Kinder in der Schule das erleiden müssen, was sie durchlebt hat. Bevor das Gespräch ans Eingemachte geht, klären wir erst einmal die Fakten rund ums Thema Neurodivergenz.
BLLV-Akademie: Liebe Frau Stein, könnten Sie erklären, was man unter Neurodivergenz versteht?
Elke Stein: Unter Neurodivergenz versteht man Menschen, deren Gehirn anders arbeitet als es die gesellschaftliche Norm definiert. Das betrifft zum Beispiel die Verarbeitung von Informationen und Reizen – manche sind reizoffener, nehmen also innere oder äußere Eindrücke intensiver wahr. Zu den bekannten Formen von Neurodivergenz zählen ADHS, Autismus, Hochbegabung oder auch Teilleistungsstörungen wie Legasthenie und Dyskalkulie. Wichtig ist: Neurodivergenz ist kein Randphänomen. Man geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Gesellschaft neurodivergent ist. Das heißt, es ist keineswegs ungewöhnlich, sondern Teil ganz normaler Vielfalt.