BLLV-Akademie: Aus dem Pressetext Deines Buchs heißt es: „Frauengesundheit gewinnt immer mehr an Aufmerksamkeit – und bedarf dieser auch. Denn der weibliche Körper hat ganz besondere Bedürfnisse.“ Wie definierst Du für Dich Frauengesundheit?
Nicoletta Wagenstetter: Mein Background ist TCM und Yin Yoga, also eine sanfte Form von Yoga. Dahinter steht ein Mindset, das sich vielleicht so beschreiben lässt: Weniger machen, Zurückkehren zum Sein und zurückkehren zum Spüren. Innehalten, den Körper arbeiten lassen. Und das ist gar nicht so einfach, wie sich das anhört: Diese Ruhe auszuhalten! Denn in unserer optimierten Gesellschaft entspricht das nicht dem heutigen Geist. Denn zum Beispiel als Frau in den Wechseljahren bekommst du über Insta und Co ständig gesagt: Du musst Gewichtstraining machen, Du musst ganz viele Proteine zu Dir nehmen und so weiter.
BLLV-Akademie: Es hört sich aber auch erleichternd an, wenn man als Frau gesagt bekommt: Du musst Dich nicht noch mehr anstrengen!
Nicoletta Wagenstetter: Eben! Ich glaube, dass Ruhephasen für den Körper extrem wichtig sind und dass wir dann in Verbindung mit unserem Körper treten. Man kann auf die Heilungsprozesse vertrauen, die der Körper in den Ruhephasen durchläuft. Im Schlaf leisten wir ja auch nichts und trotzdem ist Schlaf extrem wichtig für uns und unsere Gesundheit.
BLLV-Akademie: Für die BLLV-Akademie hast Du in Kürze ein Seminar zum Thema Akupressur bei Endometriose. Endometriose ist ein Schwerpunkt Deiner Arbeit. Wie kam es dazu?
Nicoletta Wagenstetter: Ich war 25 Jahre undiagnostizierte Endometriose-Patientin. Hochdosierte Schmerztabletten waren für mich in meinem Alltag total normal. Die extremen Schmerzen haben mich natürlich in meinem Leben, privat und beruflich, sehr beeinflusst. Weil die Schulmedizin meine extremen Schmerzen als „normal“ abgestempelt hat und mir nicht helfen konnte, habe ich mich mit Komplementär-Medizin beschäftigt: Yoga, TCM, Akupressur und so weiter. Dadurch bin ich endlich in die Selbstwirksamkeit gekommen – aus der Not heraus. Das war eine sehr große psychologische Stütze für mich. Es hat mir geholfen, meinen Empfindungen und meinem Körper wieder zu vertrauen.
Mittlerweile wird Akupressur übrigens auch in der Schulmedizin bei der Schmerztherapie begleitend als sehr wirksam erachtet. Die Charité in Berlin ist da ein Vorreiter. Man muss es natürlich auch regelmäßig machen!