Im Fokus stand dabei insbesondere die bayerische Mittelschule. Nach einer Begrüßung durch Manuel Sennert, Vorsitzender des BLLV Oberpfalz und einem Grußwort der Abteilungsleiterin Sabine Bösl, die diese Reihe zusammen mit ihrer Abteilung im BLLV initiiert hatte, folgte ein wissenschaftlicher Impulsvortrag von Prof. Dr. Nina Bremm (FAU Erlangen-Nürnberg), der die Grundlage für die anschließende Podiumsdiskussion bildete.
Zunehmende soziale Disparitäten im Bildungssystem
Prof. Bremm stellte aktuelle Forschungsergebnisse vor, die zeigen, dass der Bildungserfolg in Deutschland noch immer stark vom sozialen Hintergrund abhängt. Besonders alarmierend sei der zunehmende Leistungsabfall in mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen sowie der wachsende Abstand zwischen Kindern aus verschiedenen sozialen Milieus. Schon in der Grundschule beträgt der Leistungsunterschied bis zu zwei Lernjahre – und vergrößert sich bis zur 9. Jahrgangsstufe auf bis zu drei Jahre.
Ein zentraler Punkt war die sogenannte Passungsproblematik: Kinder aus nicht-akademischen Haushalten erleben Schule häufig als „fremderen Ort“, da viele Regeln und Erwartungen dem Milieu der Mittelschicht entstammten. Dies führe zu systematischen Benachteiligungen und geringeren Bildungschancen.
Bremm betonte, dass internationale Vorbilder wie Kanada oder die nordischen Länder zeigen, welche Wirkung Investitionen in frühkindliche Bildung und in Schulen in herausfordernden Lagen haben. „Nur Strukturreformen reichen nicht – entscheidend ist, dass Schulen personell und kulturell gestärkt werden“, so Bremm. Auf diesem Weg sei die Arbeit im BLLV ein wichtiger Baustein.
Podium: Realität der Mittelschule im Fokus
In der von Laura Winkler moderierten Podiumsdiskussion diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Schule und Elternschaft: MdL Nicole Bäumler, HWK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Reif, Berufsberater Wolfgang Bernreuther, Elternbeiratsmitglied Michael Donhauser, Stadtschülersprecherin Johanna Donhauser und BLLV-Bezirksvorsitzender Manuel Sennert.
Dabei wurde deutlich, wie groß der Abstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der Mittelschule ist. Rahmenbedingungen, hohe Belastung der Lehrkräfte, mangelnde Unterstützung durch multiprofessionelle Teams sowie die frühe Selektion im bayerischen Schulsystem wurden wiederholt kritisiert.
Sennert betonte: „Die Schülerinnen und Schüler, die am meisten Unterstützung brauchen, erhalten sie am wenigsten. Die Mittelschule wurde über Jahre kaputtgespart.“ Auch Bäumler unterstrich, dass sich trotz vieler Probleme kaum etwas bewege: „Wir brauchen mehr Personal, mehr Unterstützung und vor allem bessere Voraussetzungen für Schulen in schwierigen Lagen.“
Aus Sicht der Wirtschaft forderte Reif mehr ausbildungsreife Bewerber und eine engere Verzahnung zwischen Schule und Betrieben. Positiv hervorgehoben wurden erfolgreiche Kooperationsprojekte wie Bewerbungstage oder Berufswahlseminare. Einig war sich das Podium, dass gute schulische Entwicklung mehr Zeit, verlässliches Personal und eine moderne Schulverwaltung braucht.
Schlussrunde: Was jetzt passieren muss
Zum Abschluss durfte jeder Podiumsgast eine Wunschveränderung formulieren. Die Bandbreite reichte von „mehr Kunst und Musik“, über „mehr praktische Lernangebote“ bis hin zu „mehr Ressourcen für Schulen in herausfordernden Lagen“. Sennert plädierte zudem für den Ausbau des sozialen Lernens und Reif für ein stärkeres öffentliches Ansehen der Mittelschule. Mit einem Dank an die Gäste und an das engagierte Organisationsteam – darunter besonders Maria Pfeiffer und Manuel Sennert – schloss die Veranstaltung.
Fazit
Sicher wurde allen Zuhörerinnen und Zuhörern deutlich, wie schlecht es um die Bildungsgerechtigkeit in Deutschland und insbesondere in Bayern bestellt ist. Es wurden viele Probleme benannt, die der BLLV schon viele Jahre in den Fokus stellt. Besonders positiv war deshalb das Schlusswort von Professorin Nina Bremm zu bewerten, die das Engagement des BLLV in dieser Sache ausdrücklich lobte.