Grundschule
Eltern in Sorge Startseite Topmeldung
Übertritt Eltern Noten Bildungsgerechtigkeit Entwicklungsgespräch Individuelle Förderung Leistungsdruck Leistungsrückmeldung Motivation Systemdebatte

Erschwert die Bewertung der Rechtschreibung in allen Fächern den Übertritt?

Weil an bayerischen Grundschulen die Rechtschreibung nicht mehr nur in Deutsch in die Benotung einfließt, fürchten Eltern, der Übertritt könnte noch schwieriger werden. BLLV-Expertin Sabine Bösl sieht dafür bisher keine Anzeichen, teils aber höhere Motivation.

Die Übertrittsregelung in Bayern sieht der BLLV generell kritisch: Dass drei unsauber als Durchschnitt gerechnete Ziffernnoten so massiv Einfluss auf die Bildungsgeschichte zehnjähriger Kinder nehmen, ist pädagogisch nicht zu rechtfertigen und widerspricht allen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Insofern ist nachvollziehbar, dass viele Eltern, die ihren Kindern beste Bildungschancen und eine gute Zukunft wünschen, zum Ende der Grundschulzeit hin immer nervöser werden – besonders wenn es um die Entstehung der Zensuren geht.

Problemfall Mathe-Textaufgabe

So berichtet die Augsburger Allgemeine aktuell über Eltern, die Nachteile für ihre Kinder befürchten, weil Bayern entschieden hat, dass die Rechtschreibung künftig in allen Fächern mit bewertet werden muss – und nicht wie bisher nur in Deutsch. Grund war ein Legasthenie-Prozess, in dem das Bundesverfassungsgericht urteilte, dass es generell klarere Regeln für die Bewertung von Orthografie braucht.

Die Sorge der Eltern: Ein Schreibfehler in der Antwort einer Textaufgabe in Mathematik könnte nun trotz fehlerfreier Rechnung die Bestnote verhindern – möglicherweise dann auch im Zeugnis, wo sie für den Drei-Fächer-Schnitt vielleicht gebraucht wird, um schlechtere Leistungen in Deutsch oder HsU auszugleichen.

Verunsicherung war absehbar

Sabine Bösl, Leiterin der Abteilung Schul- und Bildungspolitik im BLLV, sieht dafür derzeit jedoch keine Anzeichen, wie sie im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen betont. „Wir müssen die Übertrittszeugnisse im Mai abwarten“, sagt sie. Die „Verunsicherung auf allen Seiten“ war allerdings bereits bei der Entscheidung in Bayern über den neuen Umgang mit der Rechtschreibbewertung absehbar.

Während das Kultusministerium etwas verklausuliert darauf verweist, dass Lehrkräfte erhebliche Spielräume bei der Notenvergabe haben und natürlich niemand daran interessiert ist, Kindern wegen Rechtschreibfehlern bei guter inhaltlicher Leistung gar den Übertritt zu verbauen, erleben Eltern den Prozess nun zumindest als intransparent.

Sauberes Abprüfen wichtiger als nachhaltiges Lernen?

In der Praxis lässt sich Sabine Bösl zufolge allerdings zumindest ein positiver Aspekt beobachten: Kinder würden dadurch bewusster auf die Rechtschreibung achten. „Für manche ist das ein Ansporn“, so Abteilungsleiterin Bösl.

Insgesamt zeigt die aktuelle Debatte indes wohin es führt, wenn Schulen nicht primär als Lernorte verstanden werden, in denen der Bildungserfolg der Kinder im Mittelpunkt steht, sondern als Bewertungsanstalten, deren Entscheidungen nicht nur möglichst transparent und vergleichbar sein sollten, sondern gar juristisch wasserdicht. Rechenspiele um Nachkommastellen und Bewertungskriterien sorgen sicher nicht für bessere Lernerfolge und extrinsische Motivation ist selten nachhaltig.

Somit wäre die jetzige Irritation einmal mehr ein guter Anlass, um das komplett notenfokussierte Prozedere beim Übertritt, dass sich bundesweit außer Bayern kaum ein andere Bundesland leistet, grundsätzlich zu hinterfragen. Es gibt erwiesenermaßen effektivere Wege – und bessere Zeitpunkte –, um die richtigen Weichen für den maximalen Lernerfolg junger Menschen zu stellen.

» zum Bericht der Augsburger Allgemeinen: „Punktabzug wegen Rechtschreibfehlern: Gefährdet der „Fuks“ den Übertritt ans Gymnasium?“